Erkrankung des Abwehrsystems kann Organe, Gelenke und Muskeln zerstören

Lupus erythematodes: Kampf gegen den eigenen Körper

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Kopf- und Gelenkschmerzen, Fieber und Abgeschlagenheit können Symptome für Lupus erythematodes sein.

Kassel. Fieber, Abgeschlagenheit, Gelenkschmerzen - die meisten Menschen kennen diese Symptome, beispielsweise von einer Grippe. Sie können aber auch Anzeichen für eine seltene Erkrankung des Immunsystems sein, den systemischen Lupus erythematodes (SLE).

Dabei richtet sich das Abwehrsystem gegen den eigenen Körper. Entzündungen der Haut, der inneren Organe wie Lungen, Herz und Nieren, des Muskel- und Nervensystems sowie der Gelenke und Gefäße können die Folge sein. Schätzungen zufolge leiden in Deutschland etwa 40.000 Menschen darunter, vor allem junge Frauen im gebärfähigen Alter.

Dieses Schicksal traf auch eine 35-jährige, zweifache Mutter aus Kassel. „Sie kam mit Migräne und unspezifischen Gelenkschmerzen zu uns“, berichtet Dr. Andreas Böger, Chefarzt der Klinik für Schmerztherapie des Roten Kreuz Krankenhauses Kassel. Da die berufstätige Frau besonders unter den Schmerzen litt, wandte sie sich an den Schmerzspezialisten.

Erhöhte Entzündungswerte

Das für die Erkrankung typische Schmetterlingserythem, eine symmetrische, rötliche Färbung der Wangen, lag bei der 35-Jährigen nicht vor. Allerdings stellte Böger erhöhte Entzündungswerte im Blut fest. „Da die Frau gleichzeitig unter schweren Gelenkschmerzen litt, hatten wir den Verdacht, dass es sich um eine rheumatische Erkrankung handeln könnte“, sagt er. In Zusammenarbeit mit einem Rheumatologen wurde dann die Diagnose Lupus erythematodes gestellt.

Die Erkrankung kann in schweren Schüben verlaufen. Früher führte diese Verlaufsform durch die schnelle Entzündung von Muskeln, Gelenken, Hirn, Herz, Haut und Nieren häufig zum Tod. Heute ist dies dank moderner Behandlungsmethoden sehr selten geworden. Der SLE verläuft milder und mit weniger Krankheitszeichen. Er kann schleichend und schubweise auftreten.

Bisher ist der Lupus nicht heilbar. Die Überlebensrate nach fünf Jahren beträgt heute zwischen 50 und 95 Prozent. Etwa 25 von 100.000 Menschen erkranken jedes Jahr daran.

„Wichtig ist, dass bei der Diagnose und der Behandlung Rheumatologen, Schmerztherapeuten und Neurologen eng zusammenarbeiten“, sagt Böger. Je früher die Diagnose gestellt werde, desto früher könne auch eine gezielte Therapie erfolgen.

Medikamente und Physiotherapie

Die besteht in der Regel aus drei Säulen: Gegen die Entzündung werden entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Um Gelenke und Muskeln in Schuss zu halten, ist gleichzeitig eine Physiotherapie wichtig. Da die Entzündungen und Schmerzen immer wieder auftreten können, ist laut Böger zudem eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll, die beispielsweise Entspannungsübungen beinhaltet.

Nach der Diagnose sollte dem Schmerzspezialisten zufolge im Idealfall eine zwei- bis dreiwöchige Intensiv-Therapie in enger Zusammenarbeit der drei Fachgebiete erfolgen, die anschließend je nach Ausprägung der Erkrankung ambulant weitergeführt werde. Bei der 35-jährigen Kasselerin habe man die Erkrankung auf diese Weise gut in den Griff bekommen. (mkx)

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