Bei Kindern gibt es typische Unfälle und Verletzungen – Schnelle Behandlung nötig

ABC der Kinder-Notfälle

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Vorsicht: Dr. Carsten Bismarck, Chefarzt der Chirurgie am Fritzlarer Krankhaus, rät bei Kopfverletzungen zur schnellen Behandlung.

Fritzlar. Die Mutter hält das Kind an der Hand, das Kleine fällt hin – eine typische Situation für Eltern mit kleinen Kindern. Was viele nicht wissen: Gibt es einen Ruck und damit eine starke Zugbelastung auf den Arm, kann das Kind sich das Speichenköpfchen im Bereich des Ellenbogens ausrenken. Das kann auch passieren, wenn das Kind beim Klettern ausrutscht, sich nur mit einer Hand festhalten kann oder wenn das Kind an einer Hand vom Boden hochgezogen wird.

Die Verletzung gehört zu den häufigsten Kinderunfällen, die in der Unfallambulanz behandelt werden. „Die Kinder haben Schmerzen wie verrückt, halten den Arm gestreckt und nach außen gedreht“, beschreibt Unfallchirurgin Sylka Bachmann, Oberärztin im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar, die Symptome der von den Medizinern als „Chassaignac-Lähmung“ bezeichneten Verletzung. Ist das Speichenköpfchen wieder eingerenkt worden, lassen die Schmerzen sofort nach und der Arm kann wieder bewegt werden.

Weniger harmlos sind Kopfverletzungen, da die Gefahr einer Hirnblutung besteht. „Es ist nicht selten, dass Kinder vom Wickeltisch stürzen“, berichtete Dr. Carsten Bismarck, Chefarzt der Chirurgie im Fritzlarer Hospital, aus dem Alltag in der Ambulanz. Häufig hätten die Eltern Sorge, in die Klink zu kommen, weil sie sich schämten.

„Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig den Arzt fragen.“

Im Interesse des Kindes sei es aber wichtig, das Kind untersuchen zu lassen. Erbrechen, veränderte Pupillenreaktionen, Kopfschmerzen und Müdigkeit könnten Symptome eines steigenden Hirndrucks sein. Eine sofortige Behandlung sei nötig.

Das gleiche gelte für einen weiteren Klassiker der Kinderunfälle: den Fahrradsturz, bei dem das Kind Prellungen durch den Lenker im Bereich des Bauches erleidet. Klagt es über Bauchschmerzen oder hat es dort Prellmarken, sollte es von einem Arzt untersucht werden. Denn Verletzungen von Milz, Leber oder Darm sollten frühzeitig entdeckt werden. „Diese Verletzungen bleiben oft zunächst unbemerkt, entwickeln aber eine rasante Dramatik. Das Kind wird bewusstlos und kann innerlich verbluten,“ erklärt Dr. Bismarck. Im Ultraschall könne Flüssigkeit im Bauch erkannt werden. Manchmal werde eine kleine Stelle im Darm verletzt, aus der Darminhalt in die Bauchhöhle austrete, was sich in steigenden Entzündungswerten bei einer Blutuntersuchung zeige. Unbehandelt könne das tödlich enden.

Prinzipiell rät Chefarzt Bismarck: „Eltern sollten keine Angst haben, mit dem Kind zum Arzt zu gehen“. In der Regel werden Eltern nicht verdächtigt, etwas falsch gemacht zu haben. Wichtig sei die schnelle Behandlung. „Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig den Arzt fragen.“

Von Bettina Mangold

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