Ausschlag und hohe Temperatur

Dreitagefieber bei Kindern: Herpesviren sind der Auslöser

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Der Teddy ist manchmal die beste Medizin: Kinder zwischen sechs Monaten und zwei Jahren erkranken häufig am sogenannten Dreitagefieber, einer ansteckenden, aber meist harmlosen Virusinfektion.

Wenn ein Kind plötzlich hohes Fieber hat und sich später auch noch rötliche Flecken auf der Haut ausbreiten, handelt es sich vielleicht um Dreitagefieber. Doch wie gefährlich ist die Krankheit?

Wir haben mit Kinderarzt Georg Johann Witte aus Bad Hersfeld über die Viruserkrankung gesprochen, die typischerweise im Winter auftritt.

Dreitagefieber – was ist das genau?

Das sogenannte Dreitagefieber gehört zu den Kinderkrankheiten und ist laut Fachliteratur bereits Anfang des Jahrhunderts beschrieben worden. Es betrifft vor allem Säuglinge beziehungsweise Kleinkinder im Alter von sechs Monaten bis zwei Jahren. Der medizinische Fachbegriff lautet Exanthema subitum, im Volksmund ist auch von Sechster Krankheit die Rede.

Welche Symptome weisen auf die Erkrankungen hin?

Zum typischen Verlauf zählt plötzlich auftretendes, sehr hohes Fieber bis 40 Grad Celsius, das sich auch mit Hausmittelchen oder Zäpfchen nicht bekämpfen lässt. Nach etwa drei bis fünf Tagen fällt die Temperatur dann laut Georg Johann Witte zügig ab und es tritt der ebenfalls typische Hautausschlag auf. Daher auch der lateinische Begriff Exanthema (Ausschlag) subitum (plötzlich).

Typisches Symptom: Auf der Haut breiten sich rote Flecken aus, weshalb die Krankheit oft mit Masern oder Röteln verwechselt wird.

Auf der Haut breiten sich feine, hellrote Flecken aus – in der Regel beginnend am Rumpf und im Nacken, mitunter breiten sie sich aber auch im Gesicht, an den Armen oder Beinen aus. Verwechselt wird das Dreitagefieber deshalb manchmal mit Röteln oder Masern. In vielen Fällen verschwindet der Ausschlag genauso schnell wieder, wie er gekommen ist.

Manche Kinder haben zusätzliche Beschwerden wie Halsschmerzen mit Entzündung, Mandelbeschwerden, geschwollene Lymphknoten, geschwollene Augenlider oder sie leiden unter Erbrechen. „Durch das kontinuierliche hohe Fieber können außerdem sogenannte Fieberkrämpfe auftreten und Durchfall“, weiß der Kinderarzt. „Trotzdem sind die kleinen Patienten oft noch erstaunlich munter.“ Meist seien es eher die Eltern, die aus Sorge mehr litten als die betroffenen Kinder.

Sind die Symptome nicht besonders stark ausgeprägt, kann es andererseits sogar vorkommen, dass die Viruserkrankung unbemerkt bleibt.

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Dreitagefieber: Ansteckung über Viren

Welche Ursache liegt dem Dreitagefieber zugrunde?

Ausgelöst wird die Infektionskrankheit durch Herpesviren vom Typ 6 und Typ 7. Die bekannten Lippenbläschen hingegen werden vom HHV 1 verursacht (HHV steht für Humanes-Herpes-Virus), erklärt der Kinderarzt. Die Übertragung des Virus’ von Mensch zu Mensch erfolgt durch Tröpfchen über die Atemwege oder über den Speichel der Erkrankten. Die Inkubationszeit betrage etwa fünf bis 15 Tage.

Weiß, wie wichtig auch die Liebe und Zuneigung der Eltern für kranke Kinder ist: Kinderarzt Georg Johann Witte.

