1000 Fälle in Hessen

Grippewelle 2019 fordert Tote in Deutschland: Symptome und Impfung

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Gegen Grippe impfen lassen: Jetzt ist die Vorsorge mit dem Vierfach-Impfstoff nicht mehr das Privileg von Privatpatienten. Auch Kassenpatienten können sich damit schützen lassen.

Die Grippewelle nimmt Kurs auf Deutschland: Bis Mitte Februar 2019 gab es in Niedersachsen. Doch wie sieht es in Hessen aus? Alle Infos zu Symptomen, Verlauf und Krankschreibung.

Aktualisiert am 14. Februar 2019 - Die Grippewelle im Winter 2017/2018 galt als ungewöhnlich stark. Allein in der Stadt und im Kreis Kassel gab es damals zusammengerechnet 21 Todesfälle. Wie schlimm die Auswirkungen im Winter 2018/2019 ausfallen, vermag bislang noch niemand abzuschätzen. Bisher gab es in Niedersachsen vier Todesfälle durch die aktuelle Grippewelle. 

Grippewelle in Hessen

Die Grippe breitet sich nun auch in Hessen aus: Die Zahl der gemeldeten Nachweise des Influenza-Virus lag laut Deutscher Presse-Agentur Mitte Februar bei 1000. In der Woche zuvor waren es 600 gewesen. Tote gab es in Hessen bisher nicht. "Die bisherigen Meldezahlen zeigen einen der Jahreszeit entsprechenden Anstieg, aber bisher keine außergewöhnliche Häufung", sagte der Hessische Sozial- und Integrationsminister Kai Klose (Grüne).

In der Stadt Kassel gab es in Kalenderwoche 7 insgesamt 17 gemeldete Fälle (im Vorjahr waren es zu diesem Zeitpunkt 29), im Landkreis Kassel waren es 19 (Vorjahr: 43). Das berichtet die Pressestelle der Stadt Kassel. Am stärksten unter den Infizierten betroffen ist die Altersgruppe der über 60-Jährigen.

Das Gesundheitsamt in Frankfurt sprach gegenüber der Hessenschau von einem "sprunghaften Anstieg" der Fälle. Bis Mitte Februar wurden mehr als 180 Erkrankungen gemeldet. Anfang Januar waren noch unter 40 Personen betroffen.

Grippe in Deutschland

In Schleswig-Holstein stieg die Anzahl der Infizierten beispielsweise drastisch an: Ende Januar 2019 gab es weniger als 100 Betroffene. Nur zwei Wochen später waren es schon fast 400 gemeldete Influenza-Fälle. Todesfälle wurden bislang nicht vermeldet. Die Dunkelziffer ist mit Sicherheit deutlich höherViren des Typs A sind laut Robert-Koch-Institut dominant. 

Wann ist Grippe-Saison?

Das Robert Koch-Institut hat dafür ein ziemlich genau definiertes Zeitfenster: "Zwischen 40. Kalenderwoche (Anfang Oktober) und 20. Kalenderwoche (Mitte Mai)". Allerdings wird die Grippe-Saison vom Begriff der Grippewelle abgegrenzt. Die Grippewelle hat laut der Wissenschaftler des Instituts in der Vergangenheit meistens im Januar begonnen und hielt maximal vier Monate an.

Unterschied: Grippe und Erkältung

Es kommt oftmals vor, dass Menschen die Begriffe Grippe und Erkältung verwechseln. Doch grundsätzlich ist es ein Unterschied, ob man tatsächlich an einer Grippe leidet, oder an einer Erkältung. Dr. Karin Müller ist nicht nur Medizinerin, sondern leitet auch das Gesundheitsamt für die Region Kassel. Auf HNA-Anfrage erklärt sie: "Eine Erkältung oder grippaler Infekt werden in der Regel durch verschiedene Viren ausgelöst, die sich über die Atemwege ausbreiten." Als typische Symptome bei einer Erkältung nennt die Spezialistin: 

