Mit der manuellen Therapie können Funktionsstörungen und Schmerzen behoben werden

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Freude an Bewegung vermitteln: Dies ist eines der Behandlungsziele der Physiotherapeuten Jörg Thaetner und Tom Schäfer.

Schmerz ist wohl der Hauptgrund für einen Besuch beim Physiotherapeuten. Doch das ist letztlich nur die Spitze eines Eisberges.

Was darunter verborgen liegt und sich häufig über viele Jahre entwickelt hat, gilt es erst einmal zu ergründen, weiß Jörg Thaetner, der gemeinsam mit seinem Kollegen Tom Schäfer eine Physiotherapiepraxis in Kassel betreibt. Manuelle Therapie, die auch der Diagnostik dient, ist dabei ein wichtiger Baustein ihrer Arbeit.

Menschen als Ganzes sehen

Wann sind die Probleme besonders schlimm? Wie sieht der Arbeitsplatz des Patienten aus? Gab es einen akuten Auslöser wie einen Unfall? Welche ärztlichen Befunde gibt es? - Solche Fragen stehen im Mittelpunkt eines ausführlichen Vorgespräches. „Oft entstehen Rückenschmerzen in einem schleichenden Prozess, der extrem lange vom Körper kompensiert werden kann, sagt Tom Schäfer. „Aber irgendwann geht es dann nicht mehr.“ Bei der Suche nach den Ursachen und den therapeutischen Ansätzen schauen sich die Physiotherapeuten genau an, wie ein Patient sitzt, steht oder geht. Sie ertasten mögliche Verspannungen und strukturelle körperliche Besonderheiten oder schauen, ob eventuell das Becken schief steht oder die Beine unterschiedlich lang sind. „Es gilt, einen Blick auf den Menschen zu werfen und ihn als Ganzes zu sehen“, betont Schäfer. Daraus könne man oft bereits erkennen, ob zum Beispiel Veränderungen im beruflichen Umfeld oder von täglichen Bewegungsabläufen nötig seien.

Ebenso individuell wie jeder einzelne Patient sei dann die eigentliche Therapie. Oft gehe es dabei im ersten Schritt darum, die Beweglichkeit eines Gelenks und auch der Wirbelsäule wieder herzustellen.

Mit speziellen Handgriffen werden dabei zum Beispiel Gelenke, Muskeln und Weichteile gedehnt und mobilisiert. So sollen Bewegungseinschränkungen, Fehlhaltungen und Funktionsstörungen behoben, Schmerzen gelindert und eine bessere Stabilität erreicht werden.

Ziele seien, die Spirale aus Funktionsstörungen und Schmerzen zu durchbrechen und dass der Patient wieder Spaß an der Bewegung findet, sagt Schäfer. Auch krankengymnastische Übungen ergänzen deshalb häufig die Therapie. So kann auch Muskulatur aufgebaut werden, die Gelenke oder andere Strukturen entlastet.

Ihr Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten vergleichen die Physiotherapeuten mit einem Handwerkskoffer, in dem verschiedene Techniken und Methoden enthalten sind. Manuelle Therapie, Schmerzphysiotherapie, Osteopathie, Atemtechniken und Techniken zur Mobilisation von Nerven und Muskeln finden sich unter anderem darin. Jörg Thaetner bringt es mit einem Zitat auf den Punkt: „Wenn man als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht jedes Problem plötzlich wie ein Nagel aus.“ (zip)

HINTERGRUND

Die manuelle Therapie ist ein fester Bestandteil der klassischen Physiotherapie und dient in erster Linie dazu, Funktionsstörungen des Halte- und Bewegungsapparates zu behandeln. Die manuelle Therapie ist bereits aus dem alten China und der Antike bekannt. Schon damals wurden bestimmte Handgriffe angewendet, um zum Beispiel Rückenleiden zu behandeln oder Gelenke einzurichten. Aus den Traditionen dieser Volksmedizin entwickelten sich auch die Chiropraktik und die Osteopathie. Die Kosten für die manuelle Therapie werden von den Krankenkassen übernommen.

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