Chirurg warnt: Kinder sind besonders häufig Unfallopfer

Genickbruch droht: So gefährlich ist Springen auf dem Trampolin

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Hier droht Gefahr: Auf einem Trampolin sollten niemals mehrere Kinder gleichzeitig springen. Dadurch steigt die Verletzungsgefahr enorm. Außerdem sollten Eltern ihre Kinder frühestens ab dem 6. Lebensjahr auf ein Trampolin lassen. 

Das Springen auf einem Trampolin macht besonders Kindern Spaß. Doch wenn Eltern nicht aufpassen, kann das Gehüpfe im schlimmsten Fall lebensgefährlich werden.

Ein eigenes Trampolin steht auf der Wunschliste von vielen Kindern ganz oben - und somit inzwischen in Hunderten von Gärten auch in der Stadt und im Landkreis Kassel. Diesen Freizeit-Trend betrachten die meisten Unfallärzte jedoch mit Sorge. „Ein Trampolin ist ein Sportgerät - kein Spielgerät, das man den Kindern einfach so hinstellt“, sagt Dr. Andreas Strack, Oberarzt der Klinik für Kinderchirurgie am Klinikum Kassel, mit Nachdruck.

Strack und sein Team behandeln vor allem in den Sommermonaten vermehrt Kinder, die sich beim Trampolinspringen im Garten zum Teil schwere Verletzungen zuziehen: Gehirnerschütterungen, Knochenbrüche und unter anderem Wirbelsäulenverletzungen. 

„Wir verzeichnen hier seit etwa zehn Jahren in diesem Zusammenhang Fallzahlen auf hohem Niveau. Das Besorgniserregende am Trampolinhüpfen - vor allem im privaten Bereich - ist, dass der Anteil der schweren Verletzungen besonders hoch ist im Vergleich zu anderen Sportgeräten“, sagt der Mediziner.

Trampolin: Schädel-Hirn-Trauma und Genickbruch können Folgen sein

Etwa ein Drittel (28 Prozent) der Verletzungen, die Kinder auf einem Trampolin erleiden, seien Schädel-Hirn-Traumata (die leichte Form wird als Gehirnerschütterung bezeichnet), Knochenbrüche der Unterarme bis hin zu komplexen Frakturen im Ellenbogenbereich. Richtig gefährlich wird es bei einem Genickbruch: Es kommt zum Beispiel auch zu Brüchen der Halswirbelsäule, die stationär behandelt werden müssen. 

Bei den weiteren zwei Dritteln handele es sich um leichte Verletzungen wie Verstauchungen des Sprung- oder beispielsweise Kniegelenks. „Die betroffenen Kinder sind im Schnitt zwischen drei und zwölf Jahre alt. Wobei die gravierenden Verletzungen eher bei den Drei- bis Sechsjährigen zu beobachten sind“, so Strack. „Ältere Kinder verletzen sich eher bei waghalsigen Sprüngen, wenn sie beispielsweise einen Salto versuchen.“

Zu den Ursachen zählten, dass Kinder - selbst mit Sicherheitsnetz - auf den Boden neben dem Trampolin prallten oder sich an den Stahlfedern des Trampolinrandes verletzten. Auch käme es immer wieder zu riskanten Zusammenstößen, wenn mehrere Kinder gleichzeitig hüpften - sogar auf Sprungnetzen mit größerem Durchmesser.

Gefahr beim Trampolin: Der Katapult-Effekt

„Wenn zum Beispiel zwei Kinder verschiedenen Alters und verschiedenen Gewichts auf einem Trampolin hüpfen, wird das Verletzungsrisiko vor allem für das kleinere Kind deutlich erhöht. Durch den entstehenden Katapult-Effekt kann es unter Umständen meterhoch fliegen und vom Trampolin stürzen“, warnt Strack.

Schlimme Verletzungen können die Folge sein: Wenn Kinder beim Springen falsch aufkommen, drohen Knochenbrüche und Gehirnerschütterungen. Besonders gefährlich ist der Katapult-Effekt.

Da Trampoline inzwischen auch zu günstigen Preisen von Discountern wie Aldi und Lidl angeboten würden, fehle die notwendige Fachberatung im Umgang mit dem Sportgerät und den zugehörigen Sicherheitshinweisen, bedauert der Experte. „Dazu gehört unter anderem, dass Kinder erst ab dem 6. Lebensjahr vorsichtig an den Trampolinsport herangeführt werden sollten“, sagt Strack, der sich auch auf die Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Gesellschaft beruft. „Die motorischen und koordinativen Fähigkeiten von Babys und Kleinkindern reichen einfach noch nicht aus, um sich sicher auf einem Trampolin zu bewegen. Auch sind ihre Gelenke noch zu instabil“, betont Strack.

Sicherheit beim Trampolin - was muss man beachten?

Mit diesen Tipps kann die Gefahr für Kinder auf dem Trampolin deutlich sinken: Damit Kinder nicht komplett aufs Trampolinspringen verzichten müssen, sollten Eltern laut Kinderchirurg Dr. Andreas Strack vom Klinikum Kassel auf Folgendes achten

  • Lassen Sie Ihr Kind erst ab dem 6. Lebensjahr auf ein Trampolin. 
  • Es darf immer nur ein Kind auf einem Trampolin hüpfen. 
  • Kinder sollten stets ohne Schuhe auf dem Trampolin springen und zwar mittig, nicht am Rand des Sprungnetzes. 
  • Andere Spielsachen - zum Beispiel Bälle - haben auf dem Trampolin nichts zu suchen. 
  • Als Eltern sind Sie dafür verantwortlich, dass die technische Sicherheit des Trampolins gewährleistet ist. Überprüfen Sie regelmäßig das Sicherheitsnetz - Witterungseinflüsse können es spröde machen. 
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind während des Springens regelmäßig Pausen einlegt. Durch Überanstrengung lässt die erforderliche Körperspannung nach, wodurch sich das Verletzungsrisiko erhöht. 
  • Stellen Sie das Trampolin möglichst nicht auf Asphalt auf. 
  • Matten rings um das Trampolin können eventuell Schlimmeres verhindern, falls Ihr Kind doch vom Trampolin fällt.

Das Video stammt nicht von der HNA, sondern ist Bestandteil der Plattform Glomex.

Studie: Trampolin häufigste Unfallursache bei Kleinkindern

Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2016 ist das Trampolinspringen unter den Ein- bis Sechsjährigen eine der häufigsten Ursachen von Unfällen unter Beteiligung eines Sport- oder Freizeitgeräts. Eine Erhebung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie hat zudem ergeben, dass sich die Zahl der Trampolinunfälle bei Kindern in den vergangenen 15 Jahren mehr als verdreifacht hat.

Der Experte: Dr. Andreas Strack

Dr. Andreas Strack (45) wurde in Bonn geboren, wo er auch Medizin studierte. Im Jahr 2003 kam Strack nach Kassel: Am Kinderkrankenhaus Park Schönfeld absolvierte er seine Ausbildung zum Facharzt für Kinderchirurgie. 

Der Mediziner stammt aus Bonn: Schon seit 2012 leitet Andreas Strack auch das Zentrum für schwerbrandverletzte Kinder im Klinikum Kassel.

Seit 2012 leitet Andreas Strack, Oberarzt der Klinik für Kinderchirurgie am Klinikum Kassel, das Zentrum für schwerbrandverletzte Kinder, das sich dort ebenfalls befindet. Andreas Strack ist verheiratet und hat drei Kinder.

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