Volkskrankheit Vorhofflimmern

Rotwein bringt Herz aus dem Takt

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Prosecco und vor allem Rotwein, der nach der Volksmeinung doch gut fürs Herz sein soll - kann den Rhythmus durcheinanderbringen.

Plötzlich rast das Herz - was sich für Betroffenen schrecklich anfühlt, ist aber kaum lebensbedrohlich. Doch manchmal kann schon ein Glas Rotwein Vorhofflimmern auslösen, warnen Mediziner.

„Vorhofflimmern ist mit ein bis zwei Prozent Betroffenen in der Bevölkerung schon jetzt eine Volkskrankheit“, sagt Prof. Ellen Hoffmann, die Chefärztin der Kardiologie am Klinikum München-Bogenhausen.

Vorhofflimmern habe nichts mit dem plötzlichen Herztod durch Rhythmusstörungen aus der Herzkammer zu tun und sei an sich nicht lebensbedrohlich. Häufig seien die Patienten aber durch plötzliches Herzrasen in der Lebensqualität deutlich beeinträchtigt. Zudem steige das Schlaganfallrisiko.

„Das ist die gefürchtetste Komplikation und daher ein großes Thema. Etwa 30 Prozent aller Schlaganfälle sind auf die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern zurückzuführen.“, so Prof. Hoffmann. Um das Schlaganfallrisiko zu reduzieren, werden zur Blutverdünnung seit fast 50 Jahren Medikamente mit dem Wirkstoff Phenprocoumon, bekannt als Marcumar, eingesetzt.

Diese sieben Promis erlitten einen Schlaganfall

Bab-Star Wolfgang Niedecken 
Bab-Star Wolfgang Niedecken ist wieder auf der Bühne. Seit dem 3. Mai 2012 ist der Frontman mit seiner Band BAP auf Tour "Volles Programm - Tour 2012".  Im November 2011 bangte die Nation um den Sänger: Schlaganfall - ein Blutgerinsel war in Richtung Gehirn gewandert und hatte ihn in Lebensgefahr gebracht. © dpa
Gaby Köster
TV-Ulknudel Gaby Köster ("Ritas Welt") war plötzlich lange von der Bildfläche verschwunden. Im Januar 2008 hatte Köster einen Schlaganfall erlitten, der ihre linke Körperhälfte lähmte. Über ihre Krankheit hat sie das Buch "Ein Schnupfen hätte auch gereicht – Meine zweite Chance" geschreiben. Jetzt kommt die TV-Komikerin in der neuen RTL-Show "RTL Comedy Woche" zurück auf die Mattscheibe. © dpa
Horst Lichter
Fernsehkoch Horst Lichter ist bei seinen Zuschauern nicht nur für seine wundervollen Gerichte bekannt, sondern auch für seine ansteckende Lebensfreude. Doch auch er hat schwere Zeiten hinter sich. Wie er im Jahr 2008 in einem Interview erzählte, hatte er jeweils im Alter von 26 und 28 Jahren einen Schlaganfall. Er soll dabei sogar ein Nahtod-Erlebnis gehabt haben, sagte Lichter. © dpa
Jean-Paul Belmondo
Während seines Urlaubs auf der Insel Korsika im Jahr 2001 erleidet der französische Schauspieler Jean-Paul Belmondo einen Schlaganfall. Sein Zustand ist kritisch. Nach einer langen Rehabilitation erholt sich "Bébel" aber wieder. Seinen jüngsten Auftritt in Deutschland hatte die Film-Legende als Zuschauer beim Boxkampf zwischen Jean-Marc Mormeck und Wladimir Klitschko in Düsseldorf. © dpa
Der deutsche Theaterschauspieler Michael Hinz war vielen auch als Serien-Darsteller bekannt. Er spielte in Krimi-Reihen wie "Der Kommissar", "Derrick" oder "SOKO 5113". Im November 2008 starb der 68-jährige Schauspieler an den Folgen eines Schlaganfalls in einer Münchner Klinik.   © dpa
Peter Struck
Während seiner Amtszeit als Verteidigungsminister erlitt Peter Struck im Jahr 2004 einen Schlaganfall. Nach einer zehnwöchigen Arbeitspause nahm er allerdings wieder seine politische Arbeit auf. Dabei wirkte Struck aber dünner und schwächer. Gesprächspartner berichteten zudem von leichten Sprachstörungen. Nach den Bundestagswahlen und dem Regierungswechsel im Jahr 2005 schied er aus seinem Amt aus. © dpa
Sängerin Michelle
Es war nur eine Minute bis zu ihrem Konzert in Wuppertal, als Sängerin Michelle sich plötzlich schwach fühlte und ihre Lippen taub wurden. Schnell wurde sie mit Lähmungserscheinungen ins Klinikum Barmen gebracht. Dort stellten die Ärzte bei der 31-Jährigen die Diagnose "Schlaganfall" fest. Doch Michelle erholte sich schnell und stand schon wenig später wieder in Cottbus auf der Bühne.  © dpa

