Mehr Platz im Kieferraum bringt Erholung

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Chefarzt der Klinik für Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie: Professor Dr. Dr. Hendrik Terheyden. Foto: privat

Lautstarkes Schnarchen und Atemaussetzer zeichnen die Schlaf-Apnoe aus – sie bringt Betroffene und Ehepartner um den Schlaf.

Weitgehend unbekannt ist, dass Fehlstellungen des Kieferapparates eine Schlaf-Apnoe fördern können – doch ein operatives Verfahren sorgt für Abhilfe.

Als gängige Therapie für die Schlaf-Apnoe erhalten Patienten meist eine mechanische Überdruck-Atemmaske. Verursacht jedoch ein zu weit zurückliegender Unterkiefer die Apnoe, beseitigt die Maske nicht die Ursache, weiß Professor Hendrik Terheyden, Chefarzt der Klinik für Mund-Kiefer- und Gesichtschirurgie am Roten Kreuz Krankenhaus Kassel. Denn der Rückbiss des Unterkiefers kann im Schlaf bei tiefer Entspannung das Weichgewebe nach hinten aufstauchen und die Atemwege verlegen, sodass es zu den typischen Atemaussetzern kommt.

In vielen Fällen kann der Unterkiefer in Zusammenarbeit mit einem Schlafmediziner und einem Zahnarzt durch eine Schnarcherschiene im Schlaf vorverlagert werden. Wenn aber eine Kombination von einer Kieferfehlstellung, einer so genannten Dysgnathie, und einer Schlaf-Apnoe besteht, sollte an einen Kieferchirurgen überwiesen werden. Er hilft mit einer operativen Kiefervorverlagerung. Sie empfiehlt sich umso mehr, je jünger der Patient ist.

In einer Operation verlegt Terheyden den Unterkiefer oder häufiger auch beide Kiefer mittels kleiner Metallplatten und Schrauben um zirka einen Zentimeter nach vorn. So schafft er Platz für das weichteilige Gewebe und weitet die Luftwege. Voraussetzung ist eine schlafmedizinische Diagnostik in einem Schlaflabor.

Sobald sich der Kieferknochen stabilisiert hat, kann Terheyden in einer Anschlussbehandlung nach etwa einem halben Jahr die kleinen Metallteile entfernen. „Der Patient kann sich tagsüber besser konzentrieren und der Schlaf wird wieder erholsam. Mit zunehmendem Lebensalter leiden bis zu rund zehn Prozent der Männer, aber auch viele Frauen an Schlaf-Apnoe“, schätzt Terheyden. Schlaf-Apnoen und das damit verbundene Schnarchen stören nicht nur den Schlaf des Partners, sondern vor allem den eigenen. Sie führen zu Atemaussetzern während des Schlafs, wodurch auch der Blutdruck auf Dauer ansteigt. Folglich kann sich der Körper in der nächtlichen Ruhephase nicht mehr richtig erholen, es drohen Konzentrationsschwierigkeiten, eine bleierne Müdigkeit am Tage, Sekundenschlaf und sogar ein Herzinfarkt. (nh)

www.rkh-kassel.de

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