„Die ist doch einfach nur dick“

Patientinnen, die unter einem Lipödem leiden, kämpfen oft mit Vorurteilen.
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Patientinnen, die unter einem Lipödem leiden, kämpfen oft mit Vorurteilen.

Lipödem: Fettverteilungsstörung, an der in Deutschland fast jede zehnte Frau erkrankt

Oft beginnt der Leidensweg in der Pubertät. Beine und Po werden immer dicker, bis sich eine typische Reiterhosen-Figur ausbildet. Oben Größe 34, unten eine 46. Doch es sind nicht nur die Probleme mit der Figur: Schmerzen und Spannungsgefühle in den Beinen, die Neigung zu blauen Flecken, Müdigkeit und schnelle Erschöpfung zählen ebenfalls zu den Symptomen. Doch bis zur Diagnosestellung vergehen oftmals Monate und Jahre – die betroffenen Frauen haben bis dahin meist eine wahre Odyssee hinter sich. Das Lipödem trifft fast ausschließlich Frauen. Gänzlich erforscht sind die Ursachen der chronischen Fettverteilungsstörung laut Prof. Dr. Goetz A. Giessler nicht.

„Hormonelle Ursachen gelten aber als wahrscheinlich“, sagt der Mediziner, der die Klinik für plastisch- rekonstruktive, ästhetische und Handchirurgie am Klinikum Kassel leitet. „Die Beschwerden beginnen meist in Phasen hormoneller Veränderung wie der Pubertät oder nach einer Schwangerschaft. Die Fettgewebezellen vergrößern und vermehren sich unkontrolliert – meist an den Beinen, aber auch an Hüfte, Po oder Armen“, erklärt Prof. Giessler, der gemeinsam mit seinem Team pro Jahr etwa 100 betroffene Frauen in seiner Klinik behandelt. Doch bevor der plastische Chirurg mit einer Behandlung beginnen kann, muss die Diagnose gesichert sein. Das geschehe in der Regel interdisziplinär – das heißt, verschiedene medizinische Fachrichtungen sind daran beteiligt, um andere Ursachen auszuschließen – beispielsweise das Lymphödem. Lymphologen, Angiologen, aber auch die Hausärzte, die ihre Patienten in der Regel über Jahre hinweg begleiten, zählen zu den verschiedenen Fachrichtungen. Meistens stellt erst der plastische Chirurg die klinische Diagnose.

Unschöne Dellen und Knoten gehören zum Erscheinungsbild des Lipödems.

Das Absaugen des Fettgebewebes, die sogenannte Liposuktion, in Kombination mit dem Tragen von Kompressionswäsche ist laut Prof. Giessler die Behandlung der Wahl. Heilen kann man die Krankheit, die familiär gehäuft auftritt, nicht. Aber lindern. Die Prognose sei unterschiedlich. Manche Frauen hätten nach einer solchen OP und dem konsequenten Tragen der Kompression jahrelang Ruhe. Andere wiederum hätten trotz Therapie einen schlechten Verlauf, bei dem sich die Krankheit stetig verschlimmert. Ist die Diagnose Lipödem gesichert, ist das für die meisten Frauen kein Schock – im Gegenteil: Endlich hätten sie dann Gewissheit darüber, was mit ihrem Körper los ist, weiß der Mediziner aus Erfahrung. Eingeteilt wird das Lipödem in verschiedene Typen (siehe Hintergrund), danach richte sich dann in der Regel die Behandlung.

Während des operativen Eingriffs wird das Fettgewebe aus den betroffenen Bereichen mittels einer vibrierenden Kanüle abgesaugt. „Wir arbeiten dabei in zwei Teams“, sagt Prof. Giessler. Das bedeute, dass die Beine parallel bearbeitet werden. Bis zu acht Liter Fettgewebe werden bei einer Operation entfernt. Das Verfahren sei insgesamt sehr schonend, sagt Giessler, da die Kanüle nur so tief eingeführt wird, wie notwendig ist. Doch in den meisten Fällen reiche ein einmaliger Eingriff nicht aus. Um es für die Patientinnen schonender zu gestalten, seien daher mehrere Operationen notwendig, bis das gesamte Fettgewebe entfernt ist. Im Anschluss an die OP ist das konsequente Tragen von spezieller Kompressionswäsche unerlässlich. Je nach der Menge des entnommenen Fettgewebes sei ein anschließender stationärer Aufenthalt erforderlich. „Bei größerem Volumen ab drei Litern bleiben die Patientinnen immer stationär“, informiert der Chirurg. Die meisten seiner Patientinnen seien nach der Liposuktion zufrieden und glücklich über das neue, leichtere Lebensgefühl. Und vor allem darüber, dass sie wieder beweglicher und weitestgehend schmerzfrei sind. Dennoch: Ein Kinderspiel ist der Eingriff nicht, gibt es doch Frauen, bei denen insgesamt bis zu 30 Litern entfernt werden. In solchen Fällen sei im Anschluss an die Behandlung zudem eine Straffung der Haut notwendig, sagt Giessler. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten der Liposuktion nur unter bestimmten Voraussetzungen, beispielsweise für Frauen, die unter Grad drei leiden, informiert Prof. Giessler. Die Feststellung, ob die Voraussetzungen dafür erfüllt sind, trifft der plastische Chirurg.

