Tumor an Fossil entdeckt

Schon die Dinos kämpften mit Krebs: Forscher machen bahnbrechende Entdeckung

Was für eine Entdeckung: Ein Forscherteam hat bei einem Dinosaurier einen Krebs-Tumor entdeckt. Die Entdeckung kann auch für die Humanmedizin bedeutend sein.

  • Forscher weisen Krebs bei Dinosaurier nach.
  • Die fossilen Überreste mehrere Millionen Jahre alt.
  • Erkenntnis kann auch zum Verständnis von Knochenkrebs beim Menschen beitragen.

Kassel/Toronto - Krebs ist keine neue Erkrankung, sondern reicht bis in die Zeit der Dinosaurier während des Erdmittelalters zurück. Das sagen zumindest kanadische Forscher. Diese haben entdecken können, dass bereits Dinosaurier an Krebs und bösartigen Tumoren litten.

Krebs bei Dinosaurier entdeckt: Fossil über 70 Millionen Jahre alt

Denn ein 76 bis 77 Millionen altes Fossil eines Centrosaurus weist einen fortgeschrittenen Knochenkrebs - ein Osteosarkom - auf. Für die Wissenschaft eine bahnbrechende Entdeckung. Bislang gab es keine Hinweise darauf, dass schon Dinosaurier an einer Erkrankung mit Krebs litten. Diese Informationen gibt das Team, bestehend aus dem Royal Ontario Museum (ROM) und der McMaster University, auf der Homepage des Museums bekannt.

Wissenschaftler fanden die fossilen Überreste des Centrosaurus, eine gehörnte Dinosaurier-Art, vor mehr als 30 Jahren, 1989, im Dinosaur-Provincial-Park in der Provinz Alberta in Kanada. Schon damals machten sie die Entdeckung, dass das Fossil eine starke Missbildung des Beinknochens aufwies. Doch zunächst gingen die Forschenden von einem geheilten Bruch aus.

Krebs bei Dinosaurier entdeckt: Auch in der Steinzeit gab es die bösartigen Tumore

Bis jetzt. Nun konnte das Team des Royal Ontario Museum (ROM) und der McMaster University erstmals den Nachweis liefern, dass schon Dinosaurier an bösartigen Tumoren erkrankten. Veröffentlicht wurde die Entdeckung am 03.08.2020 in der Fachzeitschrift „The Lancet Oncology“.

Wissenschaftlicher Name Centrosaurus
GattungReptil
ErnährungPflanzenfresser
AussehenLanges Nasenhorn und Nackenschild
Länge6 Meter
Höhe1,8 Meter
Gewicht2700 Kilogramm

Krebs bei Dinosaurier: Forscher untersuchten vermeintlichen Beinbruch genauer

Vor seinem Tod hatte der Dinosaurier an Krebs gelitten - und das zehn Millionen Jahre, bevor Dinosaurier ausgelöscht wurden und von der Erde verschwanden. 2017 beschlossen Forschende, den angeblichen Beinbuch des Fossils nochmals genauer zu untersuchen.

Die genaue Stelle des Bruchs ist an der Fibula, ein Knochen des Unterbeins. Nachdem den Wissenschaftlern Dr. David Evans, Louise Temerty, Dr. Mark Crowther und Snezana Popovic bei einem Besuch des Royal Ontario Museum (ROM) die ungewöhnliche Stelle am Knochen des Dinosauriers auffiel, wurde das Fossil mit modernster Technik untersucht.

KrebsartOsteosarkom (Bösartiger Knochenkrebs)
AuftretenSelten: Vermehrt bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen
UrsachenWeitgehend ungeklärt
TherapieChemotherapie und Operation

Das interdisziplinäre Team aus der Pathologie, Radiologie, Orthopädie und Paläopathologie machte dabei die bahnbrechende Entdeckung - auf ähnliche Weise wie Krebs auch beim Menschen diagnostiziert wird.

