Zeichen der Zeit

Reife Haut muss nicht alt aussehen

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Haut unter der Lupe: Dr. Jürgen Ellwanger untersucht die Pigmentflecken mit einem Dermatoskop.

Frische, elastische Haut – auch im Alter: Diesen Wunsch haben nicht nur Frauen. Die gute Nachricht: Jeder kann selbst etwas tun, um die Zeichen der Zeit aufzuhalten.

Falten bilden sich, bräunliche Flecken entstehen, Äderchen schimmern durch: Mit den Jahren hinterlässt die Zeit vor allem im Gesicht und auf den Händen Spuren. Sie altert dabei quasi von zwei Seiten – von innen und von außen: „Das Altern steckt zum einen in den Genen“, sagt Dr. Jürgen Ellwanger, Dermatologe in München. Im Laufe des Lebens verlieren die Zellen immer mehr die Fähigkeit sich zu reparieren. Die Haut büßt an Feuchtigkeit ein, der Gehalt an Kollagen und Hyaluronsäure sinkt. Auch der rasante Abfall der Geschlechtshormone, den Frauen in der Menopause erleben, wird an der Haut sichtbar.

Hinzu kommen Einflüsse von außen: Ein falscher Lebensstil sowie Umwelteinflüsse lassen die Haut leiden. „Etwa 70 bis 80 Prozent der Hautalterung geht darauf zurück“, sagt Ellwanger. Das bedeutet aber auch: Jeder kann sich davor schützen.

Der größte Feind jugendlicher Haut ist die Sonne. Zwar sind ihre Strahlen für die Gesundheit wichtig, etwa um Vitamin D zu bilden. Doch das UV-Licht fügt der Haut auch Schäden zu. Während sich die Gefahr für schwarzen Hautkrebs vor allem durch Sonnenbrände erhöht, trägt auch jedes maßvolle Sonnenbad zur Hautalterung bei. „Jeder Lichtstrahl zählt“, sagt Ellwanger. Vor allem die unsichtbaren UV-Strahlen sind Gift für eine schöne Haut. Sie führen unter anderem zur Bildung freier Radikale. Diese hochaggressiven Sauerstoffteilchen schädigen die Zellen und verringern unter anderem die Produktion von Kollagen. Sonnenanbeter leiden daher im Alter oft unter vorzeitiger Alterung, dem so genannten Photoaging.

Lebensstil und zu viel Sonne

Das beste Anti-Aging-Mittel ist daher ein guter Sonnenschutz – und das bereits, bevor Schäden sichtbar werden. „Die Tagescreme sollte bereits einen moderaten Lichtschutzfaktor von etwa 10 bis 15 haben“, rät Ellwanger. Bei direkter Sonnenbestrahlung sollte er nicht unter 25 liegen, bei heller, empfindlicher Haut oder Vorschäden auch mal bei 50. Bei besonders intensiver Sonne, etwa zur Mittagszeit, hilft nur langärmlige Kleidung aus Baumwollstoff oder Spezialtextilien mit eingearbeitetem Lichtschutz und ein Hut. „Stark exponierte Stellen wie etwa. Nase, Ohren, Schultern sollten immer geschützt sein“, rät Dr. Ellwanger. „Wir brauchen eine bewusste Dosierung der Stahlungsexposition.“ Das Beste: Nur außerhalb der Mittagszeit länger in die Sonne!

Ein weiterer Feind schöner Haut ist das Rauchen. „Seine negativen Wirkungen sind sehr komplex“, sagt Ellwanger. So führen die in Zigaretten enthaltenen Stoffe ebenfalls zur Bildung von mehr freien Radikalen und greifen zudem in Stoffwechselvorgänge ein. Eine Folge: Die Haut wird schlechter durchblutet. Wer raucht, sieht daher meist älter aus, als er wirklich ist. Forschungen an eineiigen Zwillingen haben das bestätigt. Das rauchende Geschwister wirkte deutlich älter, vor allem um Mund und Augen.

Strahlender Teint

Ebenfalls meist eine Folge von viel Sonne: Altersflecken. „Die Haut produziert ständig neue Pigmente“, erklärt Ellwanger. Diese Farbstoffe werden mit zunehmendem Alter immer öfter ungleichmäßig in der Haut verteilt – was viele als störend empfinden. Auch hier hilft Vorbeugung.

Doch selbst wenn bereits Falten oder Flecken sichtbar sind, kann man sie wieder loswerden. In der dermatologischen Praxis kommt heute sehr oft der Laser zum Einsatz – und das bei ganz unterschiedlichen Problemen. Er zerstört schmerzfrei die winzigen Pigmente, die zu den Altersflecken führen. „Der Körper kann die Bruchstücke dann selbst abtransportieren“, erklärt Ellwanger. Mit Hilfe des Lasers verschwinden aber auch durchschimmernde Adern, etwa auf der Nase. Denn die Ursache einer „Schnapsnase“ liegt meist nicht darin, dass der Patient zu viel trinkt. Sie ist eine Folge von Rosacea, einer Krankheit, bei der sich die Äderchen in der Haut erweitern.

