Günstige Studentenbude gegen Hilfe im Altenheim

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Wohnraum ist in vielen Universitätsstädten knapp und teuer. Seit rund zwei Jahren gibt es auch in Saarbrücken ein ganz besonderes Studentenwohnheim - auf dem Gelände eines Seniorenheims. Die Studenten helfen älteren Menschen und zahlen dafür weniger Miete.

Sandra Katzwinkel verteilt Liederhefte. Es ist Gesangsnachmittag im Seniorenheim „Am Steinhübel“ in Saarbrücken. Einer Frau im Rollstuhl hilft sie, die richtige Seite aufzublättern. Die 23-Jährige ist weder Altenpflegerin noch im Freiwilligen Sozialen Jahr. Sie ist Studentin und wohnt auf dem Gelände in einem eigenen Appartement. „Dafür helfe ich acht Stunden im Monat im Seniorenheim“, erklärt die gebürtige Berlinerin.

Der Wohnraum, besonders für Studenten, ist in Saarbrücken knapp und teuer. 18 200 Studierende zählt allein die Universität des Saarlandes in diesem Wintersemester. Das Projekt „Wohnen für Hilfe“, das es in ähnlicher Form in 16 weiteren deutschen Städten von München über Aachen bis Jena gibt, soll Abhilfe schaffen - und gleichzeitig die Generationen näher zusammenbringen.

Studenten helfen im Haushalt von älteren Menschen, Familien oder Behinderten und wohnen dafür zu vergünstigten Konditionen. Die Nachfrage seitens der Studenten ist laut Studentenwerk im Saarland groß - größer jedenfalls als das Angebot. Nur 18 Appartements gibt es im Wohnheim am Steinhübel, jedes 20 Quadratmeter groß, mit eigenem Bad, Balkon und Gemeinschaftsküche. 200 Euro inklusive Nebenkosten zahlen die Studenten dafür, ein echtes Schnäppchen.

 „Wir wählen aber aus, wer da hineinpasst. Wir wollen niemanden, der nur bei der Miete sparen will, sondern jemanden, der wirklich ein soziales Anliegen hat“, erklärt Dieter Horn, der beim Studentenwerk für „Wohnen mit Hilfe“ zuständig ist. Denn wer ins Haus am Steinhübel zieht, der übernimmt auch Verantwortung. Bingo-Nachmittag, Gesangskreis, Kinoabend und diverse Feste - überall packen die Studenten an. Jeder so, wie er Zeit hat. Mittlerweile haben einzelne Studenten auch Patenschaften für Heimbewohner übernommen, wie etwa Milenka Cofre. „Die Heimbewohnerin und ich sind richtige Freunde geworden. Einmal pro Woche besuche ich sie und wir trinken Kaffee und essen Kuchen. Ich bringe sie auch zu ihren Arztterminen“, erzählt die Spanisch- und Deutsch-Studentin. Andere Studenten gehen mit dem Senioren spazieren oder musizieren mit ihnen. Informatikstudent Luis Delgado hat eine ganz besondere Schülerin. „Sie ist 86 Jahre alt und ich habe ihr den Umgang mit dem Internet beigebracht. Jetzt schreibt sie E-Mails, ist bei Facebook und telefoniert mit Skype über das Internet“, erzählt er.

„Hier zu wohnen, ist eine sehr schöne Erfahrung. Doch manchmal ist es auch schwierig, zum Beispiel bei Menschen mit Demenz“, sagt Milenka Cofre. Für das Zusammenleben von Jung und Alt brauche es Mut, Geduld und Toleranz. „Man darf auch keine Berührungsängste in Bezug auf die älteren Menschen haben“, meint sie.

„Wir müssen beide Generationen aneinander heranführen“, erklärt die Leiterin von Haus Steinhübel, Andrea Sieger. So werden die Studenten in Workshops auf den Umgang mit den Senioren vorbereitet. Wie ein Rollstuhl zu bedienen ist, wird dabei ebenso gezeigt wie Umgangsformen oder Sicherheitsvorkehrungen. Die Zeit im Seniorenheim können sich die Studenten nachträglich auch als Praktikum im sozialen Bereich anerkennen lassen. Andrea Sieger ist sehr zufrieden mit „ihren“ Studenten. „Ich hoffe, dass es so gut weitergeht.“

Am Ende des Gesangsnachmittags sammelt Sandra Katzwinkel die Liederhefte wieder ein und hilft dabei, die Bewohner auf ihre Zimmer zu bringen. Die Arbeit im Gesangskreis muss sie abgeben, der neue Stundenplan lässt es zeitlich nicht zu. „Doch dafür gibt es genügend andere schöne Dinge, die ich hier tun kann.“ (dpa)

Von Ulrike Otto

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