„Es gibt schon jetzt Engpässe“

+
Lebensrettende Reserven: Blutkonserven werden im Institut des DRK-Blutspendedienstes in Kühlschränken aufbewahrt.

Die Vorbereitungen für die HNA-Blutspendeaktion vom 24. bis 27. Juli im Regierungspräsidium laufen. Die Aktion findet zum zwölften Mal im Sommer statt, weil in diesen Wochen die Blutkonserven knapp sind. Wir sprachen mit dem Leiter des Kasseler Instituts DRK-Blutspendedienst Baden-Württemberg-Hessen, Dr. Gerhard Holzberger.

Haben Sie derzeit noch genug Blutkonserven in Ihrem Institut?

Dr. Gerhard Holzberger: Bei einzelnen Blutgruppen gibt es bereits Engpässe. In den Frühsommermonaten mit den Feiertagen und Brückenwochenenden kommen oft weniger Blutspender, bei den angebotenen Terminen liegen wir meist unter den zu erwartenden Zahlen. Die Versorgungslage wird kritisch, wenn durch schwere Unfälle eine große Anzahl von Blutpräparaten in den Kliniken benötigt wird. Die Reserven schrumpfen in dieser Zeit meist erheblich, sodass wir auf die Spendenbereitschaft insbesondere auch von Erstspendern angewiesen sind.

Sie hoffen also grundsätzlich auf mehr Blutspender?

Holzberger: Ja, unbedingt. Zum einen verlieren wir treue Blutspender, wenn sie eine gewisse Altersgrenze überschritten haben und nicht mehr spenden dürfen. Zum anderen müssen wir wegen der strengen Anforderungen etwa zehn Prozent der Spendenwilligen zeitweise oder auch grundsätzlich ausschließen. Deshalb ist es so wichtig, neue Erstspender zu gewinnen. Die HNA-Aktion ist auch aus diesem Grund sehr wichtig, weil hier überdurchschnittlich viele Erstspender dem Aufruf folgen und dann auch übers Jahr regelmäßig zur Blutspende kommen.

Wer darf Blut spenden?

Holzberger: Jeder Gesunde zwischen 18 und 71 Jahren, Erstspender jedoch nur bis 65 Jahre. Wer Blut spenden möchte, wird zuvor ärztlich untersucht. Darüber hinaus werden bei jeder Blutspende Laboruntersuchungen zum Beispiel auf HIV sowie Hepatitis B und C gemacht, um die Infektionssicherheit der Blutpräparate zu gewährleisten. So können wir auch frühzeitig eventuelle Infektionskrankheiten oder eine niedrige Zahl an roten Blutkörperchen bei einem Blutspender erkennen.

Und wie oft darf man Blut spenden?

Holzberger: Männer dürfen in der Regel sechsmal im Jahr, Frauen viermal im Jahr spenden. Zwischen zwei Blutspenden sollten mindestens 56 Tage Abstand liegen. Der Spender muss gesund sein und mindestens 50 Kilogramm wiegen.

Wozu wird das Spenderblut gebraucht?

Holzberger: Der Blutspendedienst Hessen versorgt 143 Kliniken. Diese benötigen wöchentlich rund 5500 Blutkonserven. Für Nordhessen mit 41 Krankenhäusern werden wöchentlich 1500 Blutkonserven gebraucht. Ein großer Teil der begrenzt haltbaren Konserven wird für die Krebstherapie verwendet. Außerdem werden Blutpräparate für große Operationen zum Beispiel bei Herzerkrankungen benötigt. Eine wichtige Patientengruppe sind Unfallopfer, die teils mit großen Mengen versorgt werden müssen.

Zuletzt eine wichtige Frage: Wer verdient am Spenderblut?

Holzberger: Die Blutkonserven werden zum Selbstkostenpreis an die Kliniken weitergereicht. Der Blutspendedienst darf nur die ihm tatsächlich entstehenden Kosten berechnen. Die Blutspende selbst darf nicht zur Handelsware werden. (hei)

Die HNA-Blutspendeaktion findet vom 24. bis 27. Juli jeweils von 10 bis 20 Uhr im Regierungspräsidium am Steinweg statt. Auch diesmal wird die Aktion von der Kurhessen-Therme und dem Cineplex-Capitol-Kino unterstützt. Im vergangenen Jahr waren 4730 Spender dem Aufruf gefolgt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.