Schwerstarbeit auf der Intensivstation - RKH stellt sich auf Wandel ein

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Bereichsleitender Arzt der interdisziplinären Intensivstation des RKH: Lothar Gawlik

Über die Hälfte der Deutschen ist übergewichtig, jeder fünfte Bundesbürger ist sogar adipös. Insbesondere der Anteil der extrem Adipösen nimmt in Deutschland zu. Diese Entwicklung ist seit Jahren ungebrochen und stellt in vielen Bereichen eine große Herausforderung dar.

Auch die hochmoderne neue Intensivstation des Roten Kreuz Krankenhauses Kassel (RKH) stellt sich auf diesen Trend ein.

„Durch die Eröffnung unserer neuen Intensivstation im August 2012 haben wir am Roten Kreuz Krankenhaus die Möglichkeit, auch extrem adipösen Patienten gerecht zu werden“, berichtet Dr. med. Lothar Gawlik, Bereichsleitender Arzt der interdisziplinären Intensivstation des RKH. „Wir haben auf der gesamten neuen Intensivstation Betten, die für Patienten mit bis zu 210 Kilogramm Körpergewicht zugelassen sind. In Extremfällen können wir auch Patienten mit bis zu 386 Kilogramm behandeln. Dazu kommt ein deckenfixiertes Liftsystem zur Lagerung des Patienten, das in Kassel einmalig ist“, so der Facharzt für Innere Medizin mit dem Spezialgebiet Intensivmedizin.

Dabei werden bei der intensivmedizinischen Behandlung stark übergewichtiger Patienten nicht nur Spezialbetten benötigt: Zusätzlich sind unter anderem auch OP- und CT-Tische, Mobilisationsstühle der Physiotherapie für schwergewichtige Patienten ausgelegt. Aber nicht nur die Einrichtung der hochmodernen Intensivstation wurde auf die speziellen Bedürfnisse ausgerichtet: „Da die Betreuung, Lagerung und Mobilisation extrem adipöser Patienten sehr aufwendig ist, planen wir mehr Pflegeaufwand ein, was sich im pflegerischen Stellenschlüssel widerspiegelt“, erklärt Dr. Gawlik.

Und dabei ist es oft nicht verwunderlich, dass gerade stark adipöse Patienten auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Viele Erkrankungen, die einen Aufenthalt auf einer Intensivstation erforderlich machen, stehen in Zusammenhang mit dem extremen Körpergewicht: Koronare Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Schlaganfälle, Herzrhythmusstörungen und Diabetes Typ 2. „ Die Patienten leiden dann oft nicht nur an einer sondern an mehreren dieser Erkrankungen. Wir nennen das Polymorbidität“, erklärt der Leiter der Intensivstation.

So sind besonders häufig schwergewichtige Patienten auf der Intensivstation anzutreffen. Und diese bleiben im Durchschnitt auch länger dort. Denn wissenschaftliche Studien zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen Adipositas und der Länge des Aufenthalts auf einer Intensivstation gibt. „Die Ursachen sind zum Beispiel erschwerte Beatmungsbedingungen und auch die Entwöhnung vom Beatmungsgerät“, so der Experte.

Neuer Leiter der Intensivstation

Dr. med. Lothar Gawlik, geboren in Kassel, studierte an der Universität Göttingen Humanmedizin und promovierte 1997. Er ist Facharzt für Innere Medizin mit Spezialgebiet Intensivmedizin sowie Facharzt für Allgemeinmedizin und besitzt die Qualifikation Notfallmedizin bzw. Leitender Notarzt. Seine fachärztliche Ausbildung absolvierte er unter anderem an den Asklepios Kliniken Schwalm-Eder. Als Fach- bzw. Oberarzt war Dr. med. Lothar Gawlik für das britische Gesundheitssystem NHS Durham/England, das Spital Grabs/Schweiz sowie zuletzt für die Universität Göttingen, Abteilung Anaesthesiologie, tätig. Seit September 2012 ist Dr. med. Lothar Gawlik Bereichsleitender Arzt der interdisziplinären Intensivstation des Roten Kreuz Krankenhaus Kassel. (nh)

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