Sie killen Fett und bauen Muskeln

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Proteine stehen hoch im Kurs. Sie werden unter anderem als Top-Muskelmacher und neuer Stern am Diät-Himmel bezeichnet. Was dahinter steckt, wollten wir von Ingo Schmidt-Dietrich aus Kassel wissen.

Herr Schmidt-Dietrich, was ist so toll an Proteinen?

Ingo Schmidt-Dietrich: Sie eignen sich hervorragend für eine erfolgreiche Diät, bei der man sich satt essen kann, wenn gewisse Regeln beachtet werden. Eiweißreiche Nahrung wie Geflügel, Fisch, Buttermilch und Joghurt sättigen besonders lang, ohne kalorienreich oder fett zu sein. Außerdem belegen viele Studien, dass eine proteinreiche Kost hilft, nach einer Diät schlank zu bleiben. Der Jo-Jo-Effekt, das schnelle Zunehmen nach dem Ende der Diät, wird verhindert.

Zu schön, um wahr zu sein. Ist denn das Motto „je mehr, desto besser“ hier angebracht?

Schmidt-Dietrich: Nein, im Gegenteil. Wer ständig zu viele Proteine zu sich nimmt, riskiert, dass er durch vemehrten Muskelaufbau zu- statt abnimmt. Zudem kann das die Nieren belasten und zu Erkrankungen führen. Eine gesteigerte Flüssigkeitszufuhr ist essenziell, da bei der Verwertung von überschüssigem Eiweiß Harnsäure entsteht, die ausgespült werden muss.

Kann ich einfach loslegen mit einer solchen Protein-Diät?

Schmidt-Dietrich: Nein, das ist nicht empfehlenswert. Vor der Diät sollte eine medizinische Untersuchung stattfinden, um gesundheitliche Risiken auszuschließen. Auch die Diät an sich sollte unter medizinischer Aufsicht erfolgen. Wichtig: Das Ganze funktioniert nur in Verbindung mit einem angemessenen Sportprogramm. Wer sich nicht bewegt, wird allein durch die Ernährungsumstellung nicht abnehmen.

Wie haben Proteine den Diät-Markt verändert?

Schmidt-Dietrich: Die sogenannten Low-Carb-Diäten sind sehr beliebt. Die Zufuhr von Kohlenhydraten wird durch eine erhöhte Proteinzufuhr reduziert. Das führt zu einer figurbewussten Ernährung. Da die Protein-Diät dem Körper fast keinen Zucker und kein Fett zuführt, wird er gezwungen, seine angesammelten Fettreserven anzuzapfen. Daher werden Proteine gern als Fettkiller bezeichnet.

Was außer Fettkillen können Proteine noch?

Schmidt-Dietrich: Hochwertige Proteine bauen die Muskulatur rascher auf, schützen vor Verletzungen und beschleunigen die Regeneration. Am besten sind tierische Proteine, deren Struktur dem Körperprotein sehr ähnlich ist. Sie sind zum Beispiel in Eiern, Milch, Fisch und Fleisch enthalten. Optimal versorgt sind die Muskeln jedoch, wenn man tierische und pflanzliche Lebensmittel geschickt kombiniert.

Wie sieht also ein gesunder Speiseplan aus?

Schmidt-Dietrich: Der goldene Grundsatz heißt Abwechslung und Maß halten. Generell gilt: fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag. Zweimal pro Woche sollte Fisch auf dem Speiseplan stehen.

Hintergrund

Proteine stecken in jeder Zelle unseres Körpers: Neben Wasser und Fett sind Proteine der wichtigste Bestandteil unseres Körpers. Sie bestimmen Bau, Funktion und Stoffwechsel aller Gewebe. Sie stecken in jeder Zelle und sind an der Bildung sowie der Erhaltung von Körpermasse beteiligt.

Über Aminosäuren steuern Proteine sämtliche Prozesse in unserem Körper. Die essenziellen Aminosäuren, die lebenswichtig sind, müssen wir über die Ernährung zuführen.

Es gibt unterschiedliche Arten von Proteinen: Strukturproteine, zum Beispiel Kollagen, geben dem Körper Festigkeit und Formbeständigkeit. Bewegungsproteine, zum Beispiel Myosin, sorgen für das Zusammenziehen der Muskeln. Transportproteine, zum Beispiel Hämoglobin, transportieren Sauerstoff. Speicherproteine, zum Beispiel Ferritin, speichern Eisen.

Des Weiteren haben Proteine die Aufgabe, Antikörper in der Immunabwehr zu bilden und Nervenimpulse zu übertragen. (ehu)

Von Esther Husung

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