Dem Landkreis fehlen die Pflegekräfte

Der Pflegekräftemangel, der für die nächsten Jahre prophezeit wird, ist im Landkreis Hersfeld-Rotenburg schon angekommen. „Der Notstand ist längst da“, sagt Andreas Mardorf, Leiter der drei Diakonie-Krankenpflegestationen im Kirchenkreis Hersfeld.

Bei den kirchlichen Pflegern, die sich um 600 Patienten kümmern, sind derzeit fünf Teilzeitstellen unbesetzt. „Wir finden niemanden“, sagt Madorf. „Deshalb machen alle unsere Leute Überstunden.“

Die Gründe für den Personalmangel liegen für den Pflegekoordinator auf der Hand: Zum einen steige die Zahl der pflegebedürftigen Menschen, zum anderen sei die Branche schlicht zu unattraktiv. „Das liegt nicht nur an der geringen Bezahlung“, sagt Madorf. „Es geht auch um das Ansehen des Berufs.“ Seit Mitte des Jahres stellt die Diakonie auch Bewerber ein, die keine examinierten Pfleger sind. „Außerdem versuchen wir, durch Tariflohn und Sonderzahlungen attraktiv zu werden.“

Im Klinikum Bad Hersfeld und im Kreiskrankenhaus in Rotenburg sind derzeit noch alle Pflegestellen besetzt. Doch in Zukunft wird es wahrscheinlich auch dort zu Personalengpässen kommen. „Besonders in der OP- und Intensivpflege fehlen die Fachkräfte“, sagt Helmut Bode-Nohr, Pflegedienstleiter im Hersfelder Klinikum. Daran wird wohl auch die Tatsache nichts ändern, dass ab Sommer 2011 der Arbeitsmarkt für osteuropäisches Pflegepersonal geöffnet wird. „Krankenschwestern haben dort oft ganz andere Aufgaben als hier“, sagt Bode-Nohr.

„Die Pflege hat es bisher leider nicht geschafft, ihre Bedürfnisse geltend zu machen“, sagt Caren Hünlich, Pflegedienstleiterin im Rotenburger Kreiskrankenhaus. Die Lösung sieht auch sie in der Aufwertung des Berufs. Neben der Bezahlung müssten auch die Bedingungen bei Arbeitszeit und Pflegehilfsmitteln verbessert werden, fordert sie.

Pflegeschulen bilden selbst aus

Anders als viele andere deutsche Krankenhäuser betreiben das Klinikum Bad Hersfeld und das Kreiskrankenhaus in Rotenburg noch eigene Pflegeschulen. „Das entspannt unsere Lage enorm“, sagt Helmut Bode-Nohr, Pflegedienstleiter im Klinikum.

Am dortigen Lehrinstitut werden jedes Jahr 30 bis 50 Pflegekräfte ausgebildet. In Rotenburg sind es 40. Bis jetzt werden noch alle Ausbildungsplätze vergeben, doch der Bewerberansturm hat deutlich abgenommen.

„Auch die Voraussetzungen, die die Bewerber aus dem schulischen Bereich mitbringen, haben sich leider massiv verschlechtert“, berichtet Caren Hünlich, Pflegedienstleiterin im Kreiskrankenhaus in Rotenburg. (Von Saskia Trebing und Peter Gottbehüt)

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