  • Schnupfen
  • Husten
  • Halsschmerzen
  • Kopf- und Gliederschmerzen
  • Schlappheitsgefühl

Die Symptome beginnen laut Müller in der Regel allmählich. Fieber ist möglich, fast immer bei Kindern. Erkältungen oder grippale Infekte seien insgesamt sehr häufig. Man erkranke im Schnitt zwei- bis fünfmal im Jahr - individuell mehr oder weniger ausgeprägt. Kinder erkranken noch häufiger. Eine Erkältung ist meist innerhalb von ein bis zwei Wochen ausgeheilt, Husten und Schnupfen können eventuell noch länger dauern.

Welche Symptome hat die Grippe?

Das Robert Koch-Institut informiert in dieser Saison umfassend über Grippe auf seiner Homepage. Wir haben daran orientiert die wichtigsten Fragen und Antworten zur Grippewelle 2018 für Sie zusammengefasst. 

Es gibt eine relativ typische Symptomatik bei Menschen, die an Grippe erkranken. Hier haben wir die häufigsten Symptome aufgelistet:

  • hohes, plötzlich aufkommendes Fieber
  • starke Muskelschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • oft kommt Reizhusten hinzu

Laut Experten gibt es bei den Symptomen für Grippe eine Faustregel, die mit Dritteln arbeitet. Sie besagt: Ein Drittel der Leute erkrankt mit den oben genannten Symptomen, ein Drittel zeigt deutlich mildere Symptome - vergleichbar mit einer normalen Erkältung - und ein Drittel entwickelt sogar gar keine Symptome. Insbesondere ältere Menschen können an Grippe erkranken, ohne überhaupt Fieber zu bekommen. 

Wenn die Grippewelle zuschlägt: Besonders auffällig ist, dass die Symptome einer Grippe schlagartig zu einem schweren Krankheitsgefühl führen. Bei einer Erkältung ist der Prozess schleichender.

Dr. Karin Müller erklärt: Die Grippe  verursacht ein "schlagartig schweres Krankheitsgefühl". Zudem werde die Grippe immer von Influenzaviren ausgelöst.

Grippe: Wie lange krankschreiben?

Bei jedem kann der Verlauf stärker oder schwächer ausfallen. Das Minimum für eine Krankschreibung beim Hausarzt ist eine Woche - besser sind aber zwei Wochen. Meist fühlt man sich auch nach Abklingen der Symptome noch geschwächt. 

Die Dauer der Grippe wird vom Robert Koch-Institut mit 5 bis 7 Tagen angegeben. In schwereren Fällen, kann die Infektion durchaus deutlich länger dauern. Expertin Dr. Karin Müller berichtet von "bis zu 3 bis 6 Wochen". 

Warum bekommt man Grippe meistens im Winter?

Laut Robert Koch Institut gibt es mehrer Gründe, die dazu führen, dass Grippe eher im Winter ihr Unwesen bei uns treibt. Die wichtigsten Gründe in der Übersicht:

  • Influenzaviren sind bei niedrigen Temperaturen und in trockener Luft stabiler
  • die Schleimhäute der oberen Atemwege bei trockener Luft sind anfälliger für Infektionen
  • im Winter sind wir öfter längere Zeit mit anderen Menschen in schlecht belüfteten Räumen
  • das Immunsystem vieler Menschen ist im Winter schwächer als im Sommer

Wie wichtig ist die Grippe-Impfung 2018?

Ärzte, Krankenkassen und Experten raten zur Impfung gegen Grippe. Wer sich impfen lassen will, der kann das beispielsweise beim Hausarzt - oftmals ist dafür kein Termin notwendig. In einem gesonderten Artikel erfahren Sie alles rund um die Grippe-Impfung und den Vierfach-Wirkstoff für Kassenpatienten

Dieses Video ist Bestandteil der Plattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt.

