Der beste Corona-Schutz

Warum uns eine jährliche Corona-Auffrischung erwartet und wie lange die Impfung wirklich schützt

Die dritte Covid-Impfung wird „mit hoher Wahrscheinlichkeit nötig“ – so ein Experte. Vor allem, weil die Schutzwirkung einer Impfung nicht auf Dauer anhält.

Neue Studienergebnisse legen nahe: Die Schutzwirkung der Corona-Impfung hält nicht über Jahre an. Die Impfstoffhersteller Pfizer und Biontech gehen von einem Rückgang der Schutzwirkung des gemeinsamen Coronavakzins nach einem halben Jahr aus, wie das Ärzteblatt informiert. In einer Mitteilung des Biotechnologieunternehmens Biontech heißt es: „Wie anhand der vom israelischen Gesundheitsministerium erhobenen Daten aus der praktischen An­wen­dung bereits deutlich wurde, sinkt die Schutzwirkung des Impfstoffs gegenüber Infektionen und sympto­matischen Erkrankungen sechs Monate nach der zweiten Impfung“. Auf Basis der bisher vorliegenden Daten sei es wahrscheinlich, „dass eine dritte Dosis innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach der vollständigen Impfung erforderlich sein wird“, heißt es weiter.

Auch Virenexperte Professor Dr. Dr. Franz-Xaver Reichl von der Ludwig-Maximilians-Universität München warnt vor dieser Problematik im Interview mit der Ippen-Zentralredaktion: „Israelische Studien besagen, dass nach der zweiten Impfung ein Immunschutz so etwa sechs Monate bis maximal zwölf Monate anhält“, so Mikrobiologe Reichl. Um den schwindenden Impfschutz wieder aufzufrischen, würde eine Boosterimpfung nötig werden.

Prof. Franz-Xaver Reichl ist Beauftragter für die Biologische Sicherheit von Bakterien und Viren an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Mehr Interviews mit Professor Reichl: Corona-Inzidenz steigt trotz steigender Impfquote: Experte erklärt, warum – und sieht nur einen Ausweg und Wie gut schützt die Corona-Impfung gegen Delta? Viren-Experte im Interview: „Das sind immer noch ausgezeichnete Werte“

Boosterimpfung: Auffrischimpfung jedes Jahr aufs Neue?

Um die Schutzwirkung einer mRNA-Corona-Impfung von Biontech/Pfizer oder Moderna aufrechtzuerhalten, reicht Reichl zufolge eine Impfstoffdosis zur Auffrischung. Bei den Einmal-Impfungen wie im Fall des Johnson & Johnson-Präparats werde noch erforscht, ob und wann eine zweite Impfung nötig wird. Doch wie lange hält eine Boosterimpfung überhaupt an? „Darüber gibt es die ersten Untersuchungen von Biontech“, so Toxikologe Reichl. Die Firma erprobe aktuell an Freiwilligen, wie sich die dritte Impfung auswirkt: „Wie lange dann der Schutz nach der dritten Impfung ist, ist noch völlig unbekannt. Aber man geht davon aus, dass er dann wieder etwa ein halbes Jahr bis Jahr geht. Im Endeffekt wird es wahrscheinlich so rauslaufen, dass dann jedes Jahr eine Auffrischungsimpfung erfolgt, ähnlich einer Influenza-Impfung“.

Auch in Hinblick auf Corona-Mutationen werden Auffrischungsimpfungen in der Zukunft eine tragende Rolle spielen, so die Annahme vieler Mediziner. Reichl zufolge wirken die mRNA-Impfstoffe noch relativ gut gegen die aktuell ansteckendste Delta-Variante. Der Impfschutz liegt hier bei über 90 Prozent. „Aber die mRNA-Impfstoffe sind auch schon in der Entwicklung für Varianten, die eine höhere Wirksamkeit erlangen können. Angepasst können die mRNA-Impfstoffe relativ schnell“. (jg)

Mehr Quellen: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/125447/; https://investors.biontech.de/news-releases/

Weiterlesen: „Russische Grippe“ in den 70ern: Diese Ähnlichkeit gibt es zur Coronavirus-Pandemie

Der lebensrettende Pieks: Diese Risikogruppen sollten sich gegen Grippe impfen lassen

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin gibt Empfehlungen ab, welche Menschen sich impfen lassen sollten. Gehören Sie auch zur Risikogruppe? (Stand: Juli 2013) © dpa
Das Immunsystem älterer Menschen reagiert zwar weniger stark auf die Impfung, dennoch empfehlen die Experten das Serum. Im Falle einer Erkrankung fallen die Symptome schwächer aus. Da für Menschen über 60 Jahre ein erhöhtes Risiko für schwere oder gar tödliche Komplikationen besteht, ist die Impfung dringend angebracht. © dpa
Wie bei älteren Menschen besteht auch bei Schwangeren ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Daher raten die Gesundheitsexperten auch werdenden Müttern ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zur Impfung. Schwangere, die bereits an einer Grunderkrankung leiden, können sich nach Absprache mit dem Arzt auch schon früher pieksen lassen. © dpa
Erwachsene und Kinder, die an einer chronischen Erkrankung wie beispielsweise Asthma leiden, gehören ebenfalls zu den Risikogruppen. © fkn, Mundipharma
Auch Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck wird die Grippe-Impfung nahe gelegt. © dpa
Kinder dürfen frühestens ab einem Alter von sechs Monaten gegen die Grippe geimpft werden. © dpa
Wer an chronischen Stoffwechsel-Erkrankungen wie Zucker (Diabetes Mellitus), an chronischen Nierenerkrankungen, Blutarmut (Anämie), an angeborenen oder erworbenen Immunstörungen wie Abwehrschwäche nach Organtransplantationen, bei Chemotherapien oder HIV-Infektionen leidet, sollte sich die Grippe-Impfung nicht entgehen lassen. © dpa
Ebenso Menschen mit chronisch neurologischen Krankheiten wie beispielsweise Multipler Sklerose gehören zu den Risikogruppen. © dpa
Mitarbeiter in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Arztpraxen oder Angestellte in Einrichtungen mit erhöhtem Publikumsverkehr laufen Gefahr, durch ihre Arbeit sich selbst oder andere anzustecken - die Grippe-Impfung ist daher eigentlich Pflicht. © dpa
Die Bewohner von Pflege- und Altenheimen sind ebenfalls besonders gefährdet. © dpa
Urlauber ab 60 Jahren oder chronisch Kranke, die verreisen wollen, sollten sich spätestens zwei Wochen vor der Abreise pieksen lassen. © dpa
Menschen, die häufig mit Geflügel, auch mit Wildvögeln in Berührung kommen, zählen auch als Risikogruppe. © dpa
NICHT impfen lassen dürfen sich Menschen, die allergisch reagieren auf Hühnereiweiß. Der Impfstoff wird in Hühnereiern gezüchtet. Wer aktuell unter Fieber leidet, sollte mit der Imfpung warten, bis die Erkrankung abgeklungen ist.
Die meisten Krankenkassen in Deutschland übernehmen freiwillig die Kosten für die saisonale Grippeimpfung. Über-60-Jährige und chronisch Kranke müssen in der Regel nichts bezahlen. © dpa

Rubriklistenbild: © Marcus Schlaf

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