Harte oder weiche Linsen?

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Kaum sichtbare Sehhilfe: Kontaktlinsen sitzen direkt auf den Augen, sie passen sich der Augenbewegung an  und  beschlagen  nicht.   Auch  kommt  es  zu  keinen  begleitenden  Bildvergrößerungen  oder -verkleinerungen und zu keinen störenden Randeffekten.

Ich bin Brillenträger, würde aber gern auf Kontaktlinsen umsteigen. Was muss ich dabei beachten?, fragt ein Leser aus Adorf.

„Es gibt zwei Typen von Kontaktlinsen: harte und weiche“, sagt Dr. Karl Hermann Svoboda, Facharzt für Augenheilkunde. „Grundsätzlich sind die harten Linsen für das Auge gesünder, da weniger Komplikationen durch Unverträglichkeitserscheinungen auftreten, wie etwa eine Reizung der Hornhaut oder der Bindehaut.“ Harte Linsen werden ständig mit Tränenflüssigkeit unterspült, die das Auge mit Sauer- und Nährstoffen versorgt.

Krankheitskeime und Chemikalien aus dem Linsenreiniger haben aufgrund der Materialbeschaffenheit wenig Chancen, sich festzusetzen und das Auge zu schädigen. Zudem können die harten Linsen laut Svoboda jahrelang genutzt werden, vorausgesetzt der Wert ändert sich nicht. Der niedergelassene Arzt aus Volkmarsen betont aber, dass harte Linsen auch Nachteile haben. „Die Eingewöhnungszeit dauert länger als bei weichen Linsen. Mit einem Monat muss der Patient rechnen.“

Harte Linsen bestehen aus einem plexiglasähnlichen formstabilen Material und schwimmen aufgrund ihrer Härte auf der Hornhaut. Weiche Linsen hingegen bestehen aus einem Kunststoffhäutchen. Sie sind elastischer und können sich deshalb dem Augapfel besser anpassen.

Bei der Entscheidung zwischen den harten und weichen Linsen spielen auch die Ansprüche des Trägers eine Rolle. Wer seine Linsen vom Aufstehen bis zum Schlafengehen tragen möchte und zudem häufig Sport treibt, braucht andere Linsen als jemand, der die Linsen nur zweimal die Woche tragen möchte.

Daneben stellt sich die Frage, ob es länger verwendbare Linsen sein sollen oder solche, die nach kurzer Tragedauer entsorgt werden. Letztere - etwa die Vier-Wochen-Linsen - sind derzeit sehr beliebt. Sie machen etwa 85 Prozent der verkauften Linsen aus. „Hierbei spielen aber auch die Kosten eine Rolle, da Kontaktlinsen nicht von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt werden und der Patient die Kosten also selbst tragen muss“, sagt Svoboda.

Kontaktlinsen sind nur für gesunde Augen geeignet. „Hat der Patient eine Hornhauterkrankung - einen Herpes oder gar ein Geschwür - oder ein ausgeprägt trockenes Auge, können keine Linsen getragen werden“, sagt Svoboda. Auch wenn das Auge durch Allergien gereizt ist, sollte auf Kontaktlinsen verzichtet werden. „Generell ist zu empfehlen, trotz Linsen immer eine Brille parat zu haben, falls ein Reiz oder eine Erkrankung auftreten sollte.“

Verträglichkeit wichtig

Wichtig bei der Entscheidung zwischen den harten und den weichen Linsen ist auch die Verträglichkeit. „Der Träger muss mit den Linsen zurechtkommen und glücklich damit sein“, sagt Svoboda. Um herauszufinden, welche Linse gut für den Träger ist, sollte dieser den Augenarzt aufsuchen, das Auge gründlich untersuchen lassen und dann die Linsen einfach Probe tragen.

Von Gwendolyn Träger

Hintergrund

Kontaktlinsenträger sind häufig von Allergien durch Pflege- und Reinigungsmittel betroffen. Viele greifen heute deshalb zu Tages- bzw. Wegwerflinsen. Bei den harten Kontaktlinsen gibt es zudem Modelle, die trocken gelagert werden können und zur Pflege weniger Chemikalien brauchen. (hei)

Kontaktlinsen reinigen

Unzureichende Pflege und mangelnde Hygiene sind die Ursachen für die meisten Kontaktlinsenprobleme. Vor dem Einsetzen und Herausnehmen der Linsen sollte man die Hände deshalb stets gründlich reinigen. Auch die Kontaktlinsen sollten täglich sorgsam gereinigt werden. Wenn die Linsen nicht getragen werden, sollten sie in einer Aufbewahrungslösung liegen. Zur Desinfektion werden weiche Linsen einmal täglich in eine desinfizierende Lösung gelegt. Rückstände des Tränenfilms und Umweltpartikel, die sich mit der Zeit ablagern, sollten einmal wöchentlich mit einem Proteinentferner gelöst werden. Vor dem Einsetzen sollten die Linsen mit einer sterilen Kochsalzlösung abgespült werden.

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