Gelenkbeschwerden ganzheitlich behandeln

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Geschwollen, steif und schmerzhaft: Gelenkbeschwerden können mithilfe ayurvedischer Medizin gelindert werden.

Jede Bewegung schmerzt und der Alltag ist nur mit Schmerzmitteln zu bewältigen – Gelenkbeschwerden können die Lebensqualität von Betroffenen stark einschränken. Verschleiß und Entzündungen des Bewegungsapparates werden in der klassischen indischen Heilkunst Ayurveda als Ungleichgewicht der drei im Körper wirkenden Kräfte, der Doshas, angesehen.

„Jeder Organismus verfügt über eine individuelle Konstellation von Vata, Pitta und Kapha“, erläutert Dr. Hilde Kartes-Sigwart. Die Medizinerin aus Kassel hat sich auf Ayurveda spezialisiert. Geraten diese Energien aus dem Gleichgewicht, können sich Krankheiten entwickeln. Dr. Kartes-Sigwart hat unsere Leser während der Telefonsprechstunde zur Therapie von Gelenkschmerzen beraten.

Ich bin weiblich, 78 Jahre alt und leide unter Arthrose in den Gelenken. Bisher kann ich gut damit leben, die Schmerzen beeinträchtigen mich noch nicht so sehr. Wie schätzen Sie die Lage ein? 

DR. HILDE KARTES-SIGWART: Arthrose ist ein Verschleiß an den Gelenken. Die Ayurveda-Medizin sieht darin eine Störung des Vata-Systems. Bei Vata-Erkrankungen wie der Arthrose verstärken sich die Eigenschaften von Vata wie Kälte und Trockenheit. Eine Therapie erfolgt mit den entgegengesetzten Eigenschaften wie Wärme und Feuchtigkeit. Dazu zählen äußerliche Anwendungen wie wärmende Kräuteröl-Massagen und Umschläge. Ganz wesentlich ist auch eine Anpassung der Ernährung mit warmem Essen und Getränken.

Ich bin weiblich, 64 Jahre alt und habe eine rheumatische Arthritis in den Kniegelenken. Jeden Morgen sind die Gelenke dick angeschwollen und ich kann mich kaum bewegen. Ich habe bereits über einen längeren Zeitraum hoch dosiertes Cortison eingenommen, dadurch aber enorm an Gewicht zugenommen und auch Probleme mit der Verdauung. Was empfehlen Sie mir?   

KARTES-SIGWART: Die rheumatische Arthritis basiert nach ayurvedischer Auffassung auf einer Stoffwechselstörung kombiniert mit einer erhöhten Vata-Energie bei der es zu einer Ansammlung von Stoffwechselschlacken, Ama, kommt. In der Therapie sollten zunächst diese Schlacken beseitigt werden durch scharfe und bittere Speisen und medizinische Präparate. Bewährt hat sich eine basenorientierte, fleischarme Kost. Der Stoffwechsel normalisiert sich und auch Ihr Gewicht wird sich dadurch wieder regulieren.

Im Anschluss wird das Vata-Ungleichgewicht behandelt. Dazu gehören wärmende Öl-Massagen sowie eine regelmäßige, leicht verdauliche Ernährung mit warmen Speisen. Wesentlich sind schmerzlindernde und entzündungshemmende Pflanzenpräparate. Bewährt haben sich dabei Medikamente mit Weidenrinde, Teufelskralle und Weihrauch.

Ich bin weiblich, 61 Jahre alt und leide seit vier Jahren an schlimmen Rheumaattacken. Ich wurde bereits mit Antikörpern behandelt und bin trotzdem nicht beschwerdefrei. Ich überlege, eine ayurvedische Behandlung in Betracht zu ziehen, habe aber Angst, dass sich durch Stärkung des Immunsystems die Symptome noch verschlimmern könnten. Wie sehen Sie das? 

 

KARTES-SIGWART: Im Ayurveda geht es nicht darum, die Schulmedizin gänzlich abzusetzen, sondern diese mithilfe der indischen Heilkunst zu unterstützen. In Ihrem Fall würde ich die bisherige antirheumatische Therapie unverändert fortführen. Bei der Rheumatoiden Arthritis, einer Autoimmunerkrankung, ist es entscheidend, den Entzündungsprozess zu stoppen.

Aus ayurvedischer Sicht entsteht sie unter anderem aufgrund von Unverdautem (Ama). Deshalb ist eine Ernährungsumstellung unumgänglich. Durch Anregung des Verdauungsfeuers mit scharfen Gewürzen und medizinschen Präparaten wie Trikatu (langer Pfeffer, schwarzer Pfeffer, Ingwer) wird dieses Ama reduziert. Die Ayurveda-Medizin wirkt dabei stark regulierend auf das Immunsystem, so dass Sie keine Verschlimmerung befürchten müssen. Außerdem kann die Ayurveda-Behandlung helfen, die Einnahme von schmerzstillenden und antientzündlichen Medikamenten zu reduzieren oder diese durch pflanzliche Mittel auszutauschen.

Ich bin weiblich, 55 Jahre alt und leide seit langer Zeit unter Schmerzen in beiden Händen. Manchmal sind sie richtig steif und tun weh. Zusätzlich leide ich unter Fibromyalgie und Schuppenflechte. Haben Sie einen Rat für mich, was ich selbst tun kann, um die Beschwerden zu lindern? 

KARTES-SIGWART: Für die Gelenk- und Fibromyalgiebeschwerden haben sich wärmende Öl-Massagen, Wickel mit Beinwell und Weißkohl bewährt. Empfehlenswert ist auch Bewegung ohne Belastung, da die dabei entstehende Gelenkschmiere das Gelenk ernährt. Geeignet sind dafür Bewegungsübungen in einer Schüssel mit warmem Sand. Bei der Ernährung sollten Sie darauf achten, warme, leicht verdauliche Speisen zu sich zu nehmen und Rohkost von Ihrem Speiseplan streichen.

Zudem empfehle ich die Einnahme von Präparaten, die Extrakte aus indischer Myrrhe beinhalten. Die Schuppenflechte ist eine systemische Erkrankung, die auch zu einer Gelenkentzündung führen kann. Ob dies bei Ihnen der Fall ist, sollte vom Rheumatologen abgeklärt werden.

Zur äußerlichen Behandlung der Haut empfehle ich die Einreibung mit ge- klärter Butter (Ghee). Bei dem komplexen Krankheitsgeschehen rate ich Ihnen zu ayurvedischen Ausleitungsmaßnahmen wie der Panchakarma-Behandlung, einer intensiven inneren Reinigung, mit ärztlicher Begleitung.

Von Sandra Köhler

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