Einzelne Virenarten treten vermehrt zu bestimmten Jahreszeiten und bei speziellen Altersgruppen auf

Magen-Darm-Infekte nehmen stark zu

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Säuglinge erkranken am häufigsten an Rota-, Noro- und Adenoviren und müssen dann sorgfältig überwacht werden.

Wellen von Magen-Darm-Infekten treten in Deutschland seit einigen Jahren vermehrt auf. Die Zahl der stationär behandelten infektiösen Durchfallerkrankungen lag 2010 bei weit über 250 000. Mehr als 3500 Betroffene starben in der Folge.

Um Durchfall-Epidemien einzudämmen und Patienten wirksam zu helfen, ist eine zügige Suche nach den Ursachen entscheidend. Deshalb sollten sich Betroffene schnellstmöglich gastroenterologisch behandeln lassen. Dies betont die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Die DGVS weist darauf hin, dass sich massenhafte Durchfallinfekte auch zukünftig leider nicht vermeiden lassen. Bekämpfen ließe sich die Ausbreitung der Erreger jedoch durch bestmögliche Hygiene.

Die DGVS reagiert damit aktuell auf die berichteten mehr als 11 000 Fälle von Durchfallerkrankungen in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Untersuchungen des RKI haben jetzt mit Noroviren verunreinigte Tiefkühlerdbeeren als Ursache erkannt.

„Diese Epidemie passt in das Bild, dass einige infektionsbedingte Magen-Darm-Erkrankungen jahreszeitlich gehäuft und bei Patienten bestimmten Alters auftreten“, sagt DGVS-Experte Professor Dr. med. Andreas Stallmach vom Universitätsklinikum Jena. Labortests an fast 100 000 Stuhlproben aus den Jahren 2002 bis 2008 aus Süddeutschland wiesen zwar über das ganze Jahr die verschiedensten Erreger nach. Noroviren jedoch treten vorwiegend zwischen September und April auf, Rotaviren zwischen Dezember und Juni. Bakterien kommen vermehrt von Juni bis November vor. Einzelne Erreger finden sich gehäuft bei Kindern und älteren Menschen: Säuglinge erkranken am häufigsten an Rota-, Noro- und Adenoviren. Im Kindergarten- und Schulalter häufen sich bakterielle Darminfekte durch Salmonellen und Campylobacter. Patienten ab 60 Jahren erkranken überwiegend an Noro-, Rotaviren und dem Bakterium Clostridium difficile.

Diese Ergebnisse erlauben auch ein gezielteres Vorgehen bei der Ursachensuche: „Da bestimmte Keime eindeutig alters- und saisonabhängig vorkommen, empfiehlt sich eine Stufendiagnostik, nach der wir zuerst auf die häufigsten Erreger testen“, sagt Professor Stallmach. Seien die Tests negativ, müssten Ärzte das Spektrum schnell auf andere Erreger erweitern. Im Idealfall dauern einfache Tests wenige Stunden beziehungsweise ein Arbeitstag.

Die DGVS entwickelt zurzeit ein Zertifikat für Ärzte, die sich für die Behandlung gastrointestinaler Infektionen besonders qualifizieren. (nh)

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