Bezeichnet sie als arrogant und dreist

Krass: Dieser Arzt geht mit seinen Kollegen hart ins Gericht

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Der 34-jährige Mediziner und TV-Arzt lässt seiner Wut über Kollegen freien Lauf.

Oft fühlen sich Patienten bei Ärzten nicht ernst genommen oder gar vernachlässigt – nun rechnet ein Mediziner mit dem arroganten Verhalten seiner Kollegen ab.

Stundenlanges Sitzen im Wartezimmer trotz Termin – und dann reagiert der behandelnde Arzt auch noch unterkühlt oder sogar spöttisch, wenn man die Beschwerden schildert. Zumal es oft genug vorkommt, dass man das Gefühl hat, dass man nur schnell dazwischen geschoben wird und der Arzt eigentlich keine Zeit oder richtige Lust mitbringt.

In deutschen Arztpraxen ist das leider oftmals ein gängiges Bild – das weiß auch Dr. Johannes Wimmer, seines Zeichens Mediziner, TV-Arzt und Autor. Auch er findet: Ärzte machen ganz schön viel falsch im Umgang mit ihren Patienten. Welches Fehlverhalten sie oft an den Tag legen – und wie sich Betroffene davor schützen können, verrät er jetzt.

No-Go Nummer Eins: Unsensibel sein

Nicht selten passiert es, dass schockierende Diagnosen oder sogar Todesnachrichten trocken und nüchtern dem Patienten vor den Kopf geknallt werden. So kritisiert Wimmer gegenüber der Bild, dass es schon zu Vorfällen gekommen sei, wo ein Arzt eine tödliche Krebsdiagnose im Krankenhaus-Mehrbettzimmer mitteilt und danach noch an umliegende Hospize verweist. Und das nur, weil das Krankenhaus aus allen Nähten platzt und das Bett dringend für den nächsten Patienten gebraucht wird. Dass für den Betroffenen gerade eine Welt zusammenbricht, kümmert nicht weiter.

Doch auch in normalen Arztpraxen ist von Feingefühl weit und breit keine Spur. Der Grund dafür: Die Ärzte haben oftmals schlichtweg keine Zeit für umfassendere Gespräche. Schließlich wissen sie: Nur die konkrete Bezahlung wird von den Krankenkassen honoriert – und der nächste Patient schart schon vor der Tür ungeduldig mit den Füßen.

Daher lautet auch der Rat von Dr. Wimmer: Seien Sie bei Auswahl Ihres Arztes wählerisch – und wechseln Sie ihn so schnell es geht, wenn er Ihre Probleme nicht ernst nimmt. Auch bei Krankenhausaufenthalten sollten Sie stets eine weitere, Ihnen nahestehende Person bei sich haben, die Sie seelisch und auch vor dem Arzt unterstützt.

No-Go Nummer Zwei: Raucher und Dicke abwerten

Auch Ärzte sind nicht ohne Vorurteile: Besonders Raucher, Dicke und Alkoholliebhaber sind ihnen ein Dorn im Auge. Und das lassen Sie sie beim Arztbesuch auch gerne mal spüren – schließlich sind diese Risikopatienten sozusagen selber schuld an ihren Erkrankungen. Diese Verachtung geht sogar so weit, dass Raucher zum Beispiel nicht die teuren - und besseren - Medikamente bekommen sollen, weil sie aus Sicht der Ärzte wegen ihres Lasters sowieso früher sterben werden, erklärt Dr. Wimmer. Das bedeutet konkret: Raucher haben sich eh schon aufgegeben – deshalb bekommen Patienten, die angeblich besser mit sich umgehen, auch die besseren Medikamente.

Aber auch Übergewichtige haben es nicht leicht – besonders dann, wenn Sie ins Krankenhaus müssen. Die Ärzte dort hegen ebenfalls einen Groll gegen letztere, schließlich kostet deren Behandlung mehr. Der Grund dafür: Sie sind schwerer zu pflegen und brauchen oftmals länger als normalgewichtige Patienten, bis sie wieder genesen. Doch da tageweise abgerechnet wird, bleiben Krankenhäuser so auf ihren Kosten sitzen.