Im Jahr 2017 wurde beispielsweise noch ein Dreifach-Wirkstoff gespritzt. Nun wurde der Impfstoff aber neu justiert, um bei dieser Grippewelle besser zu schützen. Das heißt, der Impfstoff wurde aktualisiert. Allerdings ist eine Impfung niemals ein 100%iger Schutz gegen Grippe. Dr. Karin Müller vom Gesundheitsamt in Kassel erklärt zudem: "Eine Grippeschutzimpfung kann nicht vor einer Erkältung schützen, sondern nur gegen die Influenza, die 'echte' Grippe."

Grippe: Impfstoff wird knapp

Offenbar lassen sich in dieser Grippe-Saison deutlich mehr Menschen impfen als zuvor. Laut HNA-Infomationen wurde der Grippe-Impfstoff - zumindest in Kassel und Umgebung - bereits Mitte November 2018 knapp. Der Vierfach-Impfstoff wird nun nämlich erstmals nicht nur für Privatpatienten angeboten - es gibt diese Variante der Vorbeugung inzwischen auch für Kassenpatienten. Vermutlich nehmen nun mehr Patienten dieses neue Angebot wahr. Durch die höhere Nachfrage ist das Produkt entsprechend schwerer erhältlich. 

Grippe-Impfung 2018: Nebenwirkungen

Wie die meisten Impfungen hat auch die Grippe-Impfung diverse Nebenwirkungen. Grundsätzlich sollte man nach der Impfung den Körper schonen. Sport sollte am Tag der Impung gegen Grippe tabu sein. Sinnvoll ist, etwa drei tage vergehen zu lassen, bis man wieder Sport macht. Die häufigsten Nebenwirkungen bei einer Grippe-Impfung in der Übersicht:

  • Injektionsstelle ist gerötet
  • Injektionsstelle schmerzt
  • Injektionsstelle schwillt an
  • leicht erhöhte Temperatur
  • Unwohlsein
  • Schmerzen in den Muskeln
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Schwitzen

Beim Großteil der Patienten verschwinden diese Symptome relativ schnell. meist fühlt man sich nach zwei tagen wieder völlig gesund. Es gibt aber auch Menschen, die mit einer Allergie reagieren - dann muss ein Arzt eingeschaltet werden.

Wie kann man sonst noch der Grippe vorbeugen?

So simpel es klingen mag: Händewaschen schützt. Denn die Erreger der Grippe werden nicht nur bei einer Tröpfcheninfektion weitergegeben. Auch beim Anfassen von Gegenständen und Händeschütteln laufen wir Gefahr zu erkranken. Der wirksamste und vermutlich kostengünstigste Grippeschutz ist also das Waschen der Hände. Doch damit diese Methode auch wirkt, sollte man unter keinen Umständen auf eine Katzenwäsche zurückgreifen: Nur wer seine Hände mit Seife und warmem Wasser mindestens 30 bis 45 Sekunden wäscht und anschließend geflissentlich abtrocknet, schützt sich richtig.

Ansonsten sollte man sich vor kränkelnden Zeitgenossen versuchen fernzuhalten, um eine Ansteckung zu vermeiden: Denn auch wer angehustet oder angeniest wird, kann sehr schnell an Grippe erkranken.

Warum kann Grippe tödlich sein?

Prinzipiell ist das Influenza-Virus nicht unbedingt tödlich. Allerdings können Menschen mit einem schwachen Immunsystem an den Folgen einer Grippe sterben. Oftmals ist es so, dass betroffene Patienten erst an Influenza erkrankten und dann - als sie dadurch schon geschwächt waren - eine Lungenentzündung bekamen, die durch Bakterien ausgelöst wurde. In vielen Fällen gilt dann diese bakterielle Lungenentzündung offiziell als Todesursache, da viele Tote nicht speziell auf Influenza-Viren untersucht werden.

Wann beginnt die Grippe-Welle?