Lipödem Typen

  • Typ1: Das Unterhautfett ist hauptsächlich im Bereich von Gesäß und Hüften vermehrt, die sogenannten Reiterhosen sind die Folge.
  • Typ 2: Das Lipödem hat sich bis zu den Knien ausgebreitet und es kommt zu einer vermehrten Bildung von Fett an den Innenseiten der Knie.
  • Typ 3: Die Erkrankung reicht jetzt von den Hüften bis zu den Fußknöcheln.
  • Typ 4: Das Lipödem betrifft nun auch die Arme; die Handgelenke sind dabei nicht betroffen.
Prof. Dr. Goetz A. Giessler, Direktor der Klinik für Plastisch-rekonstruktive, Ästhetische und Handchirurgie

Zur Person

Prof. Dr. Goetz A. Giessler (48) ist in Kassel geboren und in Murnau aufgewachsen. Nach dem Medizinstudium in Frankfurt, München, in den USA und Südafrika hat er seine Facharztausbildung für Plastische Chirurgie an den Berufsgenossenschaftlichen Unfallkliniken in Murnau und Ludwigshafen absolviert. Dort war er vor seiner jetzigen Funktion als Oberarzt tätig und erlangte auch die Zusatzbezeichnung Handchirurgie. Seit Anfang 2009 war der Mediziner an der BGU Murnau in leitender Position tätig.

Seit Anfang 2013 leitet Prof. Giessler die Klinik für plastisch-rekonstruktive, ästhetische und Handchirurgie am Klinikum Kassel. Der Mediziner ist Mitglied renommierter Verbände und Gesellschaften im In- und Ausland, darunter dem Berufsverband der Deutschen Chirurgen e.V. sowie der American Society of Plastic Surgeons. Prof. Dr. Giessler wird in der Focus Ärzteliste auch in diesem Jahr – zum dritten mal in Folge – als Top-Mediziner gelistet. Die Auszeichnung erhielt der Chirurg für die Behandlung im Bereich des Lip- und Lymphödems, der plastischen Wiederherstellungschirurgie und des Bodyliftings. Veg

KONTAKT

Prof. Dr. Goetz A. Giessler
Direktor der Klinik für Plastisch-rekonstruktive, Ästhetische und Handchirurgie

Klinikum Kassel
Mönchebergstraße 41 – 43
34125 Kassel

ANMELDUNG Lipödemsprechstunde

Telefon 05 61 / 9 80 3810 / -38 11

E-Mail: aozanmeldung@gnh.net

» gnh.net

» professor-giessler.de

Bindeglied zwischen allen Fachrichtungen - Ästhetische Chirurgie und interdisziplinärer Problemlöser

Die Behandlung chronischer Wunden, Brustrekonstruktionen nach Krebs, Lymphgefäßrekonstrunktionen, die Transplantation von Lymphknoten und Zehen – beispielsweise nach dem Verlust von Fingern – all das und vieles mehr wird an der Klinik für plastisch-rekonstruktive, ästhetische und Handchirurgie am Klinikum Kassel angeboten und durchgeführt.

Optimale Ergebnisse: Individuelle, auf den Patienten zugeschnittene Behandlungen und chirurgische Lösungen werden in der Klinik von Prof. Dr. Goetz A. Giessler und seinem Team gemeinsam mit den Patienten erarbeitet.

Zwar denken die meisten Menschen bei dem Begriff plastische Chirurgie zunächst immer noch hauptsächlich an Schönheitsoperationen, doch das ist nur ein Teilbereich im gesamten Spektrum der medizinischen Disziplin. „Die moderne plastische Chirurgie, so wie wir sie hier im Haus seit acht Jahren etabliert haben, besteht aus vier Säulen. Dazu zählen die rekonstruktive, also die wiederherstellende Chirurgie, die ästhetische Chirurgie, die Handchirurgie und die Verbrennungsmedizin. Innerhalb der Klinik sind wir das Bindeglied zwischen allen medizinischen Fachrichtungen. Das ist ganz entscheidend für unsere Patienten, denn die können im Haus bleiben und müssen für Weiter- beziehungsweise Anschluss-Behandlungen nicht in andere Kliniken“, sagt Prof. Dr. Goetz A. Giessler, der die Klinik seit 2013 leitet. Neun weitere Ärzte und das Fachpflegepersonal sorgen dafür, dass Patienten in allen Bereichen der plastischen Chirurgie bestmöglich und auf höchstem medizinischen Niveau versorgt werden können. Dennoch: Auch die „Schönheitschirurgie“ – beziehungsweise ästhetische Chirurgie – hat ihren Stellenwert innerhalb der Fachrichtung und für viele dieser Eingriffe kommen Patienten aus ganz Deutschlands nach Kassel.

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