Fehlerhafte Brustimplantate der Firmen PIP und Rofil

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Seit Dezember 2011 verunsichern Medienberichte über fehlerhafte Brustimplantate Patientinnen in ganz Deutschland zunehmend. Denn die minderwertigen Implantate der Firmen Poly Implant Prothèse und Rofil kamen auch in deutschen OP`s zum Einsatz.

Zur Füllung dieser Implantate wurde illegal Industriesilikon verwendet. Betroffene Patientinnen klagten vermehrt über Risse der Implantate, auch Krebserkrankungen sind festgestellt worden.

Wie viele Frauen in Hessen die defekten Brustimplantate erhalten haben, ist noch unklar. Experten gehen davon aus, dass etwa 10 000 Frauen deutschlandweit betroffen sind. Nach bisherigen Meldungen sind in Hessen bisher 70 Implantationen bei Frauen bekannt. „Betroffene Patientinnen sollten die Implantate vorsorglich entfernen lassen. Sie entsprechen nicht den Standards für Medizinprodukte,“ rät Dr. Dr. med. Mostafa Ghahremani, Chefarzt der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg.

Die wichtigsten Informationen für Betroffene

Wie lässt sich erkennen, bei wem das fehlerhafte Implantat eingesetzt wurde?

In der Regel bekommt jeder Patient mit einem Implantat einen Implantat-Pass. Darin enthalten sind Daten über den Hersteller sowie die Seriennummer des Implantats. Alternativ können OP-Bericht oder Patientenakte herangezogen werden. Solche Akten müssen 30 Jahre aufbewahrt werden.

Sind die fehlerhaften Implantate auch gefährlich, wenn sie nicht reißen?

Auch dann stellen die Implantate ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko dar. Da das verwendete billige Industriesilikon eine flüssigere Konsistenz hat, kann Silikon unbemerkt austreten. „Bei diesen Silikon-Präparaten kann das Silikon auch ohne erkennbare Rissbildungen Schäden hervorrufen und zu Entzündungen, Reizungen und Verdickungen der Lymphknoten führen,“ so Dr. Dr. med. Ghahremani. Auch Krebserkrankungen wurden beschrieben, deren Zusammenhang mit den fehlerhaften Implantaten jedoch noch nicht gesichert ist

Müssen die Kosten für den erneuten Eingriff selbst getragen werden?

Bei 20-25 Prozent der Frauen wurden die Implantate aus medizinischen Gründen eingesetzt – etwa zum Brustaufbau im Rahmen einer Krebserkrankung. In diesen Fällen tragen die Krankenkassen die vollen Kosten einer Entfernung. Anders sieht es bei medizinisch nicht indizierten ästhetischen Operationen aus – hier würden die Patienten selbst die Kosten tragen. „Aber sowohl die überwiegende Zahl der Kollegen sowie die seriösen Implantathersteller haben bereits Bereitschaft signalisiert, den Patienten zur Seite zu stehen,“ so Dr. Dr. med. Ghahremani.

Wo können sich Betroffene beraten lassen?

Patientinnen, die sich beraten lassen möchten, können sich sowohl an die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe als auch an die Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie/Gesichtschirurgie der Kreiskliniken Darmstadt-Dieburg wenden. „Wir sind uns unserer Verantwortung als Ärzte bewusst und sind selbstverständlich bereit, in dieser besonderen Situation unseren Anteil zur Lösung des Problems beizutragen“, erklärt Dr. Dr. med. Ghahremani. (nh)

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