Die für uns typische Grippewelle hat laut der Experten vom Robert Koch-Institut in den vergangenen Jahren in vielen Fällen im Januar begonnen und dann rund drei bis vier Monate gedauert. Außerhalb dieser Zeit werden oftmals nur wenige Fälle von Influenza beobachtet. 

Grippewelle aktuell - Die Karte

Um die Ausbreitung der Grippewelle sehen zu können, gibt es eine Karte, die im Internet aufrufbar ist und den aktuellen Stand zeigt. Zuständig für diese Grafik ist die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI). Die AGI wurde 1992 von vier pharmazeutischen Unternehmen gegründet. 2001 übernahm das Robert Koch-Institut dann die wissenschaftliche Regie für die Arbeitsgemeinschaft. "Ziel der AGI in Deutschland ist die zeitnahe ganzjährige Überwachung und Berichterstattung des Verlaufs und der Stärke der Aktivität akuter Atemwegserkrankungen (darunter speziell die der Influenza) und der spezifischen Merkmale der jeweils zirkulierenden Influenzaviren", heißt es auf der Homepage der AGI. Hier gibt es die Karte zur Grippewelle.

Was ist das Robert Koch-Institut?

Das Robert Koch-Institut (RKI) ist ein Bundesinstitut, das zum Bundesministerium für Gesundheit gehört. Das RKI ist die wichtigste Einrichtung der Regierung, wenn es um Krankheitsüberwachung und Krankheitsprävention geht. Auch um Forschung kümmert sich das RKI. Die mit Abstand wichtigsten Aufgaben des Institus sind die Verhütung, Erkennung und Bekämpfung von Krankheiten - insbesondere, wenn es um Infektionskrankheiten geht.

Was tun gegen Grippe - Hausmittel

Bei Grippe gibt es eine Reihe hilfreicher Tipps für Hausmittel, die die Beschwerden lindern können. Eine Übersicht:

  • Ein Erkältungsbad kann hilfreich sein, um Gliederschmerzen zu lindern - allerdings nur am Anfang einer Erkrankung, darauf weist die Apotheken-Umschau ausdrücklich hin. Wenn Sie bereits Fieber haben, sollten Sie besser darauf verzichten. In diesem Fall würde ein Bad den Körper zu sehr belasten. Entscheiden Sie sich für ein Bad, ist eine Wassertemperatur zwischen 32 und 38 Grad wichtig. Baden Sie zehn bis 20 Minuten, damit sich die wohltuende Wirkung entfalten kann. Sobald es Ihnen aber zu anstrengend wird, sollten Sie das Baden abbrechen. Packen Sie sich danach warm ein und legen Sie sich gleich ins Bett oder aufs Sofa, damit der Körper sich erholen kann.  
  • Auch Tees können Ihnen helfen. Lindenblüten- und Holundertees wirken schweißtreibend. Ingwer-Tee stärkt das Immunsystem, Kamillentee ist entzündungshemmend und Salbei-Tee beruhigt den Hals. Wichtig ist es, etwa zwei Liter Wasser oder Tee am Tag zu trinken, da Ihr Körper bei einer Grippe viel Flüssigkeit verliert.
  • Als Hausmittel gilt auch Hühnersuppe: Die enthaltenen Vitamine, Eisen und Zink stärken das Immunsystem, außerdem soll die Suppe das Abschwellen der Nasenschleimhäute unterstützen. 
  • Immer wieder wird auch Zwiebelsirup oder -saft empfohlen. Beides soll bei Halsschmerzen, Husten und Schnupfen helfen. Würfeln Sie dafür eine Zwiebel, vermengen Sie sie mit zwei Esslöffeln Honig oder Zucker und lassen Sie sie zugedeckt stehen. Nach ein paar Stunden hat sich ein Sirup gebildet, der teelöffelweise eingenommen werden kann. Nehmen Sie am besten ein bis zwei Teelöffel mehrmals am Tag.
  • Auch eine heiße Milch mit Honig ist bei Schnupfen hilfreich.

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