Kung Fu-Großmeister in der Unfallchirurgie

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Lee Kam Wing ist in der Kung Fu-Kampfkunstwelt eine hochrangige Persönlichkeit, steht zahlreichen Verbänden und Organisationen vor und betreibt seit über 30 Jahren eine Kung Fu-Schule in Hong Kong. Der Kampfkünstler war jetzt im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende Patient bei Dr. Joachim Dörges, Chefarzt der Unfallchirurgie.

Hintergrund war eine schwere Gelenkabnutzung in beiden Knien des Großmeisters. Alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten wie Schmerztabletten und Spritzen waren erschöpft, man hatte ihm nur noch künstliche Kniegelenke in Aussicht gestellt – gleichbedeutend mit dem Ende der aktiven Sportlerlaufbahn. Alternativen wurden ihm in China nicht aufgezeigt.

Den Kontakt zwischen Dr. Dörges und Lee Kam Wing stellte Meister (Sifu) Peter Frömke aus Göttingen her, durch Vermittlung von Hendrik Faure, Chefarzt am Asklepios Fachklinikum Göttingen. Sifu Frömke gehört zu dem kleinen auserwählten Kreis von weltweit nur vier Meistern, die den kompletten offiziellen Teil des Chat Sing Tong Long Kuen von Großmeister Lee Kam Wing erlernt haben und beherrschen und ist somit einer der führenden Autoritäten im in den chinesischen Kampfkünsten. Was lag da näher, in seiner Heimatstadt Göttingen einen geeigneten Unfallchirurgen für Lee Kam Wing zu suchen.

Dr. Dörges führte bei dem 64-jährigen Kung Fu-Großmeister Gelenkspiegelungen an beiden Knien durch. So wurden vor allem die Schmerzen vermindert, unter denen Lee Kam Wing litt. Weiterhin trugen die Spiegelungen dazu bei, dass der Einsatz eines künstlichen Gelenks hinausgezögert wurde. Heute, fünf Monate nach der Operation, geht es dem Patienten wieder deutlich besser. Er lebt weitgehend ohne Beschwerden und kann seine Kampfkunst wieder unterrichten.

Generell gehen Beschwerden in den Knien einher mit Schmerzen und Bewegungseinschränkungen und sind eine Folge von Verschleiß, Knochenbrüchen oder Bandverletzungen. Die Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie des Weender Krankenhauses führt jährlich mehr als 300 arthroskopisch gestützte Operationen am Kniegelenk ambulant und stationär durch, die Tendenz ist steigend. Bei Sportverletzungen gehört die gesamte Palette der Versorgung von Verletzungen an den Kreuzbändern oder Schäden an den Menisken zu der alltäglichen arthroskopischen (Arthroskopie = Gelenkspiegelung) Routine.

Die Arthroskopie wird minimal-invasiv mit einem Endoskop durchgeführt. Ziel ist es unter anderem, den Knorpel wieder zu glätten und den chronischen Reizzustand im Gelenk zu beruhigen. In vielen Fällen kann man dadurch wertvolle Zeit bis zur Endoprothesen-Implantation gewinnen. Endoprothesen sind Implantate, die dauerhaft im Körper verbleiben. So segensreich eine Knie-Totalendoprothese auch sein kann, hat sie im Einzelfall nicht unerhebliche Risiken und bleibt eine Reparatur auf Zeit, da das Problem der Auslockerung noch nicht beherrscht ist. (nh

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