Run auf Arztpraxen

Impfung gegen Grippe: Was in der Corona-Zeit empfohlen wird und ob Engpässe drohen

In diesem Jahr ist der Run auf eine Grippe-Impfung besonders hoch - auch wegen Corona. Was empfehlen Ärzte und Experten? Gibt es einen Engpass? Ein Überblick.

Hamm - Viele Hausärzte können sich aktuell kaum über wenig Arbeit beschweren. Der Ansturm auf die Praxen ist groß. Der Grund ist bei all den steigenden Zahlen nicht das Coronavirus* - zumindest nicht direkt.

KrankheitInfluenza, echte Grippe, Virusgrippe
AuslöserViren der Gattung Influenzavirus A oder B
Vorkommenweltweit
Häufigste SymptomeFieber (>40°), Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, trockener Husten

Der Run auf eine Grippe-Impfung ist in diesem Jahr so hoch wie wohl sehr lange nicht. Wegen Covid-19. Denn viele Experten und auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn werben nun auch wegen der Corona-Pandemie dafür, dass sich Menschen bestimmter Gruppen impfen lassen sollten. Darüber schreibt wa.de*.

Grippe-Impfung in Corona-Zeiten begehrt: Menschen befürchten Engpass - Empfehlung der Experten

Oft ist eine Grippe nicht so harmlos wie eine banale Erkältung. Geschätzt 25.000 Tote gingen bei der außergewöhnlich schweren Welle 2017/18 in Deutschland auf das Konto der Influenza.

Eine Impfung gegen Grippe, deren Symptome sich denen einer Coronavirus-Infektion durchaus ähneln können, ist demnach beliebt wie nie. Viele Menschen befürchten nun einen Engpass bei der Grippe-Impfung. Zu Recht?

Grippe-Impfung in Corona-Zeiten: Kommt es tatsächlich zu Engpässen?

Ja, es können tatsächlich lokal und zeitlich zu Lieferengpässen kommen, sagte Bundesgesundheitsminister Spahn. „Das heißt aber nicht, dass wir Versorgungsengpässe bei diesem Grippe-Impfstoff haben“, ergänzte der CDU-Politiker.

Das Bundesgesundheitsministerium hat nach eigenen Angaben für diese Saison 26 Millionen Dosen bestellt. „So viele Impfdosen standen noch nie zuvor in Deutschland für die Grippe-Impfung zur Verfügung“, erklärte Spahn. Der Grippe-Impfstoff werde jedoch nicht an einem Tag ausgeliefert, sondern stehe nach und nach zur Verfügung. Es sei sinnvoll, sich auch noch im November oder Dezember impfen zu lassen.

Grippe-Impfung in Corona-Zeiten: Was wird empfohlen?

In der Corona-Pandemie wird die Grippe-Impfung insbesondere Risikogruppen wie Senioren und chronisch Kranken empfohlen. Dabei geht es etwa darum, Super-Infektionen mit anderen gefährlichen Erregern zu vermeiden - aber auch darum, die Zahl der Krankenhausaufenthalte wegen Grippe möglichst gering zu halten.

Empfohlen wird eine Grippe-Impfung darüber hinaus für medizinisches Personal in Krankenhäusern, Pflege- und Senioreneinrichtungen und im Gesundheitswesen, dazu für Schwangere und Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen.

Doris Pfeiffer, die Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen: „In den letzten Jahren hat sich nur jeder dritte Risikopatient, jeder dritte Risikopatientin impfen lassen. Das sind viel zu wenige.“ Sie rief „die besonders gefährdeten Versicherten“ zur Impfung auf. Die Kassen übernehmen die Kosten für diese Gruppe.

Grippe-Impfung in Corona-Zeiten: Wie wird die kommende Grippe-Saison?

Der Verlauf ist der Grippe jedes Jahr unterschiedlich, daher lässt sich das nur schwer vorhersagen. In dieser Saison ist es aus Sicht der Fachleute aber besonders wichtig, die Zahl der Fälle niedrig zu halten - wegen Corona! Bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs steht ein Unternehmen derweil kurz vor dem Durchbruch.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn gibt Entwarnung: Es wird keinen Engpass beim Grippe-Impfstoff geben.

Das Problem: Gäbe es gleichzeitig zahlreiche Erkrankte durch beide Erreger, könnte das die Krankenhäuser überlasten. Die Entwicklung im Winter auf der Südhalbkugel - Australien, Neuseeland, Südafrika und -amerika - kann allerdings optimistisch stimmen: „Praktisch ausgefallen“ sei die Grippewelle dort, sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler.

Grippe-Impfung: Helfen hier auch die Corona-Regeln?

Abstand zu anderen Menschen halten, häufig Hände waschen, Mund-Nasen-Schutz tragen und regelmäßig lüften: Was gegen Corona empfohlen wird, nützt aus Sicht des RKI auch, um das Risiko einer Ansteckung mit Influenzaviren zu reduzieren.

Auch insgesamt träten wegen der Covid-19-Maßnahmen weniger Infektionskrankheiten auf, sagte Wieler. Seit etwa März habe es so keinen Masernfall mehr hierzulande gegeben. Der Lockdown im Frühjahr bereitete wohl der vergangenen Grippewelle ein Ende: Sie fiel nach RKI-Daten mit einer Dauer von elf Wochen kürzer aus als die Grippewellen der fünf Vorsaisons.

Grippe-Impfung in Corona-Zeiten: Wäre es nicht für jeden sinnvoll?

In einer Stellungnahme vom Juli stellte sich die Ständige Impfkommission (Stiko) gegen die Idee der Impfung für Jedermann: Auch, weil dann der Impfstoff für die Risikogruppen nicht reichen könnte.

Zum Schutz der Menschen und zur Entlastung der Gesundheitssysteme sei der größte Effekt zu erreichen, wenn die Impfquoten vor allem in den Risikogruppen „erheblich gesteigert“ würden, hieß es. Manche Krankenkassen kündigten dennoch an, allen Versicherten die Grippe-Impfung wegen der Corona-Pandemie gratis anzubieten.

Grippe-Impfung: Kann man gleichzeitig am Coronavirus erkranken?

Der Virologe Hendrik Streeck sagte kürzlich der dpa: „Gleichzeitige Infektionen mit Grippe und einem anderen Virus sind sehr, sehr unwahrscheinlich.“ Das Immunsystem sei im Moment einer Infektion so in Alarm, dass eine zusätzliche mit einer weiteren viralen Erkrankung sehr selten vorkomme. (mit dpa-Material) *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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