Kritik an Zulassung von Botox gegen Migräne

London - Das Bakteriengift Botox hilft vor allem gegen Krämpfe und Falten, soll aber auch chronische Migräne bessern. In Deutschland soll es auch bald zugelassen werden.

Gegen diesen Kopfschmerz wurde Botulinumtoxin kürzlich in den USA und Großbritannien zugelassen, auch in Deutschland läuft ein entsprechendes Verfahren. Nun äußern Experten massive Zweifel daran, dass die Substanz zuverlässig Migräne vertreibt. Die Herausgeber des “Drug and Therapeutics Bulletin“ werfen der britischen Zulassungsbehörde vor, den Einsatz des teuren Mittels trotz unzureichender Datenlage gebilligt zu haben.

Bei jedem zehnten Patienten verschlimmere Botulinumtoxin den Kopfschmerz, mahnen sie. Bei weiteren zehn Prozent der Anwender rufe das Gift Nebenwirkungen hervor wie Jucken, Steifheit, Ausschläge oder Krämpfe. Im Extremfall drohe Patienten sogar ein anaphylaktischer Schock. Die Studien, auf die sich die Behörde stützt, sind nach Ansicht der Zeitschrift mangelhaft.

Ein Großteil der Teilnehmer litt demnach nicht an chronischer Migräne, sondern bei ihnen entstand der Kopfschmerz durch übermäßige Einnahme von Medikamenten. Dies schließe gemäß internationaler Definition die Diagnose einer chronischen Migräne sogar aus. “Wegen dieser Widersprüche und der begrenzten Hinweise für einen Nutzen können wir uns einen Platz von Botulinumtoxin in der Therapie chronischer Migräne nur schwer vorstellen“, schließen die Herausgeber.

dapd

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