Volkskrankheit Sodbrennen – mögliche Folgeerkrankungen beachten

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Professor Dr. med. Christian Löser, Chefarzt der Medizinischen Klinik des Roten Kreuz Krankenhauses (RKH) Kassel

Es brennt, schmerzt und kann gefährlich werden: Sodbrennen, auch Reflux genannt. Jeder zweite Erwachsene in Deutschland kennt die Beschwerden und rund 6,4 Millionen Deutsche nehmen jährlich rezeptfreie Mittel gegen Sodbrennen zu sich.

Solange Sodbrennen nur gelegentlich auftritt, besteht wenig Gefahr. Tritt es jedoch mehrmals wöchentlich auf, verätzt der saure Magensaft auf Dauer die empfindliche Schleimhaut in der Speiseröhre, was zu starken Entzündungen und sogar zu Speiseröhrenkrebs führen kann.

Professor Dr. med. Christian Löser, Chefarzt der Medizinischen Klinik des Roten Kreuz Krankenhauses  (RKH) Kassel spricht aus Erfahrung: „Es ist nicht nur das Sodbrennen selbst, das eine Behandlung erfordert. Es sind vielmehr die Folgeerkrankungen, die das Sodbrennen so gefährlich machen. Dass das Sodbrennen aber auch eine Folge einer bereits bestehenden Erkrankung sein kann, wissen nur wenige Patienten.“ Das Rote Kreuz Krankenhaus in Kassel behandelt seit 2012 in seinem Zentrum für Viszeralmedizin, als spezialisiertes Krankenhaus in der Region Nordhessen, unter anderem sämtliche durch Sodbrennen verursachte Erkrankungen.

In den letzten 20 Jahren hat sich die Anzahl der Speiseröhrenkrebs-Erkrankten verdoppelt. Einige dieser Fälle lassen sich auf Folgewirkungen von Sodbrennen zurückführen. Seit dem Jahr 2012 besteht unter der Leitung von Professor Dr. med. Christian Löser, Chefarzt der Medizinischen Klinik, und Professor Dr. med. Rudolf Hesterberg, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralmedizin, das erste Zentrum für Viszeralmedizin in Nordhessen. „Es ist wichtig, dass dieser Erkrankung mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Patienten müssen sensibilisiert und fachgerecht behandelt werden. Sodbrennen wird von den meisten Betroffenen einfach hingenommen. Oftmals steckt aber eine ernsthafte Krankheit dahinter", sagt Prof. Löser.

Was ist Sodbrennen?

Die Ursache für Sodbrennen liegt im Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre (Reflux). Dies geschieht, wenn der Schließmuskel zwischen Magen und Speiseröhre nicht einwandfrei funktioniert oder wenn hoher Druck auf dem Magen liegt. Sodbrennen äußert sich z.B. durch saures Aufstoßen, unangenehmen Mundgeruch, brennende Schmerzen im Hals- und Rachenbereich sowie den Rückfluss halbverdauter Speisen. Hierdurch können auch Zähne und Zahnfleisch stark angegriffen werden.

Wann kann Sodbrennen gefährlich werden?

Sodbrennen selbst ist noch keine Krankheit, sondern vielmehr ein Symptom, das unterschiedliche Krankheiten verursachen kann. Es kann aber auch ein Symptom bereits bestehender Erkrankungen sein. Häufiges Sodbrennen und eine Nicht-Behandlung der Symptome können zu einer Entzündungsreaktion, Speiseröhrenverengung oder Geschwürbildung und zunehmend sogar zu Speiseröhrenkrebs führen. „Wer regelmäßig unter Sodbrennen leidet, der sollte unbedingt einen Facharzt aufsuchen. In diesem Fall ist nämlich zu erwarten, dass das Sodbrennen entweder bereits schlimmere Störungen hervorgerufen hat, oder die Ursache hierfür eine bestehende Krankheit ist, von der der Patient nichts weiß. Eine Selbsttherapie durch rezeptfreie Mittel ohne genaue Kenntnis der bestehenden Situation ist hier wenig sinnvoll und sogar gefährlich“, sagt Prof. Löser.

Sodbrennen – Was kann ich tun?

Da Symptome wie Sodbrennen, saures Aufstoßen oder brennende Schmerzen im Hals-/Rachenbereich Ausdruck einer ernstzunehmenden Refluxerkrankung sein können, sollten diese unbedingt ärztlich abgeklärt werden. Wichtigste Untersuchung ist hier die endoskopische Spiegelung von Speiseröhre und Magen, die mit einer kurzwirksamen Beruhigungsspritze völlig symptom- und beschwerdefrei für den Patienten durchgeführt werden kann. Wenn der Arzt die individuell vorliegende Krankheitssituation des Patienten genau kennt, kann er für ihn ein auf seine Bedürfnisse individuell zugeschnittenes Therapiekonzept entwickeln. Für Refluxsymptome wie Sodbrennen gibt es heute exzellente und hochwirksame Therapiemöglichkeiten.

Auch der Patient kann in seinem Alltag dazu beitragen, seine Refluxsymptome deutlich zu lindern, indem er beispielsweise auf Nikotin verzichtet, Alkohol nur in Maßen konsumiert, sich um ein normales Körpergewicht bemüht und viele kleine (eher eiweißreiche) Mahlzeiten über den Tag verteilt zu sich nimmt sowie voluminöse Abendmahlzeiten meidet. Risikogruppen und Faktoren Besonders Lebensstil-Faktoren wie Stress, wenig Bewegung, erhöhter Alkoholkonsum oder ungesunde Ernährung haben einen großen Einfluss auf die Entstehung von Sodbrennen. Rauchen und Übergewicht erhöhen das Erkrankungsrisiko zusätzlich deutlich. Sodbrennen kann aber auch durch eine bereits bestehende Erkrankung im Magen- und Speiseröhrenbereich entstehen. Zudem kann es im Verlauf einer Schwangerschaft zu saurem Aufstoßen kommen.

Tipps für Zuhause

  • Kaffee und Alkohol nur in Maßen genießen
  • Rauchen unterlassen
  • Übergewicht vermeiden bzw. Gewicht reduzieren
  • Nicht zu salzig oder zu scharf essen
  • Süße, säure- und fettreiche Nahrungsmittel meiden
  • Viel Bewegung und körperliche Aktivität
  • Stresssituationen meiden und Entspannungsphasen einlegen
  • Meiden von voluminösen Spätmahlzeiten
  • Eher viele kleinere Mahlzeiten bevorzugen
  • Medikamentöse Begleittherapie überprüfen

(nh)

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