Mythos oder Wahrheit

Macht zu laute Musik taub?

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Bei Kopf- oder Einsteckhörern ist die Gefahr größer, die Musik zu laut zu drehen, als bei Boxen.

Diesen Spruch hat jeder als Kind schon einmal gehört: "Mach die Musik leiser, sonst wirst du noch taub!" Doch können zu viele Dezibel wirklich zu Taubheit führen oder ist dies eine Übertreibung?

Manchmal ist Musik erst richtig gut, wenn man sie bis zum Anschlag aufdreht. Das hat auch den Vorteil, dass man die Warnungen seiner Mitmenschen nicht hört: "Wer zu laut Musik hört, wird taub", ist eine aus dieser Kategorie. Aber stimmt das eigentlich?

Taub nicht - aber massive Hörschäden

Nein, sagt Prof. Thomas Lenarz, Direktor der Hals-Nasen-Ohrenklinik der Medizinischen Hochschule Hannover. "Taub wird man durch Lärm alleine nicht, aber schwerhörig." Und das hängt von der Dauer, der Intensität, der Art des Lärms - und dem individuellen Empfinden ab. Bei Kopf- oder Einsteckhörern ist die Gefahr größer, die Musik zu laut zu drehen. Denn über Boxen hat man durch die Bässe ein besseres Gefühl für die wirkliche Lautstärke, erklärt Lenarz.

Lärm ist ein Stressfaktor

Wer täglich Lärm von 90 Dezibel - das entspricht etwa Maschinengeräuschen, bei denen man sich nicht mehr unterhalten kann - ausgesetzt ist, der werde mit  hoher Wahrscheinlichkeit schwerhörig, sagt der Mediziner. Je lauter es wird, desto kürzer sollte man sich dem Lärm aussetzen. Ein Tag Lärm schadet dem Gehör aber in der Regel nicht. Zu viel Lärm - in Stärke und Dauer - schadet der Gesundheit.

Dauerhafter Hörschaden

Anders ist das bei sogenanntem Impulsivlärm - wie etwa einem Schuss: Darauf reagiert das Gehör viel empfindlicher. Und schon bei einem explodierenden Böller kann ein dauerhafter Hörschaden entstehen.

Der ständig zunehmende Lärmpegel in vielen Gegenden der Welt verringert einem US-Forscher zufolge die Fähigkeit der Menschen, Naturgeräusche wahrzunehmen.

So schützen Sie Ihr Ohr: Die wichtigsten Tipps

Das Ohr ist ein Sinnesorgan. Zu viel Lärm, eine Beschallung ab 85 Dezibel, kann zu einem Hörschäden führen. Schützen Sie Ihr Gehör. Bei Konzerten (etwa 100 dB) können Ohrstöpsel und ein ausreichender Abstand zur Geräuschquelle Gehörschäden vermeiden.
Das Ohr ist ein Sinnesorgan. Zu viel Lärm, eine Beschallung ab 85 Dezibel, kann zu einem Hörschäden führen. Schützen Sie Ihr Gehör. Bei Konzerten (etwa 100 dB) können Ohrstöpsel und ein ausreichender Abstand zur Geräuschquelle Gehörschäden vermeiden. © dpa
Beim Musikhören über Kopfhörer die 60/60 Regel beachten: täglich nicht länger als 60 Minuten Musik über Kopfhörer hören und dabei nicht über 60 Prozent des Maximalvolumens des Gerätes aufdrehen.
Beim Musikhören über Kopfhörer die 60/60 Regel beachten: täglich nicht länger als 60 Minuten Musik über Kopfhörer hören und dabei nicht über 60 Prozent des Maximalvolumens des Gerätes aufdrehen. © dpa
Zur Regeneration bewusst akustische Pausen einlegen und alle Lärmquellen (Radio, Fernsehen etc.) abschalten. Dies gilt vor allem nach Diskobesuchen, der Arbeit in einem lauten Umfeld etc. – hier sollte man den Ohren mindestens 10 Stunden Ruhe gönnen.
Zur Regeneration bewusst akustische Pausen einlegen und alle Lärmquellen (Radio, Fernsehen etc.) abschalten. Dies gilt vor allem nach Diskobesuchen, der Arbeit in einem lauten Umfeld etc. – hier sollte man den Ohren mindestens 10 Stunden Ruhe gönnen. © dpa
Gehör regelmäßig durch einen Hörgeräteakustiker oder spezialisierten Arzt überprüfen lassen. © dpa
Falls es doch passiert und Symptome wie ein Druckgefühl im Ohr, ein dumpfer Höreindruck oder anhaltende Ohrgeräusche auftreten, sollten man dem Gehör dringend Ruhe gönnen, viel Flüssigkeit zu sich nehmen und schnellstmöglich einen HNO-Arzt aufsuchen. © dpa
Bereits eine dauerhafte Lärmeinwirkung über 85 dB kann zu einem irreparablen Hörverlust führen. Das entspricht etwa einem elektrischen Rasenmäher. © dpa
Bei einem Lärmpegel von etwa 100 dB – wie sie bei Konzerten oder bei maximal aufgedrehtem MP3-Player erreicht werden – riskiert man schon bei 20 Minuten Beschallung pro Tag eine spätere Hörminderung. © dpa

dpa/tmn

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