Doch der Laser kann noch mehr: So lassen sich auch kleine Fältchen, große Poren oder Akne-Narben quasi weglasern. Bei dieser Behandlung dringt das Laserlicht nicht tief in die Haut ein, sondern setzt einen oberflächlichen Impuls zur Erneuerung. Diese reagiert, indem sie neue Zellen bildet. Die Behandlung kann man einige Male wiederholen, was den Effekt erhöht. Dringt der Laser zu tief, kann das allerdings zu Narben führen. „Die Therapie gehört daher unbedingt in die Hände eines Fachmanns“, sagt Ellwanger.

Hautverjüngung durch medizinisches Needeling

Ein ähnliches Prinzip steckt hinter anderen Methoden zur Hautverjüngung, etwa hinter dem medizinischen Needeling, bei dem der Haut winzige Stiche zugefügt werden, oder auch chemische Peelings mit Fruchtsäuren. „Es kommt darauf an, die Haut gezielt zu beeinflussen“, sagt Ellwanger. Sie schält sich und wirkt danach glatter und frischer. Je tiefer die Haut abgeschält wird, desto größer ist der Effekt. Doch kommt es dann auch häufiger zu Nebenwirkungen. So kann die Haut länger gerötet sein.

Ein recht neues Rezept für einen frischen Teint: Mikrodermabrasion. „Das ist wie ein Sandstrahler für die Haut“, sagt Ellwanger. Kleine Kristalle, etwa mikrofeiner Quarzsand, werden auf die Haut gestrahlt und diese so abgerieben. Die Haut wird elastischer, Poren werden feiner. „Die Haut wird zudem geöffnet“, sagt Ellwanger. Danach können Wirkstoffe besser eindringen.

Anti-Aging-Medizin

Auch gegen tiefere Furchen hat der Dermatologe wirksame Mittel. So hilft gegen Zornesfalten an der Nasenwurzel oder Krähenfüße um die Augen Botox. Das Nervengift ist aus der Anti-Aging-Medizin nicht mehr wegzudenken. Es reduziert die Kraft von Muskeln, die bei ausgeprägter Mimik im Laufe der Zeit unweigerlich zu Falten führen. In winzigen Dosen gespritzt, sind schwere Nebenwirkungen nahezu ausgeschlossen. „Man kann Botox sehr fein dosieren“, sagt Ellwanger. Folge sei keineswegs zwingend ein maskenhaft starres Gesicht. Die Muskelbewegung könne auch nur soweit reduziert werden, dass sich keine tiefen Falten mehr eingraben. Die Mimik bleibt erhalten. „Manche Patienten erzählen zudem, dass sie sich nach der Behandlung entspannter fühlen“, sagt Ellwanger – eine positive Nebenwirkung. So verkrampfen etwa bei Stress unwillkürlich auch die Gesichtsmuskeln, was zu Verspannungen und sogar Kopfschmerzen führen kann. „Botox wird daher sogar bei Migräne eingesetzt“, sagt Ellwanger. Das Mittel macht einen allerdings nicht für immer faltenfrei und entspannt. Es verliert nach einigen Monaten seine Wirkung. Dann muss man nachspritzen

Haben sich Falten bereits eingegraben, etwa zwischen Nase und Lippe, kann man sie mit Fillern glätten. Zum Einsatz kommen Hyaluronsäure, Kollagen oder auch Eigenfett, das an einem anderen Körperbereich entnommen wird. Die Behandlung ist einfach: Mit feinen Stichen wird das Mittel in örtlicher Betäubung unter die Haut gespritzt und füllt so die Hautfurche von innen her auf. Doch Vorsicht! „Auch das sollte ein echter Experte machen“, sagt Ellwanger. Spritzt man zu viel Filler, kann das rasch unnatürlich aussehen. „Wenn es gut gemacht ist, bemerkt man es überhaupt nicht“, sagt der Dermatologe. „Oder nur daran, wenn jemand fragt: Warst du vielleicht im Urlaub?“