Dr. Wimmer hat allerdings noch eine andere Dreistigkeit seiner Kollegen auf Lager: So sollen manche Ärzte verschweigen, dass ihre Praxen barrierefrei sind. Angeblich deswegen, weil ansonsten mehr Rollstuhlfahrer in die Praxis kommen würden und so keine Zeit mehr für andere Patienten wäre. Und weniger Zeit, haben wir bereits gelernt, bedeutet auch gleich weniger Geld.

In diesem Fall rät Dr. Wimmer dazu, hartnäckig zu bleiben. Egal, wie oft Sie schon beim Arzt waren – wenn sich die Symptome nicht bessern, sollten Sie Ihrem Arzt auch Kontra geben. Erst dann kann es sein, dass Sie endlich ernst genommen werden – und eine Diagnose zustande kommt.

Hier erfahren Sie zudem, welche Rechte Sie als Patient wirklich haben.

No-Go Nummer Drei: Fehler geheim halten

Ärzte würden sich lieber auf die Zunge beißen, als einen Fehler zuzugeben, schimpft Wimmer über seine Kollegen. Und die Statistik gibt ihm recht: 83 von 100 Ärzten gaben in einer Umfrage an, dass sie das niemals tun würden. Zu groß sei die Angst davor, verklagt zu werden. Zu Recht. Fast 12.000 vermutete Behandlungsfehler wurden 2016 angezeigt. Dennoch sind die Patienten bei aller Arroganz die Leidtragenden.

Daher rät Dr. Wimmer Betroffenen, den Arzt freundlich zu bitten, immer offen und ehrlich mit einem zu reden. Besonders dann, wenn Therapien langwieriger sind.

No-Go Nummer Vier: Zu faul für Weiterbildungen

Ärzte haben oftmals die Weisheit mit dem Löffel gefressen – egal, wie viele Jahrzehnte Ihr Medizinstudium her ist. Doch der Grund dafür ist einfach: Vielen Ärzte fehlt einfach die Zeit, sich noch zusätzlich weiterzubilden. Zudem wollen sie das laut Dr. Wimmer auch nicht, meist aus dem simplen Grund, weil sie keine Lust haben oder weil sie für die neuen Behandlungen nicht die richtigen Geräte haben und/oder viel Geld investieren müssten.

Dr. Wimmers Tipp: Schauen Sie sich Ihren behandelnden Arzt genau an. Ist er wirklich derjenige, der Ihnen helfen kann und ist er so ein Experte, wie er Ihnen weismacht? Wenn Sie sich unsicher sind, können Sie ruhig im Internet nach Alternativen recherchieren. Doch Vorsicht: Am besten nur auf ausgewiesenen Webseiten von Fachgesellschaften, Universitäten oder Patientenberatungsstellen.

No-Go Nummer Fünf: Sinnlose Behandlungen

Es wird herumgedoktert und herumgedoktert – oftmals ohne konkret zu wissen, was der Patient eigentlich hat beziehungsweise wirklich braucht. Das gilt besonders in deutschen Krankenhäusern. Dort werde laut Dr. Wimmer oftmals unnötig viel Medizin betrieben. Doch dadurch werden die Patientenströme, die regelmäßig eintrudeln, nicht weniger – und so diese meist stundenlang warten müssen, bis sie drankommen.

Daher rät Dr. Wimmer dazu, unbedingt frühzeitig etwaige Vollmachten und Patientenverfügungen auszufüllen – auch wenn man noch nicht alt oder krank ist. Vorsorge zu treffen ist wichtig in jedem Alter. Und informieren Sie am besten auch Ihre Angehörigen über Ihre Gedanken und Wünsche.

Schockierend: Patienten müssen sich oft anhören, dass Ihre Symptome nur eingebildet seien - doch stimmt das wirklich?

Lesen Sie auch: So dreist tricksen Krankenkassen, um mehr Geld zu erhalten - und machen dabei Patienten kränker, als sie sind.

jp

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