Krebs ist sehr selten bei Kindern

+
Wenn ein Kind an Krebs erkrankt, hat das gravierende Auswirkungen auf alle Mitglieder einer Familie.

Krebs tritt bei Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren vergleichsweise wenig auf. Rund 2000 Neuerkrankungen gibt es in Deutschland pro Jahr. Leukämie führt mit 30 Prozent die Häufigkeit an, es folgen Hirntumore mit einem Anteil von 20 Prozent.

Im Gegensatz zu früher sind Krebserkrankungen bei Kindern mittlerweile sehr gut heilbar. Die Heilungsrate liegt bei 80 Prozent. Für diejenigen, die eine solche Erkrankung überlebt haben, aber auch für Eltern und nahe Verwandte ergeben sich aus diesem einschneidenden Erlebnis viele Fragen. Die Angst, dass sich eine Krebserkrankung wiederholen könnte, dass man sie vererbt oder langwierige Spätfolgen eintreten könnten, ist groß.

Privatdozentin Dr. Michaela Nathrath, Direktorin der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie im Klinikum Kassel, beantwortete dazu Fragen während der HNA-Telefonsprechstunde.

Ich hatte als Kind eine Krebserkrankung. Außerdem kommt in meiner Familie Krebs häufiger vor. Jetzt habe ich geheiratet, und wir würden gern Kinder bekommen. Meinen Sie, das geht problemlos? Und sind die Kinder eventuell gefährdet, ebenfalls zu erkranken?

Nathrath: Sie brauchen keine Angst zu haben, dass Ihre zukünftigen Kinder ein höheres Risiko haben. Nur ein bis zwei Prozent der Krebserkrankungen sind erblich. In erster Linie sind das Brust- und Darmkrebs.

Dass sich in manchen Familien Tumorerkrankungen gehäuft vorkommen, ist meist zufällig. Sie sollten einen Familienstammbaum erstellen und markieren, welches Familienmitglied in welchem Alter an einem Krebs erkrankt ist. Bei gehäuftem Vorkommen von Krebs insbesondere mit einem Erkrankungsalter unter 50 Jahren sollten Sie mit Ihrem Arzt darüber sprechen, er kann Sie gegebenenfalls an einen Spezialisten verweisen.

Die vorangegangene Therapie stellt keinen Risikofaktor für eine Krebserkrankung Ihrer Kinder dar. Es kann aber sein, dass es Schwierigkeiten bei der Fruchtbarkeit gibt.

Wenn bei Jungen vor der Pubertät eine Bestrahlung gemacht wurde und die Hoden mit im Strahlungsfeld lagen, ist es möglich, dass keine befruchtungsfähigen Spermien mehr produziert werden. Deswegen machen wir mittlerweile bei jugendlichen Männern ab der Pubertät eine Spermien-Asservation.

Mädchen sind gefährdet, wenn sie im Bauchraum bestrahlt wurden, denn da können der Eierstöcke geschädigt sein. Aber nicht nur die Bestrahlung kann der Fertilität, also der Fruchtbarkeit, schaden. Auch verschiedene Chemotherapien haben diese Nebenwirkung. Sprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt, der über die angewendete Therapie Bescheid weiß, über die Kinderwünsche.

Gibt es Spätfolgen nach einer erfolgten und erfolgreichen Krebstherapie?

Nathrath: Ja, leider gibt es diese Spätfolgen. Sie reichen von einer Hörminderung über Herzversagen bis hin zu Nieren- und Knochenproblemen. Eine weitere gefährliche Spätfolge ist das Auftreten eines Zweittumors. Je nach Tumorerkrankung und Therapie liegt das Risiko für einen Zweittumor bei drei bis fünf Prozent. Eine lebenslängliche Nachsorge ist bei ehemaligen Krebspatienten unbedingt nötig.

Meine älteste Tochter ist im vergangenen Jahr innerhalb kürzester Zeit an einer Leukämie verstorben. Wir leiden alle sehr unter dem Verlust. Ihre Schwester kommt jetzt in die Pubertät, vermisst ihre große Schwester sehr und leidet unter Schuldgefühlen, unter anderem, weil sie noch lebt. Ich möchte ihr gern helfen. Sie lehnt aber jede therapeutische Hilfe ab. Was können wir für sie tun?

Nathrath: Es gibt viele Elterninitiativen von krebskranken Kindern, die auch eine Geschwistergruppe anbieten, so auch unsere Elterninitiative hier in Kassel. Ihre Tochter könnte sich so einer Gruppe anschließen. Sie hat ja keine Möglichkeit, sich mit anderen Jugendlichen über den Verlust auszutauschen. In so einer Gruppe lernt sie andere Mädchen und Jungen kennen, die in der gleichen Situation sind und ihre Gefühle verstehen können.

Außerdem gibt es bei Heidelberg ein Jugendcamp mit dem Namen „Waldpiraten Camp“, in dem Geschwister von Verstorbenen eine Freizeit verbringen können.

Auch wenn ihre Tochter momentan keine Hilfe annehmen möchte, sollten Sie ihr immer wieder das Angebot machen.

Ich habe so große Angst, dass mein Kind eine gefährliche Krankheit bekommt. Wie kann ich dem vorbeugen, und welches sind Warnzeichen?

Nathrath: Eine Vorbeugung ist eigentlich nur in gewissen Maß durch vernünftige Ernährung, ausreichend Schlaf und eine positive Lebenseinstellung möglich.

Warnzeichen sind zum Beispiel immer wieder auftretende Schmerzen über einen längeren Zeitraum, das bedeutet mehr als sechs Wochen, die auf Dauer stärker werden. Blässe und viele spontan auftretende blaue Flecken, die ohne äußere Einwirkung erscheinen, sind ein Grund, zum Arzt zu gehen.

Auch ständige Müdigkeit, ein Leistungsknick oder ungewollte Gewichtsabnahme müssen dringend abgeklärt werden.

Ein weiteres Warnzeichen, besonders bei kleinen Kindern, sind plötzliche Rückschritte in bereits erlernten Fähigkeiten. Zum Beispiel, wenn ein Kind, das schon laufen konnte, plötzlich nur noch wankend läuft.

Von Susanne Seidenfaden

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.