Medikamente lindern Entzündungen in Gelenken, Bewegung erhält deren Funktion

Rheuma früh behandeln

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Typisch für Gelenkrheuma: Schwellungen und Schmerzen in den Fingergelenken.

Bei mir wurde vor Kurzem Gelenkrheuma festgestellt, ich habe Schmerzen und kann mich im Moment kaum bewegen. Ich bin jetzt 40 Jahre alt. Mein Arzt sagt, die Erkrankung ist nicht heilbar. Wie soll ich jetzt damit umgehen?“, fragt eine Leserin aus Kassel.

Wulf-Dieter Behnert

Antworten hat Wulf-Dieter Behnert, Leiter der Internistischen Rheumatologie der Vitos Orthopädischen Klinik Kassel und dort niedergelassener Internist und Rheumatologe.

„Es ist wichtig, dass Gelenkrheuma – in der Fachsprache rheumatoide Arthritis oder chronische Polyarthritis – früh erkannt und behandelt wird“, sagt Behnert. Denn die Entzündung in den Gelenken kann Knorpel und Knochen sowie Muskeln und Bänder schädigen. Außerdem kann sie andere Organe befallen.

„Gelenkrheuma, das in Schüben verläuft, ist zwar nicht heilbar, aber das Fortschreiten der Entzündung und damit auch eine Gelenkzerstörung kann verhindert werden“, sagt der Rheumatologe. Eine wichtige Rolle spielten dabei Medikamente. Grundsätzlich werde Gelenkrheuma mit drei Medikamentengruppen behandelt. „Kortison ist das schnellste und effektivste Medikament zur Hemmung der Entzündung“, sagt Behnert. Weiter würden kortisonfreie Rheumaschmerzmittel eingesetzt, die auch entzündungshemmend wirkten, sowie langfristig wirkende Präparate (Basismedikamente).

Wichtig sei, für jeden Patienten eine optimale Kombination zu finden. Behnert: „Bei den meisten Patienten nehmen diese Medikamente die Schmerzen, führen zu mehr Beweglichkeit und erhöhen die Lebensqualität.“

Wenn die traditionelle Rheumatherapie nicht hilft oder die Erkrankung sehr aggressiv verläuft, dürfen laut Behnert auch sogenannte Biologika eingesetzt werden. „Diese Medikamente blockieren gezielt körpereigene Entzündungsstoffe“, sagt der Rheumaexperte.

Ebenso wichtig ist eine regelmäßige Bewegung, um die Funktion der Gelenke zu erhalten. Behnert zufolge übernehmen Krankenkassen außer gezielter Krankengymnastik auch Gruppentherapien wie Reha-Sport-Anwendungen oder Funktionstraining, das die Selbsthilfegruppen der Deutschen Rheumaliga anbieten. Auch selbst könne jeder Patient mit gelenkschonenden Sportarten zur Erhaltung der Gelenkfunktion beitragen. Gut geeignet seien beispielsweise Schwimmen, Radfahren und Wandern.

Bei der Behandlung arbeiten die Rheumatologen laut Behnert mit Hausärzten und Orthopäden zusammen. „Die Erstversorgung mit Medikamenten kann bei sicherer Diagnose auch ein geschulter Hausarzt oder Orthopäde übernehmen“, sagt Behnert. Müssen für die Behandlung Medikamente kombiniert werden, sollte dies in den Händen eines Rheumatologen liegen. In Kassel gebe es derzeit drei internistische Rheumatologen, die jedoch für die Versorgung von Rheumapatienten aus ganz Nordhessen zuständig seien. Zur Person

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