Fast jeder hat es mal im Kreuz

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Die Wirbelsäule braucht Unterstützung: Wer zum Beispiel vor dem Heben einer Last einatmet und die Bauchmuskeln anspannt, kann den Druck auf die Bandscheiben um bis zu 50 Prozent reduzieren.

 Einer der Anrufer bei unserer Telefonaktion in dieser Woche brachte seine Beschwerden auf eine kurze Formel: „Ich habe Rücken.“ Dieses Problem kennt fast jeder: Etwa 80 Prozent der Bevölkerung in Deutschland hat leidet mindestens einmal im Leben unter Rückenschmerzen.

Dr. Diethelm Träger

Ziehen, drücken und kneifen kann es aber auch an anderen Stellen des Bewegungsapparates. Häufig schmerzen vor allem auch die Knie, die Hüfte oder die Schultern. Im Alter nehmen die Beschwerden freilich häufig zu, sagt Dr. Diethelm Träger, Oberarzt an der Vitos Orthopädischen Klinik in Kassel . Verschleiß, Fehlhaltungen und Verletzungen machen sich schließlich irgendwann als Schmerzen bemerkbar. Je früher man diese konsequent behandelt, umso größer sind die Chancen, Schmerzen in den Griff zu bekommen, betont der Leiter einer Abteilung für interdisziplinäre Schmerztherapie. Oberstes Ziel ist es, zu vermeiden, dass Schmerz chronisch wird.

Hier einige Beispiele von Fragen und Antworten bei unserer Telefonsprechstunde mit Dr. Träger:

Ich habe seit rund zehn Wochen Schmerzen in der Schulter. Der Orthopäde hat eine Schleimbeutelentzündung festgestellt. Er sagte, das könnte mehrere Monate dauern. Was kann man tun?

Dr. Diethelm Träger: Eine solche Schleimbeutelentzündung kann in der Tat langwierig sein. Helfen können entzündungshemmende Medikamente wie Cortison und Schmerzmittel, als Infiltration per Spritze auch mit Soforteffekt. Hilfreich sind auch gezielte Physiotherapie und kühlende Umschläge zum Beispiel mit Quark. Ansonsten sollte man Bewegungen vermeiden, die wehtun, und nachts möglichst nicht auf der betroffenen Seite liegen. Auch eine Operation kann sinnvoll sein.

Als Baby wurde ich operiert, weil ich eine halbseitige Wirbelspaltung hatte. Jetzt bin ich über 70 Jahre alt und habe zunehmend Probleme durch Schmerzen in den Beinen vor allem beim Gehen.

Träger: Zunächst einmal muss man nach der Ursache für diese Schmerzen suchen. So könnte eventuell der Wirbelkanal etwas verengt sein und so den hindurch laufenden Nerv beeinträchtigen. Sie sollten sich einmal in einer Wirbelsäulensprechstunde vorstellen. Ein MRT (Magnet-Resonanz-Tomographie) und ein Röntgenbild sollten bei der Diagnose helfen.

Mein Mann (83) hatte in den vergangenen Jahren zwei Bandscheibenoperationen an der Lendenwirbelsäule. Vor allem beim Gehen hat er große Schmerzen.

Träger: Eine genaue Untersuchung sollte helfen, die Ursache für den Schmerz zu finden und die Art des Schmerzes zu bestimmen. Anhand dieses Befundes sollte man ein geeignetes Schmerzmittel geben. In diesem Alter und bei der Krankheitsgeschichte wird es wahrscheinlich nicht gelingen, den Schmerz ganz zu beseitigen, doch dieser sollte erträglich sein.

Seit einem halben Jahr leide ich unter starken, glühenden Schmerzen vom Schulterblatt bis zum Ellenbogen. Eine MRT-Untersuchung hat eine mittelgradige Enge des Nervenkanals des vierten und fünften Halswirbels ergeben. Die verordnete Krankengymnastik hat nicht geholfen.

Träger: Da die Beschwerden vermutlich von der Halswirbelsäule kommen, sollte man diese noch einmal genauer untersuchen. Eventuell ist zur Diagnostik und zielgerichteten Therapie ein stationärer Aufenthalt in einer schmerzmedizinischen Abteilung sinnvoll.

Ich leide unter starker Osteoporose (Knochenschwund). Vor fünf Wochen ist deshalb ein Brustwirbel angebrochen, seitdem habe ich wahnsinnige Schmerzen. Ich bekomme Schmerzmittel und Physiotherapie.

Träger: Bis sich der Wirbel wieder einigermaßen stabilisiert hat, kann es acht bis zwölf Wochen dauern. Bis dahin ist es sinnvoll, das stabilisierende Mieder zu tragen. Schmerzmittel sollten Ihnen über diese Zeit helfen. Die Physiotherapie ist sinnvoll, um die Muskulatur zu stärken. Sie sollten die Übungen auch selbstständig zu Hause machen. Es ist wichtig, die Osteoporose-Medikamente konsequent weiter zu nehmen und de Knochendichte regelmäßig kontrollieren zu lassen.

Ich bin 79 Jahre alt und habe seit ein paar Tagen Schmerzen in der Lendengegend. Durch Schonung und Wärme wird es schon besser. Was kann ich tun, damit ich möglichst schnell mit der Gartenarbeit loslegen kann?

Träger: Solange Sie Schmerzen haben, sollte Sie die Gartenarbeit noch ruhen lassen. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Überreizung der kleinen Lendenwirbelgelenke. Wenn Wärme hilft, machen Sie so weiter. Gegen die Schmerzen könnten Sie ein Schmerzmittel nehmen, zum Beispiel dreimal täglich 400 Milligramm Ibuprofen. Wenn nach drei bis fünf Tagen keine Besserung eintritt, sollten Sie sich bei einem Orthopäden vorstellen. Später macht es sicher Sinn, durch Krankengymnastik beziehungsweise Rückenschule Übungen zur Stärkung der Bauch- und Rückenmuskulatur zu erlernen.

Von Martina Heise-Thonicke

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