Adipöse Patienten ab Juli behandelbar

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Bieten künftig ein ganzheitliches Konzept zur Behandlung adipöser Patienten in der Kreisklinik an: Oberarzt Dr. Christoph Hüttich, die OP-Schwestern Inessa Jegig und Milena Benner, Diätassistentin Beate Schnell, Chefarzt Dr. Alfred Cassebaum und Fachärztin Sylvia Rumprecht-Schulte.

Über 50 Prozent der Menschen weltweit leiden an Übergewicht, viele davon krankhaft. Diabetes oder Herzschwäche sind nur einige Folgeerkrankungen. Diäten allein sind dabei oft nicht erfolgreich – viele Menschen benötigen eine weitergehende Behandlung. Um diesen Patienten zu helfen, bietet das Kreiskrankenhaus Frankenberg  künftig Adipositas-Chirurgie  an.

Nun wurde der Umbau fertiggestellt, sodass Patienten ab Juli behandelt werden können. Von der Gesprächs- und Diättherapie über die Operation bis hin zur Ernährungsberatung und einem individuell zugeschnittenen Sportangebot – ab Sommer bietet die Kreisklinik in Zusammenarbeit mit einer Reihe von Kooperationspartnern ein ganzheitliches Konzept an, um krankhaft übergewichtige Menschen zu therapieren.

„Adipositas ist eine Volkskrankheit, von der immer mehr Menschen betroffen sind“ erklärt Projektleiter und Ärztlicher Direktor des Kreiskrankenhauses Dr. Alfred Cassebaum. Ursachen können mangelnde Bewegung, genetische Veranlagung, chronischer Stress, Medikamente, psychische Erkrankungen oder Essstörungen sein. „Sie wird meist als rein selbstverschuldet angesehen und daher unzureichend medizinisch behandelt. Übergewichtige Menschen werden in der Folge oft ihrem Schicksal überlassen.“

Das bedeute nicht selten körperliche und seelische Leiden und eine verkürzte Lebenserwartung. Um dem entgegenzuwirken, wurden in der Kreisklinik die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen, um adipöse Patienten auch chirurgisch behandeln zu können. „Die Therapie fettleibiger Menschen erfordert spezielle Strukturen – vom Behandlungsort über geschultes Personal bis hin zur Nachsorge“, erläutert Dr. Cassebaum. So wurden nicht nur die Ärzte und Mitarbeiter der Klinik weitergebildet und ein Netzwerk aus klinikeigenen und externen Diät- und Ernährungsberatern, psychologischen Betreuern und Sporttherapeuten gebildet, sondern auch die baulichen Voraussetzungen für das Projekt umgesetzt.

Seit Mitte Mai ist der speziell umgerüstete OP-Saal mit einer Schwerlastsäule, die eine Tragkraft von 250 Kilogramm besitzt, fertiggestellt worden; weiterhin eine besondere Patientenschleuse. Zeitgleich erfolgte der Umbau eines Patientenzimmers, in dem Betroffene nach der OP stationär behandelt werden können. Weiteres Zubehör wie extra breite Betten und Toilettenstühle sowie spezielle Patientenwagen wurden ebenfalls angeschafft.

„Diese Maßnahmen kommen nicht nur unserem Adipositas-Projekt zu Gute“, erklärt der Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses Ralf Schulz. „Auch im Bereich der Unfallchirurgie, der Orthopädie und der operativen Gynäkologie verzeichnen wir steigende Zahlen schwergewichtiger Patienten“, so der Klinikchef. „Für sie kann dieses Equipment künftig mitgenutzt werden – und kommt somit dem gesamten Klinikbetrieb zu Gute.“

Die Gesamtinvestitionen belaufen sich dabei auf rund 90.000 Euro. „Dabei danken wir dem Förderverein des Kreiskrankenhauses, der die Hälfte der Kosten tragen wird“, sagt Schulz. Jedoch ist eine OP mit Hilfe dieser hochmodernen technischen Ausstattung nur ein Baustein des umfangreichen Behandlungskonzeptes. „Um ein erfolgreiches Ergebnis zu erzielen, muss der Patient seine Lebensgewohnheiten und Verhaltensweisen umstellen – und das langfristig“, so Dr. Cassebaum, der Chefarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie ist. „Ein ganzheitlicher Ansatz ist hier erforderlich. Unsere Patienten begleiten wir künftig stetig auf diesem Weg.“

Um sich über diesen Weg zu informieren, bietet Dr. Cassebaum im Medizinischen Versorgungszentrum in Frankenberg, das der Kreisklinik angegliedert ist, eine spezielle Adipositas-Sprechstunde an. Dort können sich Betroffene über die Vorgehensweise und die immer notwendige Nachsorge informieren. „Eine OP ist nicht das Allheilmittel für Übergewicht“, erklärt er. „Oft gibt es auch andere Möglichkeiten, mit denen wir den Menschen helfen können. Wir möchten herausfinden, was für den Patienten und seine Gesundheit am besten geeignet ist.“

Weitere Details zum Adipositas-Projekt stellt Dr. Cassebaum gemeinsam mit seinem Team am Mittwoch, 4. Juni, um 18 Uhr in der Personalcafeteria des Kreiskrankenhauses der Öffentlichkeit vor. Bei dieser Gelegenheit soll auch eine Adipositas-Selbsthilfegruppe gegründet werden. Interessierte sind herzlich zu dieser Informationsveranstaltung eingeladen.

Adipositas-Sprechstunde

Medizinisches Versorgungszentrum
Bei der Ledermühle 1
35066 Frankenberg

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