Schlafende Viren

Wie gefährlich ist Herpes - und was kann ich dagegen tun?

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Herpes ist für viele Betroffene nicht nur unschön, sondern tut auch sehr weh.

Er ist unästhetisch, höchst ansteckend und tut manchmal weh: Wer Herpes hat, leidet darunter sehr. Doch wie bekomme ich ihn los – und was kann ich dagegen tun?

Manche bemerken ihn bereits, bevor die Erkältung überhaupt losbricht – andere wiederum wundern sich dagegen, warum er schon wieder aus dem Nichts auftaucht: Wer einmal in seinem Leben Herpes hatte, wird ihn unglücklicherweise nie mehr richtig los. Doch nicht alle haben im Laufe ihres Lebens mit Herpes zu tun – während andere dagegen immer wieder verzweifelt versuchen, ihn loszuwerden.

Besonders vor Grippeattacken macht sich Herpes auf den Lippen oder im Genitalbereich bemerkbar und sorgt für ein unangenehmes Gefühl. Doch was ist Herpes überhaupt?

Mediziner unterscheiden zwischen zwei Erkrankungen, die durch Humane Herpesviren ausgelöst werden: den Lippen- und den Genitalherpes.

Der Herpes-simplex-Virus Typ 1 (abgekürzt: HSV-1) verursacht den für viele unschönen Lippenherpes (lat.: Herpes labialis). Gruselig daran: Zwei Drittel aller Menschen, die unter 50 Jahre alt sind, sollen laut focus.de mit HSV-1 infiziert sein.

Dagegen ist Herpes-simplex-Virus Typ 2 (kurz: HSV-2) größtenteils für den sexuell übertragbaren Genitalherpes  (lat. Herpes genitalis) verantwortlich. Etwa elf Prozent der 15 bis 49-Jährigen tragen ihn in sich.

Warum kommt Herpes immer wieder?

Das hat damit zu tun, dass, nachdem die erste Herpesinfektion überstanden ist, einige Viren noch überleben können und sich in die Nervenganglien andocken. Hier gehen Sie in eine Art "Winterschlaf" über – und werden erst dann wieder munter, wenn das Immunsystem durch Krankheit oder zu viel Stress geschwächt ist.

Dann wandern die Erreger zu den Hautzellen, vermehren sich und treten an der Hautoberfläche zu Tage. Sehr zum Leidwesen vieler Frauen und Männer. Schließlich sind Herpesbläschen an Lippen und Genitalbereich nicht nur schmerzvoll, sondern gelten auch als unästhetisch. Viel tun können sie allerdings nicht – wer einmal Herpes hat, bei dem bricht er ein Leben lang in "schwachen Momenten" immer wieder aus.

Dies kann neben Infektionen bereits eine zu starke Sonneneinstrahlung, Kortison-Einnahme oder bei Frauen hormonelle Veränderungen während der Periode oder eine Schwangerschaft bewirken. Doch nicht nur aus ästhetischen Gründen, auch was zwischenmenschliche Kontakte angeht, wird Herpes als störend empfunden. Schließlich können sich gesunde Menschen bei einem bereits Infizierten anstecken. Und zwar in folgenden Fällen:

  • Durch Küssen oder Oralverkehr
  • Beim Kontakt mit öffentlichen Toiletten
  • Benutzte Unterwäsche
  • Bei Berührungen, wie Händeschütteln
  • Enger Körperkontakt
  • Gemeinsames Benutzen von Geschirr
  • Beim Sprechen durch Speicheltröpfchen

Gut zu wissen: Eine Ansteckungsgefahr besteht nur dann, wenn die Herpeserkrankung ausgebrochen ist. Solange die Viren in den Nervenganglien ruhen, ist eine Übertragung nicht möglich.

Herpes-Betroffene merken allerdings schnell Symptome, wenn es wieder soweit ist. So spüren sie zum Beispiel auf den Lippen ein leichtes Brennen, Ziehen oder Spannen. Kurze Zeit später entsteht dann bereits ein Bläschen, das sich mit Flüssigkeit füllt, welche die Viren enthält.

In dieser Zeit ist die Person höchst ansteckend – und fühlt sich auch schlecht. Nach wenigen Tagen platzt das Bläschen auf und es bildet sich eine Kruste auf der kleinen Wunde. Auch hier sollte ein Kontakt noch weitestgehend vermieden werden – eine Virenübertragung ist noch immer sehr wahrscheinlich.