Therapien bei Vorhofflimmern

Das Vorhofflimmern selbst ist bis heute gar nicht so leicht zu behandeln. Auf Medikamente sprächen nur höchstens die Hälfte der Patienten an, dabei nehme die Effektivität über die Jahre ab und es gebe Nebenwirkungen. Deshalb versuche man immer öfter, den Patienten mit Eingriffen über Katheter zu helfen. Dabei werden über Radiofrequenzstrom oder Vereisung mit einem in der Vene platzierten Ballon gezielt Narben im Herzen gesetzt, um die Weiterleitung der falschen Impulse ins Herz zu unterbrechen.

Diese sogenannte Katheterablation bringe bei anderen Formen des Herzrasens seit mehr als zwanzig Jahren sehr gute Ergebnisse mit über 90 Prozent Erfolg und unter einem Prozent Komplikationen. Beim Vorhofflimmern funktioniere die Methode nur bei 60 bis 80 Prozent der Patienten, gelegentlich müssten sie einen zweiten Eingriff über sich ergehen lassen und bei drei Prozent gebe es Komplikationen. Deshalb sei diese Methode nur für bestimmte Patienten geeignet.

Sport und Abstinenz

Sport, Verzicht aufs Rauchen sowie Vermeidung von Übergewicht und Bluthochdruck seien wichtige Maßnahmen zur Vorbeugung. In einigen Fällen sei Vorhofflimmern zunächst leicht zu behandeln: Alkohol - Prosecco und vor allem Rotwein, der nach der Volksmeinung doch gut fürs Herz sein soll - kann den Rhythmus durcheinanderbringen. Bei diesem sogenannten Holiday-Heart-Syndrom beginne vier bis sechs Stunden nach dem Alkoholkonsum das Vorhofflimmern. Hier ist die Therapie zunächst am einfachsten - meist reicht Abstinenz.

Erste Hilfe bei Herzinfarkt

Herzinfarkt
Erste Hilfe bei Herzinfarkt: Beim Herzinfarkt zählt jede Minute - zögern Sie nicht! Wählen Sie die 112. © TK
Patient mit erhöhtem Oberkörper lagern. © TK
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Enge Kleidung lockern. © TK
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Beruhigen Sie den Patienten. © TK
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Sorgen Sie für frische Luft und Ruhe. © TK
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Holen Sie sich einen zweiten Helfer. © TK
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 © TK
Herzinfarkt
Bei dem leisesten Verdacht auf einen Herzinfarkt sollte sofort der Notarzt über den Notruf 112. © TK

Kardiologen erwarten in den nächsten Jahrzehnten eine deutliche Zunahme von Herzkrankheiten. Über neue Wege diskutieren 30.000 Mediziner beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (vom 25. bis 29. August) aus 150 Ländern in München.

dpa

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