Liebeskummer – wenn das Herz zu brechen droht

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Liebeskummer sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen: Ein gebrochenes Herz kann zur Lebensbedrohung werden.

Mit der verlorenen Liebe geht mehr als nur eine Beziehung in die Brüche. Liebeskummer macht krank und bringt den kompletten Körper durcheinander.

Gebrochenes Herz

Kardiologen des John Hopkins Hospital in Baltimore stellten bei Liebeskranken ähnliche Krankheitssymptome fest wie bei Herzkranken. Das medizinische Phänomen nennt sich Broken-Heart-Syndrom. Die Patienten klagen über plötzlich beginnende, heftige Brustschmerzen und Atemnot. EKG und Laboruntersuchungen zeigen die gleichen Veränderungen wie bei einem Herzinfarkt, obwohl die Gefäße frei durchgängig sind. Verantwortlich für die Funktionsstörung ist ein Überschuss an Stresshormonen. Die kleinen Herzkranzgefäße verkrampfen sich. Der Herzmuskel wird schlecht durchblutet und verfällt in eine Art Schockzustand.

Mit Stress reduzierenden Medikamenten bekommt man das Syndrom meist schnell wieder in den Griff. Wenn der Patient das Akutstadium überstanden hat, erholt sich das gestresste Herz und trägt keine bleibenden Schäden davon. In drei bis vier Prozent der Fälle ist die Krankheit aber tödlich. Das Broken-Heart-Syndrom tritt üblicherweise nach außergewöhnlichen Stresssituationen auf. Liebeskummer ist eine schlimme psychische Ausnahmesituation und vergleichbar mit dem Verlust eines Angehörigen. Hauptsächlich betroffen sind ältere Frauen.

Funkstille im Gehirn

Herzschmerz ist eine Ganzkörperangelegenheit. Nicht nur das Herz leidet, auch das Gehirn spielt verrückt. Forscher der Universität Tübingen haben herausgefunden, dass bestimmte Hirnregionen insbesondere bei Frauen nach einer Trennung kurzfristig außer Gefecht gesetzt werden. Die psychische Veränderung führt zu einem Rückgang des Nervenübertragungsstoffes Serotonin. Dieser Glücksbotenstoff sorgt für das Gefühl der Gelassenheit, der inneren Ruhe und Zufriedenheit. Bei Liebesschmerz fehlt Serotonin vor allem in den Hirnregionen, die für Emotion und Motivation zuständig sind, aber auch in Arealen, die das Schlaf- und Essverhalten steuern. Liebeskranke werden somit komplett aus der Bahn geworfen.

Stalking-Attacken

Einige Betroffene geraten an den Rand der Verzweiflung. Der Liebeskummer steigert sich bei ihnen in einen Liebeswahn. Vor allem Personen, die in einer Beziehung sehr besitzergreifend sind, haben Probleme mit dem Loslassen und wollen die Kontrolle über ihren Expartner nicht verlieren. Sie beginnen, ihren Verflossenen zu verfolgen und mit unzähligen Anrufen zu terrorisieren. Die Stalking-Attacken können solche Ausmaße annehmen, dass das Leben der Zurückweisenden in Gefahr gerät.

Suizidgedanken

Die heftigen Folgen von Liebeskummer können sich aber auch gegen die eigene Person richten. Bei einer Untersuchung der Universität Wien hatte fast die Hälfte aller Befragten Selbstmordgedanken nach einer Trennung. Leicht verletzbare Menschen, die ihr Selbstwertgefühl abhängig von der Zuneigung einer anderen Person machen, stürzen nach der Trennung in ein Loch der Hoffnungslosigkeit. Ihr gesamter Lebensinhalt löst sich mit der Trennung im Nichts auf und sie sehen den einzigen Ausweg im Freitod.

Sorgen von der Seele reden

Liebeskummer ist ein Prozess, der Zeit und Trost braucht. Ein Allheilmittel gegen den Schmerz gibt es nicht. Es empfiehlt sich aber dringend, das Gespräch mit anderen zu suchen. Das müssen nicht zwangsweise Vertraute sein, auch Fremde können Kraft spenden. Gesprächspartner findet man im Internet zu jeder Tages- und Nachtzeit. Sie helfen, die Trennung aus einer neuen Perspektive zu betrachten und neuen Lebensmut zu fassen. Wenn die Trauer und Verzweiflung zu groß werden, sollte aber professionelle Unterstützung von einem Arzt, Psychologen oder Psychotherapeuten in Erwägung gezogen werden.

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