Krebs bei Dinosaurier: Diagnose sei „schwer fassbar" gewesen

„Die Diagnose eines solchen aggressiven Krebses bei Dinosauriern war schwer fassbar und erfordert medizinisches Fachwissen und mehrere Analyseebenen, um richtig identifiziert zu werden“, sagt einer der Forschenden zu der Entdeckung. „Hier zeigen wir die unverkennbare Signatur des fortgeschrittenen Knochenkrebses bei einem 76 Millionen Jahre alten gehörnten Dinosaurier - dem ersten seiner Art. Es ist sehr aufregend“, heißt es weiter auf der Homepage des Museums.

Bei der Untersuchung der fossilen Überreste des Dinosauriers, bei dem Krebs entdeckt wurde, ging das Team aus Wissenschaftlern wie folgt vor:

  • Der Knochen wurde untersucht, dokumentiert und ein Abguss erstellt.
  • Mit einer hochauflösenden Computertomografie (CT) wurde ein Scan durchgeführt.
  • Im Anschluss wurde der Knochen des Dinosauriers dünn geschnitten und unter einem Mikroskop untersucht. Dadurch kann man den Knochen auf der Ebene der Zellen betrachten.
  • Durch dreidimensionale CT-Rekonstruktionswerkzeuge konnte das Fortschreiten der Krebserkrankung sichtbar gemacht werden.
  • Das Vorgehen lieferte schließlich die entscheidende Diagnose: Krebs beim Dinosaurier.
  • Abschließend wurde der Knochen des Fossils mit den fossilen Überresten der gleichen Spezies und der Fibula eines Menschen mit Knochenkrebs verglichen, um die Diagnose zu bestätigen.

Wegen Krebs: Krankes Exemplar anfällig für Tyrannosaurier-Raubtiere

„Das Schienbein zeigt im fortgeschrittenen Stadium aggressiven Krebs. Der Krebs hätte verkrüppelnde Auswirkungen auf das Individuum gehabt und ihn sehr anfällig für die beeindruckenden Tyrannosaurier-Raubtiere der damaligen Zeit gemacht“, sagt Dr. David Evans, Experte für den Centrosaurus.

„Die Tatsache, dass dieser pflanzenfressende Dinosaurier in einer großen, schützenden Herde lebte, hat es ihm möglicherweise ermöglicht, länger zu überleben, als es normalerweise bei einer solch verheerenden Krankheit der Fall wäre", vermutet der Wissenschaftler. Denn wie der Homepage des Royal Ontario Museum zu entnehmen, impliziert der Fundort, gemeinsam mit weiteren Exemplaren, dass die Dinosaurier-Herde durch eine Flut ums Leben kam.

Krebs beim Dinosaurier: Wissenschaftliche Entdeckung kann für Menschen wichtig sein

Die Diagnose Krebs, erstmals bei einem Dinosaurier, gibt Einblicke in die Evolution von Tumorerkrankungen. Dieser Link von der Gegenwart in die Vergangenheit - ganze 76 bis 77 Millionen Jahre zurück - und zwischen Mensch und Dinosaurier kann Forschenden beim Verständnis von Erkrankungen helfen.

„Diese Entdeckung erinnert uns an die gemeinsamen biologischen Verbindungen im gesamten Tierreich und bestätigt die Theorie, dass Osteosarkome dazu neigen, Knochen zu beeinflussen, wenn und wo sie am schnellsten wachsen“, sagt Seper Ekhtiari von der McMaster University.

War der Asteroiden-Einschlag vor 66 Millionen Jahren alleine schuld am Aussterben der Dinosaurier oder standen die Ökosysteme bereits vorher unter Druck? Forscher haben neue Hinweise gefunden. Neue Studie bringt Alter und Krebs in Verbindung. Hierfür liegt der Grund im Blut der Menschen. (Katharina Ahnefeld)

Rubriklistenbild: © Paul Zinken

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