Krankheit des Vergessens

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Gedächnisspiele: Sie können helfen, den Verlauf der Krankheit zu verzögern.

Es beginnt mit Vergesslichkeit und endet in vielen Fällen mit extremer Pflegebedürftigkeit: Demenz ist eine Krankheit, die im Alter viele treffen kann.

Und vermutlich, weil eben keiner davor geschützt ist, war das Interesse an dem Vortrag „Wenn die Gedanken verloren gehen“ des Korbacher Stadtkrankenhauses enorm.

Über 100 Personen informierten sich im voll besetzten Vortragssaal über neurologische, psychiatrische und sozialrechtliche Aspekte der Erkrankung.

Erstmals beschrieben wurde das Krankheitsbild der Demenz 1906. Rund 75 Prozent aller Demenzen betreffen die Alzheimer Demenz. Die Häufigkeit, an Demenz zu erkranken, liegt im Bundesdurchschnitt bei 0,8 bis 1,2 Millionen Menschen. Die Tendenz sei aufgrund der demographischen Entwicklung steigend, hieß es in dem Vortrag. „In der Vergangenheit sind die Menschen früher gestorben. Aber mit der steigenden Lebenserwartung unter anderem durch die bessere medizinische Versorgung nimmt auch die Anzahl der an Demenz erkrankten Patienten zu“, sagt Walter Brüggemann, Facharzt für Neurologie.

Demenz zeichne sich zunächst durch eine Abnahme der Gedächtnisleistung aus. Zuerst ist das Kurzzeitgedächtnis betroffen, später auch das Urteilsvermögen und die Denkfähigkeit. Es kommt zu Sprachstörungen und die Erkennung sowie der sinnvolle Umgang mit Gegenständen des Alltags nimmt ab. Orientierung und Wahrnehmung sind gestört und Emotionen sind weniger kontrolliert. Durch diese Einschränkungen verändert der Demenzpatient sein Antriebs- und Sozialverhalten.

Veränderung des Gehirns

Gegenüber dem normalen Altern gibt es beim Demenzpatienten Veränderungen im Bereich der geistigen Fähigkeiten, im Verhalten und der Persönlichkeit. Hinzu kommt eine organisch nachweisbare Veränderung des Gehirns. Ursachen einer Demenz sind selten Erbfaktoren, sondern häufig entzündliche Vorgänge im Gehirn, Umwelteinflüsse als Risikofaktoren, höheres Lebensalter sowie frühere Schädel- und Hirnverletzungen. „Hoher Blutdruck und hohe Cholesterinwerte sowie Zuckerkrankheit sind typische gesundheitliche Risikofaktoren“, führte Brüggemann aus. Behebbare Ursachen seien depressive Episoden, Mangelernährung und mangelhafte Flüssigkeitszufuhr sowie Alkohol- und Medikamentenmissbrauch.

Von Gaby Vich

Verlauf

Die verschiedenen Stadien einer Demenz spiegeln den Krankheitsverlauf wieder. Anfänglich sind die Patienten kaum auffällig und verdrängen erste Symptome. Der Verlust von Aktivität und Vitalität mit deutlicher Symptomatik erzeugt einen Leidensdruck, der meistens der Auslöser für einen Arztbesuch ist. Im fortgeschrittenen Stadium ist der Demente von seiner Umwelt völlig abhängig. Die Akzeptanz der Krankheit durch das soziale Umfeld ist ein wichtiger Faktor bei der Versorgung des Patienten, denn der Patient hat das Lernen verlernt. Häufigste Todesursache von Demenzpatienten ist eine durch Bettlägerigkeit verursachte Lungenentzündung. (zgv)

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