Badesalz und Kräuter

Darum sind "Legal Highs" so gefährlich

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Eine Kriminalpolizistin hält im Landeskriminalamt (LKA) in Mainz eine mit Drogen versetzte Kräutermischung in der Hand. Seit Jahren bereiten die Modedrogen der "Legal Highs" den Fahndern Kopfzerbrechen.

"Badesalz", "Kräutermischungen" oder "Raumlufterfrischer" -was so harmlos klingt, sind sogenannte Legal Highs. Die neuen Designerdrogen gibt es billig im Internet. Sie sind legal, aber lebensgefährlich. 

Legal-Highs-Produkte sind psychoaktive Substanzen, die als Pulver, Tabletten oder Kräuter häufig im Internet angeboten werden. Die Mischungen machen "high", wirken ähnlich wie Cannabis, Ectasy oder Amphetamin.

Verboten sind die meisten Legal Highs allerdings nicht. Kreative Hersteller verändern die Inhaltsstoffe chemisch so, dass sie nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Der Verkauf wie der Konsum sind dann nicht strafbar.

Aber harmlos sind die synthetischen Drogen keinesfalls. Die Zahl der Wirkstoffe ist schwer zu überblicken, dazu kommen immer neue auf den Markt. Über genaue Zusammensetzung weiß niemand Bescheid, so lassen sich Risiken und Langzeitfolgen des Konsums kaum einschätzen.

Legal Highs sind lebensgefährlich

Deswegen halten Experten Legal Highs sogar für hochgefährlich und warnen ausdrücklich vor dem Konsum. Werden die Mischungen geraucht, geschluckt oder geschnieft, kann es zu lebensgefährlichen Reaktionen kommen. Es sind Fälle bekannt, in denen Konsumenten mit Kreislaufversagen, Ohnmacht, Psychosen oder Wahnvorstellungen in der Klinik behandelt werden mussten. Die Liste der unerwünschten Nebenwirkungen ist lang, wie eine wissenschaftliche Online-Umfrage von Centre for Drug Research (CDR) an der Universität Frankfurt am Main aus dem Jahr 2013 zeigt: 

  • Herzrasen
  • Kreislaufprobleme
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Angstzustände
  • Muskelkrämpfe
  • Bewusstlosigkeit
  • Schlaganfall
  • Herzinfarkt

Legal Highs: Dealer nutzen Lücke im Gesetz

Wirkstoffe, die unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) fallen, sind verboten. Doch es fallen nur solche Substanzen darunter, die ausdrücklich im BtMG genannt werden. Dem konkreten Verbot einzelner Substanzen geht ein langes Prüfverfahren voraus. Diese Zeit nutzen Hersteller für den Verkauf der Drogen.

Auch handelt es sich bei Legal Highs um keine Arzneien nach EU-Recht. Ein Arzneimittel müsse der Gesundheit „unmittelbar oder mittelbar zuträglich“ sein. Davon könne bei den Kräutermischungen mit synthetischen Cannabinoiden keine Rede sein. Die Tatsache, dass ein Stoff die Funktion des Körpers beeinflusse, reiche aber nach dem auch in Deutschland geltenden EU-Recht nicht aus, um von einem Arzneimittel zu sprechen, urteilte der Europäischen Gerichtshof (EuGH) im Juli 2014.

Im Kampf gegen die Designerdroge wollen die Justizminister der Länder diese "Strafbarkeitslücke" nun schließen. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) haben beschlossen, Vorschläge auszuarbeiten, dass künftig ganze Stoffgruppen verboten werden können. 

ml

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