Gesundheit

Heilmittel gegen Krebs? Forscher entwickeln vielversprechenden Wirkstoff

Krebszellen.
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Krebs entsteht in der Regel durch tumorerzeugende Proteine (Symbolbild).

Krebs ist die zweithäufigste Todesursache weltweit. Forschern aus Frankfurt und Würzburg ist nun ein Durchbruch bei der Entwicklung eines Wirkstoffes gelungen.

  • Wissenschaftler aus Frankfurt und Würzburg haben einen neuen Wirkstoff gegen Krebs entwickelt.
  • Der neue Wirkstoff schreddert ein krebserzeugendes Protein.
  • Nun soll die Wirksamkeit an Tieren getestet werden.

Frankfurt - Im Jahr 2018 erkrankten weltweit mehr als 18 Millionen Menschen an Krebs. Er ist die zweithäufigste Todesursache auf der Welt und die häufigste in Europa. In Deutschland sterben jährlich mehr als 200.000 Menschen wegen Krebs. Nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen fordern hierzulande mehr Todesopfer.

Neuer Wirkstoff gegen Krebs: Forscher haben einen Durchbruch erzielt

Die Anzahl der Neuerkrankungen nimmt Jahr für Jahr zu. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) veröffentlichte im Februar 2020 eine düstere Prognose: Die Zahl der Krebs-Fälle dürfte sich bis zum Jahr 2040 weltweit fast verdoppeln. Das geht aus dem Weltkrebsreport der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) hervor. Auf der ganzen Welt forschen Wissenschaftler fieberhaft an neuen Medikamenten. Nun feiern Forscher aus Frankfurt und Würzburg einen Durchbruch.

Krebs entsteht in der Regel durch tumorerzeugende Proteine. Die Krebszellen stellen dann weitaus mehr von diesen Proteinen her als normale Zellen. Das befeuert das bösartige Wachstum zusätzlich. Daher lautet ein Therapieansatz in der Medizin: die Funktion dieser krebserzeugenden Proteine zu hemmen. Dann wären die Proteine zwar noch vorhanden, funktionierten aber nicht mehr so gut. Eines dieser Proteine ist die sogenannte Aurora-A-Kinase.

Forscher haben einen vielversprechenden Wirkstoff gegen Krebs entwickelt

Die Entwicklung dieser Hemmstoffe ist allerdings sehr kompliziert. Wissenschaftler konnten noch nicht für alle krebserzeugende Proteine funktionierende Wirkstoffe entwickeln. Auch erforschte Kandidaten, die Aurora hemmen sollen, zeigten in der Vergangenheit nicht den gewünschten Erfolg. Wissenschaftler hoffen aber ohnehin auf Wirkstoffe, welche die krebserzeugenden Proteine nicht nur hemmen, sondern zerstören. Als vielversprechender Ansatz wird eine neue Wirkklasse von Substanzen angesehen - ihr Name: Protac.

Forscher aus Würzburg und Frankfurt haben nun scheinbar ein solches Protac für Aurora entwickelt. Der Wirkstoff baue das Aurora-Protein in Krebszellen, die im Labor kultiviert wurden, komplett ab. Elmar Wolf vom Biozentrum der Universität Würzburg beschreibt den Prozess wie folgt: „Der Tumor braucht bestimmte tumorauslösende Proteine, die man sich wie Seiten in einem Buch vorstellen kann. Unsere Protac-Substanz reißt nun die Seiten ‚Aurora‘ heraus und vernichtet sie mit Hilfe der Protein-Abbau-Maschinerie, die jede Zelle besitzt, um alte und kaputte Proteine abzubauen“. Der Wirkstoff „schreddere“ Aurora quasi.

Im nächsten Schritt soll die Wirksamkeit des neuen Wirkstoffs gegen Krebs an Tieren getestet werden

Bisherige Versuche, die Aktivität des Proteins zu blockieren, das beispielsweise in Brusttumoren in viel größerer Konzentration als in gesundem Gewebe vorkommt, seien nicht erfolgversprechend verlaufen, sagt Stefan Knapp vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Goethe-Uni Frankfurt. Mit der neuen Substanz werde das Protein über einen anderen Wirkmechanismus blockiert, „der neue therapeutische Möglichkeiten eröffnen könnte“. Im nächsten Schritt sollen Wirksamkeit und Verträglichkeit im Tierversuch getestet werden. (Jan Wendt)

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