Stiftung Warentest empfiehlt

Haarausfall? Diese Mittel schützen Sie vor kahlen Stellen

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Wer unter Haarausfall leidet, schämt sich oftmals dafür. Mittel aus der Drogerie oder Apotheke sollen da Abhilfe schaffen.

Hormonschwankungen, erbliche Veranlagung oder der Lebensstil: Es gibt viele Theorien zum Thema Haarausfall. Doch helfen Shampoos, Pillen und Tinkturen wirklich?

Wenn das Haar lichter und schütterer wird, greifen manche verzweifelt zu diversen Produkten aus der Drogerie oder der Apotheke. Schließlich will sich nicht jeder damit abfinden, dass dort, wo einmal ein blühender Schopf war, nur noch spärlich Haare sprießen.

Besonders Männer leiden an Geheimratsecken und Kahlstellen – und versuchen, dem haarigen Problem beizukommen. Doch was helfen all die Mittelchen gegen Haarausfall auf dem Markt? Stiftung Warentest hat diese jetzt genauestens unter die Lupe genommen und drei Ansätze ausführlich getestet.

Erblich, hormonell oder Krankheit? Das steckt wirklich hinter Haarausfall 

Ihr hartes Urteil: Zwei Wirkstoffe in Medikamenten konnten tatsächlich für Besserung sorgen, allerdings nur bedingt. Einzig eine Haartransplantation kann wirklich wieder volles Haar zaubern.

Doch bevor Sie sich für ein Mittel entscheiden, empfiehlt es sich, dass Sie als erstes die zugrundeliegende Ursache dafür herausfinden. Denn neben erblich bedingtem Haarausfall zählen auch Krankheiten, Mangelernährung, Medikamenteneinnahme sowie Hormonschwankungen während der Wechseljahre oder Stress zu den Hauptfaktoren, warum die Haare nicht mehr sprießen wollen.

"Bei jedem Anzeichen im Bereich des Haarkleides, das Patienten sonderbar vorkommt, sollte ein Arzt aufgesucht werden", sagt Swen Malte John, Professor für Dermatologie an der Universität Osnabrück. Doch keine Sorge: Krankhafter Haarverlust ist oft vorübergehend, irgendwann stellt sich der Haarwuchs wieder ein.

So ist kreisrunder Haarausfall – oftmals bei Männern zu beobachten – vermutlich ein Anzeichen für eine unterschwellige Autoimmunkrankheit. Wer darunter leidet, dass innerhalb weniger Tage ganze Büschel Haare ausfallen, der sollte so schnell wie möglich einen Dermatologen aufsuchen.

Erblich bedingter Haarausfall: Koffein-Shampoos völlig wirkungslos? 

Dagegen sind diejenigen, die unter genetisch bedingtem Haarausfall leiden – auch androgenetische Alopezie genannt - länger mit dem Problem konfrontiert. Unter den Betroffenen finden sich Frauen wie Männer, die im Laufe ihres Lebens daran erkranken.

Der Grund dafür: Die Haarschäfte unter der Haut, die Follikel, reagieren überempfindlich gegenüber dem männlichen Sexualhormon Testosteron. Ein Abbauprodukt des Botenstoffs lässt die Follikel schrumpfen, die Haare werden erst feiner und fallen dann aus. Zum Schluss sterben auch noch die Follikel ab – das heißt: Es kommen keine weiteren Haare mehr nach. Meist bleibt nur noch ein Haarkranz am Hinterkopf übrig.

Dennoch scheinen viele Männer cool zu bleiben – so hat eine Markt-Media-Studie b4p von fünf deutschen Medienhäusern bereits 2013 ergeben, dass sich nur jeder Zehnte der Befragten um Haarausfall sorge. 68 Prozent gaben sogar an, dass Sie keine Probleme mit ihrem Schopf haben – allerdings passt dieses Bild nicht so ganz zum wachsenden Markt für Anti-Haarausfallprodukten wie Shampoos, Tinkturen und Medikamenten.

Vor einem Jahr erklärte der deutsche Hersteller Dr. Wolff zum Beispiel, bereits die hundertmillionste Flasche eines Männer-Koffein-Shampoos produziert zu haben – und verriet sogar, dass er zweistellige Zuwachsraten vorweisen könne. Doch Vorsicht: Wissenschaftlich gesehen ist es bis jetzt noch immer nicht bewiesen, dass Koffein im Shampoo das Haarwachstum wirklich fördert. Denn die Studien mit positivem Ergebnis sind oft dürftig – und werden von Anbietern mitfinanziert.

Auch andere Zusätze wie Keratin oder Ginseng werden von Herstellern gerne angepriesen, doch auch hier gibt es keine Beweise für die Wirksamkeit in Bezug auf Haarausfall. Der Grund dafür: Die Shampoos enthalten kein Testosteron.

Stiftung Warentest: Zwei Wirkstoffe helfen wirklich gegen Haarausfall

Nur für die Wirkstoffe  Finasterid und Minoxidil gab Stiftung Warentest grünes Licht. Diese sollen in Medikamenten den Haarausfall verlangsamen. Während allerdings Finasterid rezeptpflichtig ist, ist Minoxidil in jeder Apotheke frei erhältlich. Allerdings müssen Sie die Präparate auch wirklich täglich schlucken, ansonsten setzt die Wirkung aus.

Doch wie sieht es eigentlich bei den Frauen aus? Hier ist die Ernüchterung ebenfalls groß. Die Präparate für Betroffene seien laut Experten allesamt weniger geeignet, "weil die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist". Daher besser die Finger weg von Mitteln, die das Steroidhormon Glukokortikoid oder das weibliche Sexualhormon Estradiol beinhalten.

Also letztes Mittel: Haarverpflanzung? Doch Vorsicht: Eine Transplantation ist ein relativ risikoreicher Eingriff, der viel Know-how und logistisches Können erfordert. Daher sollten Sie sich die OP im Vorfeld gut überlegen und sich fachärztlich beraten lassen.

Haartransplantation: Die letzte Lösung gegen Haarausfall?

Und so funktioniert’s: Haarfollikel werden aus dem verbliebenen Haarkranz auf die Kahlstellen umverteilt. Sind davon allerdings bereits zu viele, bringt auch eine Verpflanzung nichts mehr.

Während der OP entnimmt der Chirurg die Follikel samt Haut in Streifen oder einzeln und setzt sie dann wieder an entsprechender Stelle ein. Nach etwa drei Monaten sollen die Haare laut Stiftung Warentest wieder sprießen. Kostenpunkt: zwischen 2.500 und bis zu mehr als 10.000 Euro.

Auch interessant: Gibt es jetzt endlich ein Wundermittel gegen erblichen Haarausfall? Forscher haben ein Schlüssel-Enzym gefunden. Des Rätsels Lösung?

Schockierend: Lesen Sie hier, wie auch zu strenge Frisuren bei Frauen für erheblichen Haarausfall sorgen können.

Von Jasmin Pospiech

Haartransplantationen füllen lichte Lücken auf

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