Hanta-Virus in Deutschland auf dem Vormarsch

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Eine Transmissions-Elektronenmikroskopie-Aufnahme vom Puumalavirus (Hantaviren)

Berlin/Stuttgart - An dem Hanta-Virus sind in Deutschland in den ersten fünf Monaten dieses Jahres so viele Menschen erkrankt wie seit Beginn der Meldepflicht noch nicht. Das sind die Anzeichen:

Das Hanta-Virus tritt in der ersten Hälfte 2012 in Deutschland besonders häufig auf: Die Zahl der Erkrankungen hat in den ersten fünf Monaten dieses Jahres mit bundesweit 965 gemeldeten Fällen einen Rekordwert erreicht, wie aus einer Statistik des Berliner Robert-Koch-Instituts hervorgeht. Noch nie seit Beginn der Meldepflicht im Jahr 2001, lag die Zahl der Hanta-Infektionen zwischen Januar und Mai derart hoch.

Gefahr oder Hype? Das wurde aus Schweinegrippe, BSE und Co.

Fast drei Monate nach ihrem Ausbruch in Deutschland ist die EHEC-Epidemie ist vom Robert-Koch-Institut für beendet erklärt worden. Deutschlandweit starben 50 Menschen im Zusammenhang mit dem aggressiven Bakterium.  © dpa
Gefahr oder Hype? Wir zeigen, was aus Schweinegrippe, BSE und Co. wurde. © dpa
Das erste Mal sahen die Medien die Apokalypse Anfang der 80er Jahre heraufziehen. Vom  "Waldsterben" war plötzlich überall die Rede. Zeitungen und Magazine widmeten dem Phänomen Titelseiten und zeigten dramatische Bilder. Durch Schadstoffe in der Luft und sauren Regen sei der gesamte deutsche Wald bedroht, hieß es damals... © dpa
... Besorgte Deutsche gingen auf die Straße um für den Wald und gegen die Umweltverschmutzung zu demonstrieren. "Erst stirbt der Wald - dann der Mensch" war ihre Losung -  die auch heute noch gelegentlich, wie auf diesem Bild, aufgegriffen wird... © dpa
... Tatsächlich investierte der Staat mehr als 100 Millionen Euro in die Gesundung des Waldes. Das Thema verschwand wieder völlig aus den Medien. Ist die Gefahr für den Wald also gebannt? Im Gegenteil: Der jährliche Waldzustandsbericht zeigt, dass 1984 noch 44 Prozent der Waldfläche gesund war, 23 Prozent waren stark geschädigt. 2009 waren nur noch 36 Prozent gesund und schon 27 Prozent stark geschädigt. Entsetzen lösen die Zahlen aber nicht mehr aus... © dpa
... 1996 tauchte dann der Rinderwahn auf den Titelseiten der Zeitungen auf. Schon seit einigen Jahren hatte man die "Bovine spongiforme Enzephalopathie" - kurz BSE - bei Rindern beobachtet. Doch jetzt hielten es Wissenschaftler für möglich, dass BSE auf den Menschen übertragen werden kann und die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auslöst.... © dpa
... Die Verbraucher sind massiv verunsichert. Zahlreiche Produkte stehen plötzlich unter Verdacht, die Krankheit zu übertragen: Steaks, Gummibärchen, Milch und Kosmetika. Der Rindfleisch-Absatz bricht ein, Importe aus Großbritannien, wo die Krankheit zunächst ausbricht, werden zeitweise verboten. Jeder neue Fall schafft es auf die Titelseiten... © dpa
... Als auch in Deutschland Rinder erkranken, müssen zahlreiche Tiere gekeult werden. Die Bauern fürchten um ihre Existenz und gehen auf die Straße. Seit dem Jahr 2000 gibt es einen BSE-Schnelltest und auch die ersten bestätigten Fälle in Deutschland. Ein Jahr später gab es mit 125 Fällen so viele kranke Rinder in Deutschland wie nie zuvor. Das Interesse der Öffentlchkeit ließ kurz darauf nach. Tatsächlich ging aber auch die Zahl der BSE-Fälle zurück. 2009 wurden in Deutschland nur noch zwei kranke Rinder registriert.... © dpa
... Dass das Interesse an BSE nachließ, lag wohl auch daran, dass schon die nächste bedrohliche Seuche um den Planeten ging: SARS. Das Schwere Akute Atemwegssyndrom beobachteten Ärzte zum ersten Mal 2002 in China. Die Behörden versuchten mit Kontrollen, bei denen, wie auf diesem Bild, Autofahrern und Passanten Fieber gemessen wurde, die Krankheit einzudämmen....  © dpa
.... Patienten, die an SARS erkrankten, hatten durchweg Fieber über 38 Grad. Deshalb wurden Passagiere, die aus Asien kamen, am Flughafen genau überprüft und auch ihre Körpertemperatur gemessen.... © dpa
... Trotzdem breitete sich das Virus besonders in Asien aus. Dort setzten viele Menschen auf Atemmasken, um sich zu schützen. Zwischen November 2002 und Mai 2003 entwickelte sich SARS zur weltweiten Pandemie. Fast 1000 Menschen starben an dem Virus. So plötzlich wie SARS aufgetaucht war, verschwand es Ende 2003 auch wieder, noch bevor ein Impfstoff entwickelt werden konnte.... © dpa
... 2006 jagten Männer in Schutzanzügen in Deutschland Geflügel. Die Vogelgrippe war ausgebrochen und aus Asien wurde gemeldet, dass der Erreger mit dem Kürzel H5N1 auch auf den Menschen übergesprungen war, erste Todesopfer waren zu beklagen.... © dpa
... Wo es Verdachtsfälle auf Vogelgrippe gab, rückten die Männer in den Schutzanzügen an und töteten den gesamten Geflügelbestand eines Betriebs. Das Gebiet um betroffene Höfe wurde abgesperrt, alle Fahrzeuge mussten durch Desinfektionsduschen fahren.... © dpa
... In der Nähe der Grenze kontrollierten Polizisten Autos, damit kein Geflügel und keine Geflügelprodukte eingeführt werden. In Deutschland ist bislang noch kein Mensch an der Vogelgrippe gestorben, daher ließ auch die mediale Aufmerksamkeit nach. Dennoch gibt es auch heute noch weltweit Ausbrüche der Krankheit. Die Weltgesundheitsorganisation zählte bislang 286 Tote.... © dpa
... Zuletzt wurde im wahrsten Sinn des Wortes eine Sau durchs mediale Dorf getrieben. Die Schweingrippe sorgte 2009 für Aufsehen. Zuerst bei Schweinen ausgebrochen, sprang das Virus mit der Bezeichnung H1N1 auch auf den Menschen über. Jeder Versuch, die Krankheit in Neue Grippe umzutaufen scheiterte.... © dpa
... Im August und September 2009 nahm die Öffentlichkeit die Schweinegrippe als so bedrohlich war, dass man sich in München überlegen musste, wie man die Ansteckungsgefahr auf dem Oktoberfest minimieren könnte. Geschäftstüchtige Erfinder hatten gleich eine Lösung: Ein Bändchen als Markierung, damit jeder nur aus dem eigenen Masskrug trinkt.... © dpa
... Als ein im Schnellverfahren getesteter Impfstoff gegen die Schweinegrippe auf den Markt kommt, müssen die Deutschen erst einmal überzeugt werden, sich überhaupt impfen zu lassen. Zu abstrakt ist inzwischen die Gefahr. Der neue Gesundheitsminister Philipp Rösler ließ sich öffentlchkeitswirksam die Spritze setzen und hoffte auf Nachahmer... © dpa
... Trotzdem schwappte die Infektionswelle über Deutschland. Die Krankheit verlief aber in den allermeisten Fällen glimpflich. So schnell wie sie gekommen war, so schnell verschwand die Schweinegrippe wieder - aus den Arztpraxen und aus den Medien. © dpa

