Bußgeld-Zwang?

Keine Impfung, keine Kita: Damit müssen Eltern künftig rechnen

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Gibt es bald eine Impfpflicht? Wenn es nach dem Bundesgesundheitsministerium ginge, dann sollten bald ungeimpfte Kinder nicht mehr in Kitas oder Schulen dürfen.

Impfen scheint in Deutschland gerade zur Glaubensfrage zu werden. Nun schaltet sich sogar der Bundesgesundheitsminister ein. Mit einer kontroversen Regelung.

Ist es ein Eingriff in die Privatsphäre von Familien – oder ein notwendiger Schritt in Richtung Krankheitsprävention? Impfen wird zurzeit bei Eltern wie in der Bundesregierung heiß diskutiert.

Der Grund dafür: Bekannte Kinderkrankheiten wie Mumps oder Masern haben sich in den vergangenen Wochen rasant ausgebreitet. Deshalb hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) nun reagiert – und hat vor, die Impfberatung zunehmend zu verschärfen.

Bundesgesundheitsministerium: Impfprävention verschärft - notfalls mit Bußgeld

Das heißt konkret: Wer seine Kinder in der Kita nicht impfen lässt, der wird prompt von den Erziehern beim Gesundheitsamt gemeldet. Die Eltern sollen dann bei "hartnäckiger Verweigerung" abgestraft werden – und müssen Bußgelder zahlen. Das bestätigte das Ministerium jetzt gegenüber der "Ärzte Zeitung".

Im Sommer soll die neue Regelung bereits in Kraft treten. Im Jahr 2015 wurden schon erste Anstrengungen in Richtung Impfprävention unternommen. Damals wurde das Präventionsgesetz verabschiedet, das Eltern dazu veranlasst, ihre Kinder vor der Aufnahme in eine Kita zu einer ärztlichen Impfberatung zu schicken.

Impflücken immer noch zu groß - weniger Masernimpfungen in 2017

Die neue Regelung soll das Gesetz noch verstärken. Denn laut Gröhe seien die "Impflücken noch immer zu groß". Besonders, was die Masern-Impfung angeht. So sollen 2017 bereits 410 Fälle dem Bundesministerium gemeldet worden sein. 2016 waren es noch 325 Fälle. "Die Masernimpfung erfolgt häufig zu spät", kritisiert es.

So seien laut „Ärzte Zeitung“ nur etwa 73 Prozent des Geburtenjahrgangs von 2013 zu Beginn ihres dritten Lebensjahres gemäß Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) zweimal gegen Masern geimpft gewesen.

Daher haben nun die Gesundheitsämter mit der Regelung die Möglichkeit, auf Eltern zuzugehen und ärztliche Impfberatungen notfalls mit Bußgeldern durchzusetzen.

Werden ungeimpfte Kinder bald aus Kita und Schulen verwiesen?

Auch wenn nach diesen Schritten eine baldige Impfpflicht für Kleinkinder denkbar wäre, hält sich das Bundesministerium zu weiteren Plänen noch bedeckt. Doch wenn es nach Gröhe ginge, wäre es vielleicht bald möglich, ungeimpfte Kinder oder Erwachsene von der Kita oder der Schule auszuschließen. Mit der Begründung, dass so eine Verbreitung von Masern & Co. verhindert werde.

Und damit steht Gröhe nicht alleine da – laut der "Ärzte Zeitung" soll auch die Kassenärztliche Vereinigung Hessen bereits lautstark eine Impfpflicht gefordert haben. Sie glaubt, dass ohne diese gefährliche Infektionskrankheiten nicht zu bekämpfen seien. Ihre kontroverse Lösung: Notfalls solle man Impfverweigerern sogar mit Einbußen im Kindergeld drohen.

Von Jasmin Pospiech

Der lebensrettende Pieks: Diese Risikogruppen sollten sich gegen Grippe impfen lassen

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin gibt Empfehlungen ab, welche Menschen sich impfen lassen sollten. Gehören Sie auch zur Risikogruppe? (Stand: Juli 2013) © dpa
Das Immunsystem älterer Menschen reagiert zwar weniger stark auf die Impfung, dennoch empfehlen die Experten das Serum. Im Falle einer Erkrankung fallen die Symptome schwächer aus. Da für Menschen über 60 Jahre ein erhöhtes Risiko für schwere oder gar tödliche Komplikationen besteht, ist die Impfung dringend angebracht. © dpa
Wie bei älteren Menschen besteht auch bei Schwangeren ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe. Daher raten die Gesundheitsexperten auch werdenden Müttern ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zur Impfung. Schwangere, die bereits an einer Grunderkrankung leiden, können sich nach Absprache mit dem Arzt auch schon früher pieksen lassen. © dpa
Erwachsene und Kinder, die an einer chronischen Erkrankung wie beispielsweise Asthma leiden, gehören ebenfalls zu den Risikogruppen. © fkn, Mundipharma
Auch Menschen mit chronischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Bluthochdruck wird die Grippe-Impfung nahe gelegt. © dpa
Kinder dürfen frühestens ab einem Alter von sechs Monaten gegen die Grippe geimpft werden. © dpa
Wer an chronischen Stoffwechsel-Erkrankungen wie Zucker (Diabetes Mellitus), an chronischen Nierenerkrankungen, Blutarmut (Anämie), an angeborenen oder erworbenen Immunstörungen wie Abwehrschwäche nach Organtransplantationen, bei Chemotherapien oder HIV-Infektionen leidet, sollte sich die Grippe-Impfung nicht entgehen lassen. © dpa
Ebenso Menschen mit chronisch neurologischen Krankheiten wie beispielsweise Multipler Sklerose gehören zu den Risikogruppen. © dpa
Mitarbeiter in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Arztpraxen oder Angestellte in Einrichtungen mit erhöhtem Publikumsverkehr laufen Gefahr, durch ihre Arbeit sich selbst oder andere anzustecken - die Grippe-Impfung ist daher eigentlich Pflicht. © dpa
Die Bewohner von Pflege- und Altenheimen sind ebenfalls besonders gefährdet. © dpa
Urlauber ab 60 Jahren oder chronisch Kranke, die verreisen wollen, sollten sich spätestens zwei Wochen vor der Abreise pieksen lassen. © dpa
Menschen, die häufig mit Geflügel, auch mit Wildvögeln in Berührung kommen, zählen auch als Risikogruppe. © dpa
NICHT impfen lassen dürfen sich Menschen, die allergisch reagieren auf Hühnereiweiß. Der Impfstoff wird in Hühnereiern gezüchtet. Wer aktuell unter Fieber leidet, sollte mit der Imfpung warten, bis die Erkrankung abgeklungen ist. © 
Die meisten Krankenkassen in Deutschland übernehmen freiwillig die Kosten für die saisonale Grippeimpfung. Über-60-Jährige und chronisch Kranke müssen in der Regel nichts bezahlen. © dpa

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