Altersforscherin Ursula Lehr über die Potenziale der Älteren

Lernend altern – und Altern lernen

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Aktivsein als Schlüssel zu einem positiven Umgang mit dem Alter, dafür wollen die Staaten beim „Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen 2012“ werben: Aktive Alte, deren Fähigkeiten geschätzt und anerkannt werden, trügen zur „Solidarität zwischen den Generationen“ bei, ist Gerontologin Ursula Lehr (rechts) überzeugt. Im Bild mit Bundesministerin Kristina Schröder beim Berliner Demografie Forum.

Die bekannte Altersforscherin Ursula Lehr ist ganz sicher, dass ältere Menschen ein großes Potenzial haben. Sie werden im Job gebraucht – und wo sie herausgedrängt werden, sollen sie nicht aufgeben, sondern sich neue Aufgaben suchen, sagt sie.

Gebraucht zu werden, sei eine wichtige Voraussetzung für die eigene Zufriedenheit.

Lehr macht es vor: Die 81-jährige Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen und frühere Bundesfamilienministerin eröffnete jetzt in Berlin gemeinsam mit Familienministerin Kristina Schröder (CDU) das deutsche Programm zum „Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen 2012“.

Frau Lehr, neuerdings ist viel von den Stärken älterer Menschen die Rede. Wird nur ein wenig freundlicher über die Älteren geredet oder kann man nachweisen, dass sie etwa bei der Jobsuche mehr Erfolg haben als noch vor zehn Jahren?

Ursula Lehr: Zweifellos haben sie heute mehr Erfolg als vor zehn Jahren. Und diejenigen Unternehmen, die Ältere eingestellt haben, wissen eine Vielzahl von Pluspunkten zu berichten. Ältere haben eine stärkere Bindung an das Unternehmen, sie sind flexibler als Jüngere, wenn es beispielsweise um Auswärts-Aufträge geht. Die ein Leben lang erworbene Expertise findet man eben nur bei Älteren; außerdem ist auf deren soziale Kompetenz hinzuweisen.

Hand aufs Herz: Sind die Älteren mit dem Tempo der digitalen Welt nicht überfordert und halten die Jüngeren nur auf?

Ursula Lehr: Es mag durchaus sein, dass manche Ältere mit der digitalen Welt nicht so zurechtkommen wie Jüngere. Hier sollte man ihnen Mut machen – wie es die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen und andere ja auch tun. Jedes Jahr ist der Prozentsatz der über 70-Jährigen größer, der online ist. Und wenn Sie an das Berufsleben denken: Die 50-, 55- und 60-Jährigen sind doch heute fast alle Onliner. Was die Schnelligkeit angeht, so zitiere ich gern den Ausspruch unserer Bundesministerin für Arbeit: „Die Jüngeren rennen zwar schneller, aber die Älteren wissen die Abkürzungen und sind dann doch eher am Ziel.“

Was empfehlen Sie Menschen über 50, um auf dem Laufenden zu bleiben? Und was raten sie denen, die aus dem Berufsleben gedrängt worden sind und nie wieder reinkommen werden?

Ursuala Lehr: Lernend altern – und Altern lernen. Natürlich gehört berufsbegleitende Weiterbildung dazu, um auch noch mit 60 oder 65 mithalten zu können. Und wer aus dem Berufsleben gedrängt wurde, sollte sich wenigstens eine andere Aufgabe suchen im Bereich des bürgerschaftlichen Engagements. Wer keine Aufgabe hat, gibt sich auf. Freilich, die finanzielle Situation muss stimmen. Aber es gilt auch: Das Gefühl, gebraucht zu werden, korreliert hoch mit einer Zufriedenheit im Alter. (epd)

Aktiv im Alter.pdf

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