Laut Robert-Koch-Institut ist Baden-Württemberg besonders stark betroffen: Im Südwesten wurden 696 Erkrankungen registriert und damit mehr als zwei Drittel aller in Deutschland bekannt gewordenen Fälle. Auch in anderen Bundesländern ist die Zahl der Infizierten sprunghaft gestiegen.

Die Infektionsgefahr sei in den Frühjahrs- und Sommermonaten generell höher, sagte der Präsident des Robert Koch-Instituts, Reinhard Burger auf dapd-Anfrage. “Dann werden die Nagetiere aktiv, die das Virus über ihre Ausscheidungen auf den Menschen übertragen, und die Menschen halten sich auch vermehrt draußen auf.“

Typische Anzeichen der Krankheit sind Rückenschmerzen, Fieber oder Blut im Urin, wie die Virologin Christiane Wagner-Wiening erläutert. In schweren Fällen könne es auch zu Nierenversagen kommen, das durch Dialyse behandelt werden müsse. Die Krankheitserreger werden hauptsächlich über Kot und Urin von Rötelmäusen übertragen. Menschen können die Viren zusammen mit Staubpartikeln einatmen.

2007 und 2010 waren Hanta-Virus-Jahre

Nicht nur Baden-Württemberg hat mit dem Hanta-Virus zu kämpfen. Bayern registrierte 73, Nordrhein-Westfalen 70 Erkrankungen. Es folgen Niedersachsen mit 42 und Hessen mit 32 Erkrankungen. In allen übrigen Bundesländern waren es weniger. Berlin, Brandenburg und Hamburg blieben den offiziellen Zahlen zufolge bislang komplett verschont.

Bereits in den Jahren 2007 und 2010 war der Hanta-Virus ausgebrochen und führte zu einer deutlich höheren Krankheitszahl. In den ersten fünf Monaten verzeichneten die Meldestellen damals 562 Erkrankungen und drei Jahre später 846 Erkrankungen. Auch zu jener Zeit kamen mehr als die Hälfte der betroffenen Bürger aus Baden-Württemberg.

In Regionen mit zahlreichen Buchenwäldern erkranken die Menschen nach Angaben von Expertin Wagner-Wiening besonders häufig. Die Ursache für derzeit starke Ausbreitung des Virus vermutet sie in dem trockenen Sommer des vergangenen Jahres und dem darauf folgenden hohen Fruchtertrag vieler Buchen und Eichen. Deshalb fänden die Rötelmäuse jetzt besonders viel Nahrung und hätten sich stark vermehrt. Die Tiere übertragen den Krankheitserreger.

Expertin empfiehlt Staubmaske beim Schuppenfegen

Zum Schutz gegen Hanta-Viren empfiehlt die Expertin, beim Fegen von Schuppen, Garagen und ähnlichen Tätigkeiten eine Staubmaske zu tragen. Wo Rötelmäuse leben und Kot und Urin hinterlassen, könnten die Exkremente beim Putzen aufgewirbelt und eingeatmet werden. Vorsicht sei ebenfalls geboten, wenn Holz gestapelt oder umgeschichtet werde. Kontakt zu Nagern oder deren Ausscheidungen sollte vermieden werden, empfiehlt die Expertin.

Besonders gefährdet seien Männer, die den Meldezahlen zufolge etwa doppelt so oft am Hanta-Virus erkranken wie Frauen. Kinder sind selten betroffen.

dapd

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