Von Sonja Gibis

Hautkrebs - die unterschätze Gefahr

Sonnen im Liegestuhl
Sonnenanbeter am Strand, Solariumsbesucher oder Bauarbeiter, die in der prallen Mittagssonne schuften - sie alle setzen sich UV-Strahlung aus, die das Hauptrisiko für Hautkrebs ist. Krebserkrankungen sind in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Der am Dienstag veröffentlichte Arztreport der Barmer GEK belegt das: 2012 waren schätzungsweise 1,56 Millionen Menschen von Krebs betroffen - Tendenz steigend. © dpa-mzv
Hautkrebs
Wie viele Neuerkrankungen gibt es? Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Barmer-Report mehr als 200.000 Menschen neu an Hautkrebs. Die Deutsche Krebshilfe geht sogar von jährlich rund 234.000 Neuerkrankungen aus. Allein mehr als 20.000 Diagnosen betreffen den gefährlichen "schwarzen" Hautkrebs. © dpa-mzv
Schwarzer Hautkrebs
Welche Arten von Hautkrebs gibt es? Die gefährlichste Form ist das maligne Melanom, der sogenannte schwarze Hautkrebs. Er kann sich rasch über das Lymphgefäßsystem oder die Blutbahn im Körper ausbreiten. © dpa
Hautkrebs
Der sogenannte helle Hautkrebs, zu dem das Basalzellkarzinom und das Plattenephithelkarzinom zählen, ist deutlich verbreiteter, bildet aber seltener Metastasen. Kennzeichen sind leichte Verhornungen auf der Haut, vornehmlich an Stellen, die besonders der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind wie Gesicht und Nacken.   © dpa
Hautkrebs-Screening
2012 starben laut Statistischem Bundesamt 2875 Menschen an einem schwarzen Hautkrebs. Die Prognosen sind Experten zufolge vergleichsweise günstig: Zwei Jahre nach der Erstdiagnose leben noch 97,3 Prozent der Männer und 97,5 Prozent der Frauen. Beim hellen Hautkrebs sind die Prognosen noch etwas günstiger. Grundsätzlich gilt: Wird Hautkrebs früh erkannt, bestehen gute Heilungschancen. © dpa
UV-Strahlung Sonne
Welche Faktoren begünstigen die Entstehung? Hauptrisikofaktor ist die UV-Strahlung der Sonne, die die Haut schädigen und Krebs hervorrufen kann. Auch das künstliche UV-Licht von Solarien erhöht das Hautkrebsrisiko, weshalb zum Beispiel die Deutsche Krebshilfe von Solarienbesuchen abrät. Neben UV-Strahlen beeinflusst nach Angaben des unabhängigen IQWiG-Instituts vor allem das Erbgut, ob jemand erkrankt. © dpa
Sonne in den Bergen
Was sind weitere Risikofaktoren? Menschen mit heller Haut haben ein höheres Risiko als jene mit dunklerer Haut. Auch häufiger und starker Sonnenbrand vor allem im Kindesalter steigert das Risiko, ebenso eine höhere Zahl von Muttermalen und Leberflecken. Hat jemand einen Hautkrebsfall in der eigenen Familie, kann dies das eigene Risiko steigern. Auch manche Chemikalien und bestimmte Medikamente können Hautkrebs fördern. Nicht zuletzt wächst das Hautkrebsrisiko mit zunehmendem Alter. © obs
Solarium
Dürfen Minderjährige ins Solarium? Nein. Seit 2009 ist unter 18-Jährigen die Benutzung von Solarien verboten. 2012 wurden die Vorschriften für Sonnenstudio-Betreiber nochmals verschärft. So gilt unter anderem ein Mindestabstand für Lampen. Das Personal muss jeden Kunden außerdem beraten. © dpa
Hautkrebs erkennen?
Wie kann ich Hautkrebs erkennen? Man sollte auf auffällige Hautstellen achten. Schwarze Melanome etwa können in sehr unterschiedlicher Form auftreten. Sie können zum Beispiel asymmetrisch sein, einen fransigen Rand haben, sich verfärben oder größer werden. Verdächtige Flecken sollten beim Hausarzt oder Dermatologen abgeklärt werden. © dpa
Sonnen
Gibt es eine Früherkennungsuntersuchung? Ja. Ab dem 35. Lebensjahr können sich gesetzlich Versicherte alle zwei Jahre untersuchen lassen. Das Hautkrebs-Screening bezahlt die Kassen. © dpa-mm
Sonnencreme
Wie kann ich Hautkrebs generell vorbeugen? Da wichtigste ist ein guter Sonnenschutz durch entsprechende Kleidung, Mützen und Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, um sich gegen Sonnenbrand zu wappnen. © dpa
Unter dem Sonnenschirm
Im Sommer sollte man sich vor allem mittags und am frühen Nachmittag besser im Schatten aufhalten. Zur Vorsicht raten Experten bei Lebens- und Nahrungsergänzungsmitteln, die mit dem Versprechen angepriesen werden, Hautkrebs vorzubeugen. Dafür gebe es keine zuverlässigen wissenschaftlichen Belege. © dpa-mzv

Dr.med. Jürgen Ellwanger, Dermatologe und Allergologe in eigener Praxis in München, Ottostr. 11, Er ist spezialisiert auf Hauterkrankungen, Allergien, Lasermedizin und Anti-Aging.

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