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Entspannte Haltung: Um einem Mausarm vorzubeugen, sollte man die Hand entspannt auf die Maus legen.

So wird man einen Mausarm wieder los - Dr. Thilo Walter gibt Tipps zur Vorbeugung

Sandra T. aus Bad Wildungen fragt: „Ich arbeite in einem Büro und leide seit etwa einem Jahr unter einem Mausarm. Was kann man dagegen tun?“

Diese Leserfrage haben wir an den Oberarzt der Chirurgie (Schwerpunkt Orthopädie/Unfallchirurgie) am Stadtkrankenhaus Korbach, Dr. Thilo Walter, weitergeleitet:

Herr Dr. Walter, wie entsteht eigentlich ein solches Krankheitsbild?

Dr. Thilo Walter: Das Krankheitsbild eines Mausarms wird vorwiegend bei Menschen beschrieben, die viel am Computer arbeiten. Wobei vor allem sich oft wiederholende Bewegungsabläufe wie Tasten- oder Mausklicks für die Entstehung eines Mausarms verantwortlich gemacht werden. Dabei führen wiederholte Überbelastungen von Muskel, Sehnen oder Gelenken zu einer chronischen schmerzhaften Gewebereizung. Es kommt zu einer Veränderung der Empfindung und Weiterleitung dieser Schmerzen auf Rückenmarks- und Gehirnebene bei der Verarbeitung der chronischen Schmerzimpulse. Mit der Folge, dass auf Dauer das Bewegungsmuster allein Schmerzen auslösen kann, obwohl substantiell keine Schädigung mehr vorliegt.

Spielen Stress und hohe Arbeitsbelastung auch eine Rolle?

Dr. Walter: Es werden persönliche Faktoren bei der Entwicklung eines Mausarms diskutiert wie beispielsweise Stress, hohe Arbeitsbelastung oder auch eine schlechte Körperhaltung.

Und welche Anzeichen sind für einen Mausarm typisch?

Dr. Walter: Zeichen eines Mausarms sind ein Kraftverlust und Missempfindung im betroffenen Körperteil, Schmerzen treten meist erst später auf. Die Intensität der Beschwerden sind schwankend und können an jeder Stelle des Arms auftreten. Zudem können die Symptome auch im Ruhezustand vorhanden sein und verschlimmern sich bei Arbeitsaufnahme.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Dr. Walter: Die Behandlung des Mausarms beinhaltet verschiedene Therapieansätze wobei im Vordergrund die so genannte Expositionsprohylaxe steht, das heißt die Änderung der Arbeitsbedingungen beziehungsweise des Arbeitsplatzes. Des Weiteren können physikalische Maßnahmen durchgeführt werden mit Wärme- oder Kältebehandlung, Massagen und Krankengymnastik. Zudem können in Einzelfällen auch Schmerzmittel gegeben werden. Und unter Umständen auch Antidepressiva zur Schmerzreduktion oder auch Cortison.

Sie sagen, der Arbeitsplatz sollte umgestaltet werden, auf was sollte man dabei achten?

Dr. Walter: Bei der Umgestaltung des Arbeitsplatzes ist auf eine ergonomische Gestaltung zu achten, das heißt auf eine bequeme Körperhaltung vor dem Bildschirm mit entsprechender Höheneinstellung von Stuhl und Schreibtisch sowie Tastatur.

Wäre eine ergonomische Maus hilfreich?

Dr. Walter: Die Verwendung einer ergonomischen Maus ist hilfreich, jedoch sind zusätzliche vorbeugende Maßnahmen wie die genannten von entscheidender Bedeutung.

Wie lange dauert es etwa, bis eine Besserung eintritt?

Dr. Walter: Die Dauer der Behandlung des Mausarms ist abhängig von der Ausprägung der Symptomatik sowie Dauer der Erkrankung. Hierbei muss jedoch gesagt werden, dass die Behandlung eines Mausarms langwierig ist, da sowohl die Umsetzung neuer Bewegungsmuster als auch der vorbeugenden Maßnahmen täglich geübt werden muss und letztlich nur eine konsequente Veränderung der Arbeitsplatzbedingungen zu einem dauerhaften Erfolg führt.

Kommt den eventuell eine Operation in Frage?

Dr. Walter: Die Therapie des Mausarms ist eine Domäne der konservativ sprich nicht operativen Therapie und muss in der Regel nicht operiert werden.

Hintergrund

Unangenehme Bürokrankheit

Es ist eine schleichende Gefahr: Zuerst zwickt es nur ein bisschen im Arm, doch irgendwann sind die Schmerzen im Handgelenk und der Schulter kaum noch auszuhalten. Die Rede ist vom so genannten Mausarm, der häufig durch die tägliche Arbeit am Schreibtisch entsteht. Schon ein paar einfache Tricks können helfen, einem Mausarm vorzubeugen und schwere Beschwerden zu vermeiden. Sie lassen sich ganz einfach in den Büroalltag integrieren. Jede kleine Pause ist bereits eine Vorbeugung – egal, ob es sich um ein Telefonat und einen Gang zum Drucker handelt. Wichtig ist, darauf zu achten, dass man am Arbeitsplatz verkrampfte Körperhaltungen vermeidet. Am besten hält man die Maus locker in der Hand und legt den Unterarm beim Klicken entspannt auf den Tisch. Außerdem hilft es, die Arme immer wieder mal auszuschütteln und Dehn- und Kräftigungsübungen zu machen. (may)

Service

Tipps zur Vorbeugung

• Ergomomische Gestaltung des Arbeitplatzes mit bequemer Körperhaltung vor dem Bildschirm.

• Möglichst häufiger Wechsel der Eingabewerkzeuge, das heißt häufiges Wechsel zwischen Maus und Tastatur.

• Häufiges Dehnen und Strecken.

• Maus locker in der Hand halten, die Hand von der Maus nehmen wenn man nicht am Klicken ist, Verwendung einer ergonomischen Maus.

•Reduzieren Sie die Doppelklick-Geschwindigkeit.

• Halten Sie Ihre Gelenke warm. (may)

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