Grippe-Risiko steigt unnötig

Ärzte machen Rabattverträge zwischen Kassen und Herstellern für Engpässe bei Impfstoff mitverantwortlich

Stefan Pollmächer

Bei der Versorgung mit konventionellen Impfstoffe gegen Grippe wird es momentan ziemlich eng. Nicht nur der hessische Apothekerverband, sondern auch die Ärzte schlagen Alarm. „Wir suchen händeringend nach Impfstoffen“, sagt Dr. Stefan Pollmächer, Facharzt für Allgemeinmedizin und Sprecher der Ärztegenossenschaft Doxs. Die Impfbereitschaft sei momentan größer als bei der Schweinegrippe. Pollmächer hatte am Montag noch einen Rest von drei Impfdosen zur Verfügung. „Wir mussten Menschen, die sich impfen lassen wollten, wieder nach Hause schicken, als die Dosen weg waren“, sagte er. Erst Ende der Woche erwartet er eine neue Lieferung. Zwar gebe es noch Grippe-Impfstoffe auf der Basis von Tumorzellen. Die sind seiner Ansicht nach aber noch nicht ausreichend erprobt, um sie einzusetzen.

Für den Engpass an Impfstoffen macht der Doxs-Sprecher vor allem die Rabattverträge der Krankenkassen mit Impfstoff-Herstellern verantwortlich. Dabei schließen die Krankenkassen Exklusivverträge für ein Impfstoff-Produkt. Die Folge: Andere Hersteller ohne diese Verträge verringern ihre Impfstoff-Produktion. Kann ein Hersteller die im Rabattvertrag festgelegte Menge an Impfstoffen nicht liefern, wird es eng. Rückruf-aktionen, wie kürzlich die von Novartis-Impfstoffen, können ein Grund dafür sein, dass die vereinbarten Mengen nicht geliefert werden können. Rabattverträge führen laut Pollmächer auch in anderen Bereichen zu Problemen. So kommt es beispielsweise vor, dass chronisch kranke Patienten ihr regelmäßig benötigtes Medikament in jedem Quartal von einem anderen Hersteller erhalten. „Der Wirkstoff ist zwar gleich, aber Form und Verpackung sind unterschiedlich“, sagt der Kasseler Arzt. Das führe häufig zu Verwirrung, vor allem bei älteren Menschen. „Der Weg über die Rabattverträge erschwert die Arbeit in den Arztpraxen“, sagt er. Die Impfstoffknappheit trifft besonders chronisch Kranke und Menschen, die über 60 Jahre alt sind. Sie gehören ebenso wie Kinder und medizinisches Personal zu den Risikogruppen.

Da das Influenza-Virus, das eine Grippe auslöst, über die Luft übertragen wird, gibt es außer einer Impfung wenig, das man zur Vorbeugung einer Grippe tun könnte. Neben einer gesunden Ernährung sollte man sich laut Pollmächer regelmäßig die Hände waschen. (mkx)

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