Nach ein bis zwei Wochen sollte die Wunde dann aber abgeheilt sein. Wer allerdings mit den Fingern an die virenverseuchte Flüssigkeit gerät und sich damit ins Auge fasst, der hat ein großes Problem. Die Viren können nämlich die Horn- und Netzhaut befallen und sogar bis zur Erblindung führen. Wenn dies nicht behandelt wird, kann es sogar schließlich bis zu einer Gehirnhautentzündung durch HSV-1-Viren führen.

Dagegen ist der Genitalherpes um einiges perfider. Der Erstausbruch ist für die Betroffenen am schmerzvollsten. Bei Frauen sind nämlich nicht nur die Vagina, sondern zudem die Harnröhre und der Muttermund befallen. Auch bei den Männern sieht es nicht besser aus: So bilden sich nicht nur auf dem Penis, sondern auch auf der gesamten Eichel sowie teilweise im Analbereich Herpesbläschen.

Die Betroffenen verspüren ebenfalls ein unangenehmes Kribbeln und Jucken. Zudem kann bei Frauen ein glasiger Ausfluss entstehen und bei beiden Geschlechtern ein Brennen beim Wasserlassen oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Zudem klagen sie über Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Von außen sind die Symptome durch einen geröteten oder geschwollenen Genitalbereich sichtbar.

Was kann ich bei einem Herpes-Ausbruch tun?

Sie sollten schleunigst einen Arzt aufsuchen. Dieser verschreibt Ihnen dann – falls es sich um Lippenherpes handelt – eine rezeptfreie antivirale Salbe oder Creme mit den Wirkstoffen Aciclovier oder Penciclovir. Diese soll dafür sorgen, dass die Viren eingedämmt werden und die Heilung beschleunigen.

Sobald Sie wieder Symptome feststellen, dürfen Sie die Cremes benutzen und sollten sie bis zur kompletten Abheilung durchgängig auftragen. Aber auch in der Apotheke werden Sie schnell fündig: Diese verkaufen meist eine rezeptfreie Salbe mit Melissen-Trockenextrakt. Dieser pflanzliche Wirkstoff soll dieselbe Wirkung erzielen. In Drogerien sind oftmals sogenannte Herpes-Pflaster erhältlich. Diese sind meist durchsichtig, halten lange und sollen die Heilung unterstützen.

Falls die Ausbrüche allerdings sehr heftig sind, wird Ihnen der Arzt wohl antivirale Medikamente, sogenannte Virenhemmer wie Aciclovir, verschreiben müssen. Diese werden auch bei Genitalherpes angewandt. Sie erhalten Sie entweder als Tablette oder – in schweren Fällen – in Form einer Spritze oder Infusion.

Sie können allerdings auch mit Hausmitteln wie Teebaumöl, Honig, Bienenharz, Zinksalbe und Zitronenmelisse einen Sud herstellen und die betroffenen Stellen damit einreiben.

Wie kann ich vermeiden, dass sich andere mit Herpesviren anstecken?

Solange Sie in der akuten Phase der Virenübertragung stecken, sollten Sie besser aufpassen. Das bedeutet für alle zwischenmenschliche Kontakte:

  • Kein Küssen, Oralsex oder Sex (Kondome reichen als Schutz nicht)
  • Bläschen nicht berühren (Cremes mit desinfizierten Plastikspatel auftragen)
  • Handtücher, Geschirr, Lippen(pflege)stifte etc. nicht mit jemand anderen teilen

Herpes-Erkrankung: Wann sollte ich auf alle Fälle zum Arzt gehen?

  • Wenn Sie ein schwaches Immunsystem haben oder krank sind
  • Neurodermitis oder länger andauernde Ekzeme haben
  • Schwanger sind oder stillen
  • Ihre Kinder noch Babys oder im Kleinkindalter sind
  • Senior sind und noch andere Erkrankungen haben
  • Bläschen zudem im Mund, an der Nase, im Gesicht haben
  • Starke Hautrötungen oder offene, eitrige Hautbereiche aufweisen
  • Lippenherpes öfter als sechs Mal pro Jahr haben oder dieser länger als zwei Wochen andauert
  • Fieber oder Gliederschmerzen haben
  • Die Augen betroffen sind
  • Weitere Infektionen mit Humanen Herpesviren vorhanden sind

Von Jasmin Pospiech

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