Laser oder Linse - Welche Methode sich wann eignet

Sie stört beim Sport, beschlägt besonders schnell bei Temperaturunterschieden und viele wünschen sich bei Regen ein Modell mit Scheibenwischern: die Brille. In Deutschland benötigen mittlerweile mehr als 60 Prozent der Personen über 16 Jahre eine Brille – Tendenz steigend.

Immer mehr Fehlsichtige entscheiden sich für operative Maßnahmen wie Augenlasern oder Linsenimplantate, um dauerhaft auf das ungeliebte „Nasenfahrrad“ zu verzichten.

Welche Methode sich wann eignet im Überblick:

Bei der LASIK wird mittels Kaltlichtlaser die innere Fläche der Hornhaut behandelt. LASIK gilt als Methode der Wahl, um Kurzsichtigkeiten bis minus zehn, Weitsichtigkeiten bis drei und Hornhautverkrümmungen bis circa minus vier Dioptrien zu beheben. „Damit eine Augenlaserkorrektur überhaupt in Frage kommt, darf die Hornhaut des Patienten nicht zu dünn sein. Für Jugendliche unter 18 Jahren ist die Laserbehandlung generell nicht geeignet, da sich ihre Augen noch verändern können“, erläutert Dr. Kaweh Schayan-Araghi, ärztlicher Leiter der Artemis Augenklinik Frankfurt und Vorstandsmitglied des Berufsverbands der Augenärzte. „Schwangere oder Stillende verzichten besser auf die Operation, da es im Köper infolge von Hormonumstellungen zu Änderungen der Brechkraft kommt.“ Nicht oder nur bedingt eignen sich LASIK-Behandlungen für Menschen mit Rheuma oder bestimmten Augenerkrankungen. Neuentwicklungen wie die Femto-LASIK haben das Verfahren in den letzten Jahren zudem sicherer gemacht. So ermöglicht diese auch Korrekturen bei starker Kurzsichtigkeit und dünner Hornhaut.

Um stärker Fehlsichtigen ein Leben ohne Brille zu ermöglichen, greifen Mediziner auf Kunstlinsen zurück, die Weitsichtigkeit bis acht Dioptrien und Kurzsichtigkeit bis minus 16 Dioptrien korrigieren – auch in Kombination mit Hornhautverkrümmungen. Dabei setzen sie eine Kunstlinse zusätzlich zur eigenen ins Auge. Die natürliche Fähigkeit des Auges, sich auf unterschiedliche Entfernungen selbst scharf einzustellen, bleibt bei diesem Verfahren wie bei der LASIK erhalten. Für den Eingriff genügt bereits ein stecknadelkopfgroßer Schnitt. „Da hier kein Gewebe abgetragen wird, sind Linsenimplantate auch für Menschen mit sehr dünner Hornhaut geeignet“, so Dr. Schayan-Araghi. Stabile Sehwerte seit mindestens einem Jahr gelten auch hier als Grundvoraussetzung für die Operation. Zudem raten Mediziner bei chronischen Augenentzündungen sowie in Schwangerschaft und Stillzeit von solchen Eingriffen ab.

Kurz- oder Weitsichtigkeit gepaart mit Alterssichtigkeit begegnen Ärzte, indem sie körpereigene Linsen durch künstliche austauschen. So bietet sich der Linsenaustausch vor allem für Patienten an, die bereits eine Lesebrille benötigen. Heute ersetzen Augenchirurgen deutschlandweit in mehr als 600.000 Eingriffen pro Jahr Linsen, auch um dem Grauem Star – einer Erkrankung bei der sich körpereigene Linsen der Betroffenen immer mehr trüben – entgegenzuwirken. So stellt der Linsentausch eines der sichersten operativen Verfahren in Deutschland dar.

Um extreme Fehlsichtigkeiten von bis zu -24 und von bis zu +8 Dioptrien zu behandeln, wenden Ärzte kombinierte Verfahren von Linsenersatz und LASIK an. Bei sämtlichen Methoden genießen Patienten bereits kurze Zeit nach der Operation ihr neues Sehvermögen. Abgesehen davon weiß Dr. Schayan-Araghi: „Viele Patienten berichten, dass ihnen die Operation ein völlig neues Lebensgefühl mit einer enorm verbesserten Lebensqualität geschenkt hat.“ Das könnte selbst ein neues Brillenmodell mit Scheibenwischern nicht leisten. (nh)

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