Gemeinsam sicher wohnen

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Alltag erleben: Für Menschen mit Demenz ist es wichtig, in vertrauten Situationen dabei zu sein. Dazu gehört das Essen vorzubereiten.

Immer mehr Menschen suchen für ihre demenzkranken Angehörigen eine passende Versorgung in einer stationären Einrichtung.

Meist ist es eine Entscheidung, die schnell getroffen werden muss: die Situation zuhause ist eskaliert, der von Demenz Betroffene ist gestürzt oder musste aus anderen Gründen in ein Krankenhaus. Es wird deutlich, dass es in der eigenen Umgebung nicht mehr weitergehen kann.

Unter den zahllosen Angeboten gibt es inzwischen zunehmend Einrichtungen, die speziell für Menschen mit Demenz geeignet sind. Hier sind besonders Hausgemeinschaften und ambulant betreute Wohngemeinschaften zu nennen.

Die Grundidee dieser Lebensformen ist die Erfahrung, dass Demente in einer kleinen Gruppe von Bewohnern, die das tägliche Leben miteinander teilen, zufriedener und länger aktiv leben können. Sie gestalten dort gemeinsam die alltäglichen Notwendigkeiten wie Kochen oder Wäschewaschen.

Am Alltag teilnehmen

Dabei sind sie an den Erfahrungen der anderen Mitbewohner beteiligt: sie helfen, trösten oder sind einfach nur dabei.

„Wir wissen heute, dass auch das passive Beteiligtsein eine wichtige Form der Einbeziehung von Menschen mit Demenz ist“, erklärt Heike Schaumann, Heimleiterin der Hausgemeinschaften am Heimbach in Kassel. „Die Größe einer Gruppe sollte zwischen zehn und 15 Menschenliegen“, sagt sie.

Häufig ist eine Haus oder Wohngemeinschaft so eingerichtet, dass eine Küche in den Wohnbereich integriert ist. Dort wird Essen zubereitet, Geschirr gespült – und ab und an duftet es nach Kuchen.

Das Einbezogensein in eine Tagesstruktur ist das wichtigste Mittel der Haus und Wohngemeinschaften. Beschäftigungen wie Singen, sich an Vergangenes erinnern oder Gymnastik können feste Bestandteile sein. Menschen mit Demenz können so ihre sehr unterschiedlichen Fähigkeiten einbringen. Auch das Beobachten aus der zweiten Reihe ist möglich und kommt denen entgegen, die eher passiv bleiben möchten.

Hausgemeinschaften werden in letzter Zeit auch häufiger in bereits bestehenden Altenheimen eingerichtet. Dort können die Angehörigen in die Alltagsgestaltung einbezogen werden, wenn sie das möchten.

Zu einer guten Haus- und Wohngemeinschaft gehört ein Team von Mitarbeitern unterschiedlicher Professionen. Neben examinierten Altenpflegerinnen arbeiten dort auch Heilerziehungspfleger, Hauswirtschafterinnen und Alltagsbegleiter. Diese multiprofessionellen Teams garantieren soziale Betreuung, optimale Versorgung und im Bedarfsfall eine gute Pflege.

Konzeptionell ähneln sich Haus- und Wohngemeinschaf-ten. In letzteren werden meist kleinere Gruppen von Mietern, wie sie hier heißen, betreut. Angehörige haben in diesem Konzept mehr Mitspracherecht beim Einzug neuer Mieter, der Versorgung ihrer kranken Angehörigen und der Gestaltung der Räumlichkeiten. Die Bewohner sind rund um die Uhr dem Bedarf entsprechend betreut, häufig von einem ambulanten Pflegediensten. Was sie machen können, erledigen sie im Haushalt selbst. Die Gestaltung des täglichen Lebens entscheiden sie mit.

Der Träger bestimmt

Die Hausgemeinschaften sind meist vollstationäre Einrichtungen unter privater oder gemeinnütziger Trägerschaft. Dieser entscheidet über die Rahmenbedingungen der Einrichtung. Dazu gehört die Auswahl der Mitbewohner im Haus und das Beschäftigungsangebot.

In beiden Versorgungsformen wird versucht, Bewohner und Mieter in einen Alltag ein-zubeziehen, der ihre Fähigkeiten nutzt und fördert. Dazu gehört eine zunehmende Versorgung, wenn Menschen schwächer werden und mehr körperliche Pflege brauchen.

Bei der Auswahl der passenden Einrichtung entscheiden die Angehörigen nicht nur für beziehungsweise mit dem Demenzkranken, sondern auch für sich selbst. Sie müssen sich nach ihren Möglichkeiten und Wünschen in die Versorgung einbringen können. Bei der Vorstellung, dass andere den Alltag des Betroffenen regeln, sollte ein gutes Grundgefühl vorherrschen. (nh)

Von Mensch zu Mensch.pdf

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