Lungenentzündung: Atemnot und sehr hohes Fieber

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Die Lungenentzündung (Pneumonie) ist eine schwerwiegende Erkrankung, bei der Bakterien, Viren oder manchmal auch Pilze das tiefere Gewebe der Lunge und die Lungenbläschen angreifen.

Das Lungengewebe schwillt an, der Betroffene leidet unter Atemnot und Husten und bekommt oft hohes Fieber. Vor allem Menschen mit einem schwachen Immunstatus sind gefährdet, an einer Lungenentzündung zu erkranken. Das sind Säuglinge und Kleinkinder, chronisch Kranke oder alte Menschen. So sterben gerade viele Ältere an den Folgen der schweren Erkrankung. Deswegen wird Männern und Frauen über 60 Jahre empfohlen, sich nicht nur gegen Grippe impfen zu lassen, sondern sich auch die Pneumokokken-Impfung beim Hausarzt geben zu lassen.

Eine Lungenentzündung ist nicht einfach zu diagnostizieren, da die Symptome denen einer Grippe ähneln. Der Beginn ist plötzlich, extremes Unwohlsein, Schwäche, Husten, Fieber, Schüttelfrost sind Anzeichen dafür. Aufschluss kann ein Röntgenbild bringen, das eine Entzündung im Lungengewebe deutlich zeigt.

Wie häufig Patienten an Lungenentzündungen leiden, zeigte unsere jüngste Telefonsprechstunde mit dem Chefarzt der Lungenfachklinik in Immenhausen, Prof. Dr. Stefan Andreas, bei der pausenlos das Telefon klingelte.

Ich bin 75 Jahre alt und habe vor zwei Jahren die Pneumokokken-Impfung erhalten. Außerdem werde ich jedes Jahr gegen Grippe geimpft. Trotzdem hatte ich jetzt eine Lungenentzündung. Kann es sein, dass die Impfung nicht mehr wirkt?

Andreas: Die Pneumokokken-Impfung wirkt sehr lange. Daran liegt es also nicht, dass Sie trotzdem eine Lungenentzündung bekommen haben. Es gibt sehr viele Erreger, die die Krankheit hervorrufen können. Die Impfung wirkt nicht gegen alle. Tritt trotzdem die Erkrankung auf, ist der Verlauf aber wesentlich schwächer, als wenn sie keinen Schutz hätten.

Unsere 15-jährige Tochter hat seit vier Wochen Probleme. Unser Hausarzt hat eine Lungenentzündung diagnostiziert, ihr Antibiotikum gegeben und sie dann ins Krankenhaus eingewiesen, weil es nicht besser wurde. Dort hat sie ein anderes Antibiotikum bekommen und wurde nach fünf Tagen entlassen. Jetzt geht es ihr wieder schlechter, sie klagt über starke Schmerzen beim Einatmen und hat plötzlich einen ganz hohen Blutdruck. Wir machen uns jetzt große Sorgen. Was kann das sein?

Andreas: So, wie Sie es schildern, ist zu der Lungenentzündung jetzt noch eine Rippenfellentzündung hinzugekommen. Sie verursacht die Schmerzen beim Einatmen. Auch hier wirkt ein Antibiotikum. Wichtig ist, dass sich kein Wasser oder Eiter im Rippenfell bildet, es also keine feuchte Entzündung gibt. Sollte das der Fall sein, muss eine Drainage innerhalb eines stationären Aufenthaltes im Krankenhaus gelegt werden. Ihre Tochter muss also unbedingt noch einmal abgehört oder ein Ultraschall gemacht werden. Der hohe Blutdruck kommt vermutlich von den Schmerzen und der Aufregung.

Ich hatte im Sommer eine schwere Lungenentzündung mit Beteiligung des Rippenfells. Ich hatte sogar Wasser in der Lunge und im Herzbeutel. Obwohl jetzt nichts mehr nachgewiesen wurde, fühle ich mich noch schwach. Was kann ich tun, damit es mir besser geht?

Andreas: Die Bakterien, die die Pneumonie verursacht haben, sind offensichtlich mit Hilfe des Antibiotikums abgetötet worden. Den Rest der Genesung macht der Körper jetzt selbst. Vermutlich fühlen sich deswegen noch schwach. Sie waren ja schwerkrank. Betätigen Sie sich jetzt körperlich, packen Sie sich warm ein und gehen an der frischen Luft spazieren. Damit normalisiert sich auch wieder ihr Atemverhalten und es wird Ihnen bald besser gehen.

Ich bin 83 Jahre alt, hatte im Frühjahr eine leichte Lungenentzündung, von der ich mich gut erholt habe. Ich bin noch sehr fit, gehe viel spazieren und möchte gern wissen, wie ich mich vor weiteren Infektionen schützen kann.

Andreas: Neben den nötigen Impfungen gegen Pneumonie und Grippe ist körperliche Bewegung an der frischen Luft das beste zur Stabilisierung des Immunsystems. Sehr wichtig ist, dass Sie im Winter den Kopf warm halten, denn durch Kälte am Kopf entstehen die meisten Infekte. Auch der restliche Körper sollte gut geschützt sein. Wichtig ist auch, sich regelmäßig und gut die Hände zu waschen.

Ich bin sehr anfällig für Lungen- und Bronchialerkrankungen. Ich hatte schon sechs Mal eine doppelseitige Lungenentzündung. Vor fünf Jahren habe ich mich gegen Pneumonie impfen lassen. Wann muss ich die Impfung auffrischen?

Andreas: Früher hat man eine Auffrischung nach sechs Jahren empfohlen. Mittlerweile weiß man, dass die Impfung wesentlich länger hält. Eine Auffrischung ist nicht nötig.

Ich habe Asthma und häufiger Infekte. Dabei bekomme ich kaum Luft. Kann das eine Lungenentzündung sein?

Andreas: Durch das Asthma verengen sich die Luftwege bei einem Infekt stärker. Nutzen Sie zur Abhilfe Ihre inhalative Therapie, die auch Kortison enthält zweimal täglich. Außerdem sollten Sie bei Atemproblemen einen Lungenfunktionstest machen. Dazu brauchen Sie nicht zum Facharzt zu gehen. Die Meisten Hausärzte kennen sich gut mit der Lunge aus.

Von Susanne Seidenfaden

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