Auch Kopfhörer können Probleme bereiten

Hörverlust kommt schleichend: Viele Jugendliche betroffen

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Schwerhörigkeit nehmen Betroffene selbst selten wahr: Der extrem laut gestellte Fernseher ist aber ein Indiz. Auch Kopfhörer können durch laute Beschallung zu Hörproblemen führen.

Plötzlich piept, pfeift und rauscht es im Ohr: An einer Hörstörung leiden nicht nur ältere Menschen – auch immer mehr Jugendliche klagen über Fehlhörigkeit. Doch woran liegt das?

Diese Fehlhörigkeit nennt man auch Dysakusis. Viele Menschen klagen auch über Tinnitus, also Geräuschen im Gehör. Das beobachtet der Kasseler HNO-Arzt Lutz-Michael Schäfer. Fragen und Antworten.

Hörprobleme: Über welche Beschwerden klagen Jugendliche?

Immer mehr Jugendliche klagen über einen Tinnitus, sagt HNO-Arzt Lutz-Michael Schäfer. Auch darüber, dass sie anders hören oder Druck auf den Ohren haben. „Hohe Töne gehen zuerst verloren“, sagt Schäfer. Das würden die Patienten jedoch nicht bemerken, sondern erst durch ein Druckgefühl spüren. Auch Wilhelm Dombrink, Hörgeräteakustikmeister und Geschäftsführer von Hess Hören beobachtet: „Die Kunden, die zu uns kommen, werden immer jünger:“

Woher kommen Hörprobleme?

„An der Dauerberieselung“, sagt Schäfer. Das menschliche Ohr könne zwar eine Menge wegstecken, „wird es aber für mehr als vier Stunden mit über 85 Dezibel beschallt, leiden die Hörzellen“. Berufsgenossenschaften etwa würden darauf achten, dass das Gehör nicht zu lange zu lauten Geräuschen ausgesetzt werde, sagt Schäfer. „In der Freizeit interessiert das aber niemanden mehr.“ Dann kämen, gerade bei Jugendlichen, häufig Kopfhörer zum Einsatz. „Wenigstens geht der Trend derzeit zu Kopfhörern. Die sind besser als Ohrstöpsel.“ Auch Leistungsdruck und Stress könnten ein Grund für Hörstörungen sein.

Wie merkt man, dass man schlechter hört?

„Der Hörverlust ist schleichend. Meist bemerkt man ihn nicht selbst als Betroffener, sondern das Umfeld wie etwa der Partner“, sagt Dombrink. Hinweise sollte man ernst nehmen, und einen Arzt aufsuchen, denn Hörstörungen können viele Ursachen haben, sagt Schäfer.

Wie gefährlich ist schlechtes Hören im Alltag?

„Sehr gefährlich“, sagt Schäfer. Den schlimmsten Fall habe er in seiner Zeit als Notarzt erlebt. „Ein Mann hatte die Straßenbahn überhört und wurde von ihr erfasst.“ Weil er schlecht hörte, habe er den Verkehrsfluss gar nicht mehr einschätzen können.

Wie geht es nach dem Arztbesuch weiter?

Der Akustiker mache zunächst Messungen, sagt Dombrink. Das Hörgerät könne der Patient dann erst testen, bevor er es kauft. Von den Krankenkassen gibt es Festbeträge, sei der Betrag des Hörgeräts höher, müsse der Patient die Kosten der Differenz selbst tragen. Schäfer rät, danach einmal im Jahr den HNO-Arzt und einmal im Jahr den Akustiker für eine regelmäßige Kontrolle aufzusuchen. Der HNO-Arzt betont: „Hörstörungen haben nicht unbedingt etwas mit dem Alter zu tun.“ Jugendliche sollten sich von Vorurteilen freimachen und sich frühzeitig versorgen lassen.

Wieso ist eine frühzeitige Versorgung so wichtig?

„Es kann zu einer Hörentwöhnung kommen“, sagt Schäfer. Denn das Gehirn lösche auch Töne, die der Mensch wegen seiner Hörprobleme nicht mehr wahrnehmen kann. „Die Patienten müssen sich dann erst wieder an das Hören gewöhnen.“

Von Christina Schröder

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