Befall hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun

Wenn der Kopf juckt: Läuse haben jetzt Hochsaison

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Hier fühlen sich Läuse pudelwohl: Der Haaransatz des Menschen ist für die Parasiten warm und kuschelig. Dort finden sie immer genug Nahrung und legen ihre Eier (Nissen) ab. Auch wer sich täglich die Haare wäscht, kann sich damit nicht vor einem Befall schützen. Den Kopfläusen schadet die tägliche Haarwäsche mit normalem Shampoo nämlich nicht.

Jetzt kommen immer häufiger Fälle von Kopfläusen in Schulen und Kindergärten vor. Doch woran liegt das? Und wie kommen die Parasiten in unsere Haare? Alle Infos haben wir hier im Überblick.

Diesen Anblick kennen vermutlich viele Eltern: An der Kita hängt ein Schild mit dem Text "Geschlossen wegen Läusen". Neben dem Text sieht man eine gemalte Laus mit lustigem Lachmund. Doch den meisten Menschen steht beim Gedanken an Kopfläuse der Sinn so gar nicht nach Lachen. Eine Reaktion, die viele nicht unterdrücken können ist: Man bekommt unweigerlich das Gefühl, das es einen selbst juckt. Doch vorab sei gesagt: Ekeln muss man sich nicht. Denn mit mangelnder Körperhygiene hat das Vorkommen von Läusen nichts zu tun. Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum kommen Läuse im Herbst und Winter so häufig vor?

Im Winter sind wir viel häufiger mit anderen Menschen zusammen in engen Räumen, in denen es recht warm ist. Dort fühlen sich nicht nur viele Viren- und Bakterienarten wohl, sondern auch Kopfläuse. Die mögen es nämlich warm und kuschelig. 

„Bei Temperaturen von 28 bis 32 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit fühlen sich Läuse besonders wohl. Die Luftfeuchtigkeit ist zwar in geheizten Räumen eher niedrig, aber am Haaransatz von Menschen aufgrund von Schweiß trotzdem in der Regel hoch", erklärt Matthias Habel, Pressesprecher und Meteorologe bei WetterOnline. Doch diese feuchte Wärme ist prinzipiell das ganze Jahr über auf unseren Köpfen vorhanden. Es ist allerdings zu beobachten, dass insbesondere im Herbst und Winter Fälle von Kopflaus-Befall zunehmen. Besonders Kinder werden schnell Opfer der Tierchen. 

Ansteckungsgefahr: Besonders Kinder werden oft zum Opfer von Läusen. Beim Spielen kommen sich die Jüngsten oftmals unbewusst mit den Köpfen sehr nahe. Deswegen kommt es in vielen Schulen und Kindergärten immer wieder zur Ausbreitung der Parasiten.

Denn Mützen und Schals werden unter den Jüngsten gern mal getauscht. Zudem kommen sich Kinder körperlich oftmals näher als Erwachsene, die eher dazu tendieren, einen Höflichkeitsabstand zu anderen einzuhalten. "Für die Laus selbst ist die Jahreszeit völlig unwichtig“, ergänzt Matthias Habel. Wir Menschen kommen in der kalten Jahreszeit aber oftmals dichter zusammen, was dann die Ausbreitung fördert. In den meisten Jahren beginnt die Hochsaison für Läuse im September.

Bekommt man Läuse, weil man dreckig ist?

Nein. Auch Leute, die sich täglich die Haare waschen - was prinzipiell weder für das Haar noch den Säureschutzmantel der Haut gut ist - sind nicht sicher vor Läusen. Wenn jemand mit Läusebefall beispielsweise in der Straßenbahn im Gedränge sehr dicht neben einem gepflegten Menschen sitzt, dann kann es durchaus unbemerkt passieren, dass die Parasiten vom Haar des einen Fahrgastes zum Haar des anderen krabbeln. Das Robert Koch-Institut erklärt die Ansteckung offiziell so: "Läuse neigen von ihrer Natur her nicht dazu, ihren Lebensraum, den behaarten Kopf, zu verlassen. Wenn eine Übertragung erfolgt, so hauptsächlich direkt von Mensch zu Mensch bei engem Kontakt durch Überwandern der Parasiten von Haar zu Haar („Haar-zu-Haar-Kontakt“)."

Beim hochgradig ansteckenden Norovirus ist es anders. Denn bei der Ansteckung spielt Hygiene eine sehr wichtige Rolle. Alle Infos zum Norovirus und wie man sich schützen kann, haben wir in einem separaten Artikel zusammengefasst.

Wo leben Läuse?

Kopfläuse leben - wie der Name schon sagt - auf Köpfen. Und zwar ausschließlich auf menschlichen Köpfen. Wir sind entsprechend die einzige Lebensgrundlage. Die Tiere verlassen den Kopf eines Wirtes eher selten, denn nur dort bekommen sie die Nahrung, die sie brauchen. 

