Neue Entwicklung: Eine Zusammenarbeit von Fachmedizinern ist vor allem bei Tumorerkrankungen unerlässlich

Die Experten beraten an einem Tisch

Gemeinsame Sache: Viszeralchirurg Dr. Johannes Heimbucher (Mitte) und Gastroenterologe Dr. Gero Moog (rechts) untersuchen gemeinsam eine Patientin. Dabei werden sie von Schwester Vanessa unterstützt. Foto:  Polk

Wer zur Krebsvorsorge geht, hofft im Stillen, dass alles in Ordnung ist. Doch manchmal ist das Ergebnis ein anderes: Der untersuchende Arzt stellt eine Auffälligkeit fest. Bei Erkrankungen im Dickdarmbereich ist Blut im Stuhl oft ein erstes Anzeichen. Weitere Untersuchungen sind notwendig.

Für den Betroffenen ist die Situation nicht nur beunruhigend. Sie wirft eine Reihe von Fragen auf, mit denen er sich schnell überfordert fühlt. Wo soll er sich untersuchen lassen? Soll er zu einem Spezialisten gehen, und wenn ja, wer ist das? Welcher Fachbereich der Medizin ist überhaupt zuständig?

Fachärztlicher Austausch

Vielerorts haben Ärzte auf die Nöte der Patienten reagiert und sich zusammen getan, um aus verschiedenen Fachrichtungen einen Befund zu beurteilen. Dabei ist jeder Spezialist auf seinem Gebiet. Gerade das erfordert einen lebendigen Austausch untereinander.

„Eine Abgrenzung einzelner Sektoren ist nicht im Sinne des Patienten“, sagt Privatdozent Dr. Johannes Heimbucher. Der Facharzt für Chirurgie ist Chefarzt der bauchchirurgischen Abteilung am Marienkrankenhaus Kassel. Im Fachjargon heißt diese Abteilung Viszeralchirurgie.

Entwicklungen haben Chirurgie revolutioniert

In den letzten 30 Jahren hat sich auf diesem Gebiet viel geändert. Die Entwicklung der minimal-invasiven Techniken hat das Fach revolutioniert. Wo früher nur per Bauchschnitt operiert wurde, ist heute die so genannte Schlüssellochchirurgie, mit Fachausdruck laparoskopische Chirurgie, in vielen Fällen das Verfahren der Wahl. „Wir operieren etwa 90 Prozent unserer Patienten laparoskopisch“, sagt Dr. Heimbucher.

Die technischen Möglichkeiten werden stets weiter entwickelt. Auch die Magen-Darm-Spezialisten aus dem Bereich der inneren Medizin, die Gastroenterologen, nutzen die endoskopischen Techniken zur Untersuchung der Bauchorgane und für kleine Eingriffe, wie die Abtragung von Darmpolypen.

„Manche Bauchoperationen, die früher aufwändig und riskant waren, können heute in Kombination moderner endoskopischer und laparoskopischer Techniken mit relativ geringer Belastung vorgenommen werden“, so der Chefarzt. Als Beispiel nennt er die Entfernung von Gallensteinen aus dem Gallengang. Eine enge Verzahnung von ambulanter und stationärer Medizin ist auch zum Beispiel bei chronischen Darmentzündungen besonders nützlich. Dies wird am Marienkrankenhaus mit der dort angesiedelten gastroenterologischen Fachpraxis gewährleistet.

Die Viszeralchirurgen arbeiten intensiv mit den Praxisärzten zusammen. Ambulante Eingriffe können dort vorgenommen werden. Ist eine stationäre Aufnahme erforderlich, sind die Wege kurz. Dies betrifft auch den Austausch der Beteiligten: Schnell ist abgeklärt, welche Untersuchungen schon gemacht wurden und wie der fachärztliche Kollege die Situation beurteilt.

Dr. Heimbucher betont, dass es nicht immer sinnvoll ist, alle operationstechnischen Möglichkeiten auszuschöpfen. „Es muss abgewogen werden, ob eine Heilung oder Linderung der Symptome erreicht werden kann, und wie sich die Operation auf die Lebensqualität des Patienten auswirkt“, sagt der Facharzt. Über die bestmögliche Behandlung beraten Fachärzte aller beteiligten Abteilungen gemeinsam.

Von Ilona Polk

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