Kinder können immun werden: Wer einmal erkrankt war, ist anschließend vor einer erneuten Ansteckung geschützt, weshalb Erwachsene in der Regel nicht betroffen sind – ähnlich wie bei Windpocken.

Sollten Eltern in jedem Fall den Kinderarzt aufsuchen?

Das Dreitagefieber ist im Normalfall harmlos und klingt nach wenigen Tagen ohne Folgeschäden beziehungsweise Komplikationen wieder ab. Wenn das Fieber allerdings auch nach zwei Tagen und trotz „Hausmittelchen“ oder Zäpfchen nicht verschwindet, sollte der Kinderarzt aufgesucht werden. Ärztlich abgeklärt werden sollten außerdem Fieberkrämpfe, die beim Dreitagfieber vermehrt auftreten können und gerade von noch unerfahrenen Eltern als akut lebensbedrohlich empfunden würden. 

Witte rät in jedem Fall, Ruhe zu bewahren und sich und das Kind nicht unnötig zu stressen. Wer außerhalb der üblichen Sprechzeiten einen Arzt benötigt, erreicht unter der bundesweit einheitlichen Rufnummer 116 117 den ärztlichen Bereitschaftsdienst. Die Notaufnahmen der Krankenhäuser hingegen sollten wirklich nur im Notfall aufgesucht werden.

Die Diagnose Exanthema subitum erfolgt in der Regel über die typischen, bereits genannten Symptome. Ein Nachweis des Virus’ im Blut ist möglich, jedoch in der Regel nicht notwendig.

Gibt es ein Medikament gegen Dreitagefieber?

Ganz wichtig: Die erkrankten Kinder müssen ganz viel trinken.

Ein spezielles Medikament gibt es nicht. Behandelt werden die Symptome. So können zum Beispiel Ibuprofen und Paracetamol zur Fiebersenkung verabreicht werden, erklärt Georg Johann Witte. Oft würden Eltern auch nach antibiotischen Arzneien wie Penicillin fragen, berichtet der Kinderarzt. Diese würden allerdings zum einen nicht bei viralen Infekten eingesetzt, sondern nur bei bakteriellen. Zudem sollten Antibiotika ohnehin nur sparsam verschrieben werden, um Resistenzen zu vermeiden.

Generell ganz wichtig bei Fieber sei Flüssigkeit, um Austrocknung zu vermeiden. „Eltern sollten ihre kranken Kinder wirklich viel trinken lassen!“, betont Witte. Geeignet sind Wasser, Tee und verdünnte Säfte. Um dem Körper die Möglichkeit zu geben, Wärme über die Haut abgeben zu können, eignet sich besonders leichte Kleidung, je nach Umgebung reicht die Unterwäsche oder die Windel.

Diese Kinderkrankheiten sollten Eltern kennen

Neigen Kinder zu Fieberkrämpfen, sollten regelmäßig die Temperatur gemessen werden und Antikrampfmittel vorrätig sein, die es sowohl in Form von Zäpfchen als auch zum Schlucken gibt.

Impfung gegen Dreitagefieber gibt es nicht

Genauso wichtig für die Genesung sind laut Witte im Übrigen die Pflege und Liebe der Eltern. „Das funktioniert wie das Pusten nach einem Sturz“, so der Experte. Eine Impfung gegen das Dreitagefieber gibt es nicht.

Der Beitrag stammt von der Video-Plattform Glomex und wurde nicht von HNA.de erstellt.

Darf ein erkranktes Kind trotzdem in die Kita?

Aus Rücksicht auf die anderen Familien und die Mitarbeiter sollten an der ansteckenden Virusinfektion erkrankte Kinder nach Möglichkeiten nicht in die Krippe oder Kita gegeben werden. Eltern, die wie ihre Kinder gesetzlich krankenversichert sind, können sich in solchen Fällen bis zu zehn Tage pro Kind und pro Jahr freistellen lassen, Alleinerziehende auch länger, weiß Witte um die Probleme berufstätiger Eltern.

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