Wo kommen Läuse her?

Läuse gibt es auf der ganzen Welt. Sie leben ausschließlich auf dem Kopf des Menschen. Und dort kommen sie auch her. Die Tiere sind perfekt an das Leben zwischen Haaren und Kopfhaut angepasst. Sie nisten also nicht irgendwo in der Natur oder im Müll und lauern dort auf Opfer. Auch bekommt man Kopfläuse nicht von Haustieren.

Dieses Video ist Bestandteil der Plattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Ein Kopflausbefall stammt laut Robert Koch-Institut immer von einem befallen Menschen, da der Mensch der einzige Wirt für dieses flügellose Insekt ist.

Fakten zu Kopfläusen in der Übersicht

Hier folgt eine Auflistung über Fakten zur Kopflaus mit Informationen vom Robert Koch-Institut:

  • 2,1–3,3 Millimeter groß
  • es handelt sich um ein Insekt
  • die Laus lebt permanent auf ihrem Wirt (dem Menschen)
  • in seltenen Fällen können beispielsweise auch Bart, Augenbrauen und Achseln vom Befall betroffen sein
  • sie haben 3 Beinpaare (also 6 Beine)
  • mit ihrem Mund stechen und saugen sie Blut - das passiert etwa alle 6 Stunden
  • das Ei einer Laus wird als Nisse bezeichnet
  • aus den Nissen schlüpfen nach 6 bis 10 Tagen Larven, die sich über verschiedene Stadien innerhalb weniger Tage zur Laus entwickeln
  • eine Laus lebt etwa vier Wochen und kann bis zu 140 Eier in dieser Zeit produzieren
  • ohne den Kopf des Menschen verhungern Läuse recht schnell - sie leben getrennt vom Kopf und den damit verbundenen Blutmahlzeiten maximal noch drei Tage weiter

Bei uns in Deutschland übertragen Läuse in der Regel keine Krankheiten. Sie sind demnach zwar störend, jedoch nicht gefährlich.

Hilft heiße Luft gegen Läuse?

Immer wieder wabern Gerüchte im Internet umher, wie man Läuse auf unkonventionelle Art vertreibt. Dazu schreibt das Robert Koch-Institut in einem Online-Ratgeber: "Das mitunter empfohlene Abtöten von Läusen und Nissen durch die Anwendung von Heißluft, zum Beispiel mittels eines Föhns, ist unzuverlässig und kann zu erheblichen Kopfhautschädigungen führen, so dass grundsätzlich davon abzuraten ist. Ebenso ist ein Saunaaufenthalt zur Abtötung der Läuse ungeeignet."

Was hilft am besten gegen Läuse?

Mit einem Nissenkamm kann man sehr schnell selbst prüfen, ob sich Eier im Haar befinden. Wichtig ist: Vom Haaransatz bis zu den Spitzen muss man das Haar gründlich durchkämmen. Dabei geht man Strähne für Strähne durchs Haupthaar. Kleben die Eier am Kamm sollte man schnell handeln. Wer einen Befall feststellt, der sollte sich in der Apotheke beraten lassen. Dort gibt es verschiedene Shampoos, die dem Leben der Plagegeister ein Ende setzen. Doch das einmalige Nutzen eines solchen Shampoos gibt keine Garantie.

So findet man Nissen: Wer den Verdacht hat, dass er Läuse hat, sollte das Haar Strähne für Strähne mit einem Nissenkamm bearbeiten.

Wer sich bei der Selbstdiagnose unsicher ist, der sollte seinen Hausarzt oder einen Hautarzt aufsuchen. 

Wann ist Zeit für die 2. Läusebehandlung?

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt: "Das Läusemittel muss nach 8 bis 10 Tagen erneut angewandt werden." Damit ist aber noch nicht alles getan. Denn das Auskämmen steht dann für insgesamt zwei Wochen alle vier Tage an. Nur so kann verhindert werden, das auch Jungläuse, die vielleicht nachgeschlüpft sind, erwischt werden - und zwar bevor sie selbst Eier (Nissen) legen.

Was essen Läuse?

Läuse ernähren sich von Blut. Im Fall der Kopfläuse ist menschliches Blut ihr einziges Nahrungsmittel. Sie stechen den befallenen Menschen und saugen mehrfach am Tag sein Blut. Dieser Vorgang führt dann dazu, dass wir uns bei einem Befall auffällig oft am Kopf kratzen. 

Der Winter ist für viele Krankheitserreger eine Zeit mit Hochkonjunktur. Beispielsweise ist die Grippe immer wieder vorherrschend. In diesem Artikel erklären wir alles, was man über Grippe wissen muss und was es bei der Grippe-Impfung 2018 zu beachten gibt.

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