Kleiner Biss, große Folgen

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Sie lauern wieder: Zecken werden im Frühjahr wieder aktiv.

Bereits vor Jahrzehnten, als sie noch Schülerin war, wurde Irene Voget-Schmiz von einer Zecke gebissen. Heute geht die Bad Arolserin davon aus, dass sie schon damals mit dem bis dahin noch weitgehend unbeachteten Borreliose-Virus infiziert wurde.

An die Situation kann sie sich noch ganz genau erinnern. „Wie sich aus dem kleinen Punkt eine so genannte Wanderröte entwickelte, die einige Tage anhielt.“ Jedoch erst vier Jahrzehnte später wurde die endgültige Diagnose gestellt. Bis dahin sei es ein langer Weg gewesen. „Immer wieder wurden verschiedene Krankheiten festgestellt und Operationen durchgeführt, weil ich unter einer Anhäufung von Geschwulstbildungen und Entzündungen litt“, sagt sie.

Zwischendurch gab es ruhige, schmerzfreie Phasen, die mal kürzer und mal länger gewesen sind. „Als ich dann 1998 nach einem Unfall einen komplizierten Bruch erlitten hatte, der wieder eine Operation erforderlich werden ließ, wurde ein neuer heftiger Krankheitsschub ausgelöst.“ Anschließend begann für sie eine Odyssee von Arztbesuchen und Laboruntersuchungen. Aufgrund der unterschiedlichen Symptome sei sogar anfangs der Verdacht auf eine beginnende Parkinsonerkrankung gerichtet worden. Auch auf Rheuma wurde getippt.

Von Arzt zu Arzt sei sie gegangen, bis dann ein Orthopäde schließlich die Krankheit im Jahr 2001 feststellte. „Da ich zu diesem Zeitpunkt meine Arbeit als Sozialpädagogin nicht mehr ausüben konnte, wurde ein Gutachten durch den medizinischen Dienst erforderlich, der anfangs den Antrag auf eine Berufsunfähigkeit ablehnend bewertete. Diese Krankheit beeinträchtig die Betroffenen sehr, da sie oft über lange Zeit arbeitsunfähig sind, und ihnen daher der soziale Abstieg droht“, weiß Irene Voget-Schmiz heute.

Zustand verändert sich

Häufig würden die Patienten sogar als Simulanten abgestempelt. Auch wenn sie heute als „schwer behindert“ eingestuft ist, so findet sie den Umgang mit der Krankheit immer noch sehr unbefriedigend. „Es gibt Perioden, da fühle ich mich sehr gut. Auf andere Tage könnte ich ganz verzichten.“ Ihr Zustand könne sich sogar im Laufe eines Tages ganz plötzlich ändern. Auch Schlafstörungen oder eine schnelle körperliche und geistige Ermüdung sind für die Borreliose Krankheit typisch. „Viele Menschen resignieren, weil ihnen nicht geholfen wird“, weiß die Bad Arolserin.

Um dem etwas entgegenzu- setzen, gründete sie vor vier Jahren die Selbsthilfegruppe „Borreliose“ für Bad Arolsen und Korbach. Jeweils einmal im Monat treffen sich dort Menschen, bei denen die Krankheit diagnostiziert worden ist. Jeden letzten Donnerstag im Monat stellt das Krankenhaus Bad Arolsen die Schulungsräume der Krankenpflegeschule zur Verfügung. Über diese Unterstützung freut sich die Gruppe. Bedauerlich findet es Voget-Schmiz, „dass es auch in unserer Region zu wenig Ärzte gibt, die sich mit dem Krankheitsbild auseinandersetzen.“ Erwiesen sei, dass bei der Borreliose mit der entsprechenden Therapie eine vollständige Ausheilung möglich ist. Und dies sogar nach einem langen Krankheitsverlauf, sagt Irene Voget-Schmiz.

Zecke entfernen

Mit der Pinzette

Eine Pinzette ist das richtige Instrument, um eine Zecke fachgerecht zu entfernen. Sie sollte schmale Enden haben, die nicht zu scharf sind. Damit greift man die Zecke nahe der Hautoberfläche, also an ihrem Kopf, und zieht sie langsam, aber gleichmäßig und ohne zu drehen aus der Haut. Die Zecke sollte nie am vollgesogenen Körper gefasst werden, denn dabei wird sie gequetscht und der „Inhalt“ in die Blutbahn gedrückt. Scharfe Pinzetten können dazu führen, dass Teile des Kopfs abreißen. Das kann zu Entzündungen führen.

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