Volkskrankheit Vorhofflimmern

Rotwein bringt Herz aus dem Takt

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Prosecco und vor allem Rotwein, der nach der Volksmeinung doch gut fürs Herz sein soll - kann den Rhythmus durcheinanderbringen.

Plötzlich rast das Herz - was sich für Betroffenen schrecklich anfühlt, ist aber kaum lebensbedrohlich. Doch manchmal kann schon ein Glas Rotwein Vorhofflimmern auslösen, warnen Mediziner.

„Vorhofflimmern ist mit ein bis zwei Prozent Betroffenen in der Bevölkerung schon jetzt eine Volkskrankheit“, sagt Prof. Ellen Hoffmann, die Chefärztin der Kardiologie am Klinikum München-Bogenhausen.

Vorhofflimmern habe nichts mit dem plötzlichen Herztod durch Rhythmusstörungen aus der Herzkammer zu tun und sei an sich nicht lebensbedrohlich. Häufig seien die Patienten aber durch plötzliches Herzrasen in der Lebensqualität deutlich beeinträchtigt. Zudem steige das Schlaganfallrisiko.

„Das ist die gefürchtetste Komplikation und daher ein großes Thema. Etwa 30 Prozent aller Schlaganfälle sind auf die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern zurückzuführen.“, so Prof. Hoffmann. Um das Schlaganfallrisiko zu reduzieren, werden zur Blutverdünnung seit fast 50 Jahren Medikamente mit dem Wirkstoff Phenprocoumon, bekannt als Marcumar, eingesetzt.

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Therapien bei Vorhofflimmern

Das Vorhofflimmern selbst ist bis heute gar nicht so leicht zu behandeln. Auf Medikamente sprächen nur höchstens die Hälfte der Patienten an, dabei nehme die Effektivität über die Jahre ab und es gebe Nebenwirkungen. Deshalb versuche man immer öfter, den Patienten mit Eingriffen über Katheter zu helfen. Dabei werden über Radiofrequenzstrom oder Vereisung mit einem in der Vene platzierten Ballon gezielt Narben im Herzen gesetzt, um die Weiterleitung der falschen Impulse ins Herz zu unterbrechen.

Diese sogenannte Katheterablation bringe bei anderen Formen des Herzrasens seit mehr als zwanzig Jahren sehr gute Ergebnisse mit über 90 Prozent Erfolg und unter einem Prozent Komplikationen. Beim Vorhofflimmern funktioniere die Methode nur bei 60 bis 80 Prozent der Patienten, gelegentlich müssten sie einen zweiten Eingriff über sich ergehen lassen und bei drei Prozent gebe es Komplikationen. Deshalb sei diese Methode nur für bestimmte Patienten geeignet.

Sport und Abstinenz

Sport, Verzicht aufs Rauchen sowie Vermeidung von Übergewicht und Bluthochdruck seien wichtige Maßnahmen zur Vorbeugung. In einigen Fällen sei Vorhofflimmern zunächst leicht zu behandeln: Alkohol - Prosecco und vor allem Rotwein, der nach der Volksmeinung doch gut fürs Herz sein soll - kann den Rhythmus durcheinanderbringen. Bei diesem sogenannten Holiday-Heart-Syndrom beginne vier bis sechs Stunden nach dem Alkoholkonsum das Vorhofflimmern. Hier ist die Therapie zunächst am einfachsten - meist reicht Abstinenz.

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Kardiologen erwarten in den nächsten Jahrzehnten eine deutliche Zunahme von Herzkrankheiten. Über neue Wege diskutieren 30.000 Mediziner beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (vom 25. bis 29. August) aus 150 Ländern in München.

dpa

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