Kopfschmerzen - Die Ursachen sind oft unbekannt

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Kopfschmerz Migräne Spannungskopfschmerz Ursachen meist unbekannt

In Deutschland leiden rund 54 Millionen Menschen unter Kopfschmerzen. Der Leidensdruck der Betroffenen ist meist groß und schränkt die Lebensqualität erheblich ein. Doch Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz. Experten unterscheiden zwischen mehr als 200 Arten.

Die Ursachen reichen von psychischen Belastungen über Verspannungen bis hin zu einem Übergebrauch von Schmerzmedikamenten. Die bekanntesten und gleichzeitig häufigsten Kopfschmerzformen sind die Migräne und der Spannungskopfschmerz. Wie unterscheiden sich diese beiden Formen hinsichtlich ihrer Symptome und wie findet man den „richtigen“ Arzt und damit die richtige Behandlung?

„Der Spannungskopfschmerz und die Migräne gehören zu den primären Kopfschmerzarten, das bedeutet, dass die Ursachen unbekannt sind“, erklärt Dr. Andreas Böger, Chefarzt der Klinik für Schmerzmedizin am Roten Kreuz Krankenhaus Kassel. Während die sekundären Kopfschmerzen auf Vorerkrankungen wie beispielsweise Bluthochdruck zurückzuführen sind, erweist sich die Diagnose der primären Kopfschmerzen somit oft als komplexer.

Migräne oder Spannungskopfschmerz? „Migränepatienten leiden unter wiederkehrenden Kopfschmerzen, die häufig einseitig als pochender oder pulsierender Schmerz beschrieben werden“, erklärt Dr. Andreas Böger. Oft gehen mit diesen Beschwerden Übelkeit, Erbrechen, Licht-, Geräusch- und Lärmempfindlichkeit einher. „Treten zusätzlich Sehstörungen mit Flimmersehen und Gesichtsfelddefekten auf, spricht man von Migräne mit Aura“, sagt Dr. Böger weiter. Der Spannungskopfschmerz hingegen wird in der gesamten Kopfregion als dumpf und drückend wahrgenommen. Die Schmerzintensität ist meist nicht so stark wie bei einer Migräneattacke, aber auch hier kann es zu erheblichen Beeinträchtigungen in Beruf und Alltag kommen. „Unabhängig von der Form des Kopfschmerzes sind die Auslöser oft vielfältig und erfordern daher unbedingt eine differenzierte Diagnose und Therapie“, weiß Dr. Böger.

Therapiemöglichkeiten

Je nach Kopfschmerzart kommen verschiedene Therapieansätze in Frage. „In unserem Kopfschmerzzentrum Nordhessen in Kassel setzen wir auf medikamentöse und nichtmedikamentöse Verfahren“, erklärt Dr. Böger. „Neben Medikamenten sind Sport, Physiotherapie und Muskelentspannung Teil einer erfolgreichen Behandlung. Zusätzlich werden Biofeedback und Akupunktur angeboten. Für die Patienten stellen die Beschwerden oft eine große Belastung dar. Daher gehen wir auf alle krankheitsverstärkenden Faktoren ein, egal ob sie körperlicher oder seelischer Natur sind“, erklärt der Experte.

Vorsichtiger Umgang mit Schmerzmedikamenten

Viele Kopfschmerzpatienten greifen häufig zu Schmerzmitteln, die in der Apotheke frei erhältlich sind. Das ist jedoch auf Dauer der falsche Weg, weiß Dr. Böger: „Schmerzmittel können eine fehlende oder falsche Schmerzbehandlung nicht kompensieren. Nimmt man an mehr als zehn Tagen im Monat Schmerzmittel, spricht man von einem Übergebrauch, bei dem sich die Schmerzen sogar noch verschlimmern können. Man befindet sich somit in einem Teufelskreis.“

Wer effektiv gegen seine Kopfschmerzen vorgehen möchte, sollte einen Experten aufsuchen und sich auch von den oft langen Wartezeiten nicht abschrecken lassen.

Tipp vom Experten

Die Wartezeiten bis zum ersten Termin sind vor allem bei Schmerztherapeuten und in Schmerzzentren oft lang, da der Andrang sehr groß ist. Man sollte diese Zeit sinnvoll nutzen, indem ein Kopfschmerztagebuch geführt und die Unterlagen über Vorbehandlungen zusammengestellt wird. Dadurch trägt man aktiv zu einer erfolgreichen Diagnose und Therapie bei.

Der „richtige“ Arzt:

  • nimmt sich Zeit, hört zu und untersucht gründlich
  • verschreibt ein Medikament erst nach einem ausführlichen Gespräch
  • ist bestenfalls Neurologe oder zertifizierter Schmerztherapeut (Liste unter www.migraeneliga.de)
  • bietet psychologische Unterstützung
  • setzt auf Sport und Bewegung
  • betreut die Patienten langfristig

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